Das Gießener Pizza-Franchise Giazzo wächst auf 16 Filialen, 19 weitere Franchiseverträge sind bereits unterschrieben. Damit könnte sich das Netz binnen weniger Monate mehr als verdoppeln. Der Fall zeigt, wie schnell ein junges Ein-Produkt-Konzept mit Lieferfokus in Deutschland skalieren kann.
2023 von Paul Schniedwind und Nermin Beganovic in Gießen gegründet, wurde das Konzept bereits nach zwölf Monaten zum Franchise-Modell. Der ursprüngliche Name Ragazzo musste weichen, weil er einer geschützten Marke zu nahe kam. Aus dem Rest wurde Giazzo. Heute führt die Standortseite der Marke 15 aktive Filialen, die Gießener Allgemeine meldet den Sprung auf 16 Standorte und 19 unterzeichnete Verträge.
Ein Produkt, ein Fokus: Die Karte kennt nur Pizza
Keine Pasta, keine Burger, keine Salate. Wer bei Giazzo bestellt, bekommt Pizza, rund 15 Varianten, darunter halal, vegetarisch und vegan.
Der Teig besteht aus Wasser, Mehl, Hefe, Salz und Olivenöl und ruht 72 Stunden. Gebacken wird länger als in Neapel üblich, nach römischer Art, damit die Pizza auf dem Lieferweg knusprig bleibt. Die Fahrer nutzen beheizte Taschen. An starken Tagen zählt ein Standort bis zu 150 Bestellungen.
erreicht ein Giazzo-Standort an guten Tagen. Der Lieferservice ist der zweite Fokus neben dem Ladengeschäft. (Quelle: Gießener Anzeiger, August 2025)

Von Mittelhessen nach Mannheim und Herford
Im Sommer 2025 zählte das Netz drei Standorte: Gießen, Dillenburg und Wiesbaden. Ein Jahr später steht die Marke in Darmstadt, Marburg, Gladenbach, Lich, Butzbach, Solms, Elz, Groß-Zimmern, Hattersheim und Frankfurt am Main.
Zwei Adressen fallen aus dem hessischen Raster: Mannheim in Baden-Württemberg und Herford in Nordrhein-Westfalen. Das ursprüngliche Ziel, zuerst Hessen zu erschließen, hat das System damit früher verlassen als geplant. In Gießen selbst zog der Betrieb aus der Weststadt an die Bahnhofstraße 22 in die Innenstadt.
Wer bei Giazzo einsteigt
Der Standort Darmstadt zeigt das typische Profil. Betrieben wird er von Gor Manokyan und seiner Schwester Mariam aus Wetzlar. Gor war zuvor Stammkunde in Gießen und gestaltete als Mediengestalter Logo und Speisekarte der Marke, bevor er selbst Franchisenehmer wurde.
Die Marke wirbt mit einem geringen Startkapital, Unterstützung bei Standortwahl, Marketing und Schulung. Konkrete Eintrittsgebühren und laufende Gebühren nennt das Franchiseportal öffentlich nicht. Kandidat:innen erfahren die Konditionen erst im Bewerbungsgespräch.
Gut zu wissen:
Deutschland kennt kein eigenes Franchise-Gesetz. Nach der vorvertraglichen Aufklärungspflicht aus dem BGB muss der Franchisegeber alle wesentlichen Angaben zu Investition, Gebühren und Rentabilität jedoch rechtzeitig vor der Unterschrift offenlegen. Diese Unterlagen sollten schriftlich angefordert werden.
19 Verträge müssen jetzt zu Standorten werden
Ein unterschriebener Vertrag ist noch kein Umsatz. Zwischen Signatur und Eröffnung liegen Standortsuche, Ausbau, Genehmigungen und Personalaufbau. Für ein System, das erst rund drei Jahre alt ist, wird die Betreuungsqualität zum Engpass.
Beobachten sollten Interessierte drei Signale: das tatsächliche Eröffnungstempo der 19 Projekte, die Belastbarkeit der Lieferkette mit Zutaten aus Italien, und ob die frühen Partner:innen einen zweiten Standort übernehmen. Multi-Unit-Wachstum ist der beste Indikator dafür, dass sich ein Franchise für die Nehmerseite rechnet.
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