Nach der Insolvenz schließt der neue Eigentümer von Adenauer&Co zehn selbst betriebene Stores, die 33 Filialen der Franchisenehmer:innen laufen weiter. Zwei langjährige Franchisepartner sind sogar Miteigentümer geworden. Der Fall zeigt, welcher Teil eines Mischsystems eine Krise besser übersteht.
Bekannt wurde das maritime Modelabel mit seinen „Strandhäusern“ auf Föhr, Fehmarn und Juist. Vor der Krise zählte Adenauer&Co nach eigenen Angaben mehr als 200 Beschäftigte und rund 40 Millionen Euro Umsatz. Anfang August übernahm die Hamburger BK Retail Gruppe die Mehrheit. Am 22. September 2026 meldete die TextilWirtschaft, wie das Filialnetz nach dem Umbau aussieht.
Zehn eigene Stores zu, das Franchise-Netz bleibt stehen
Die neuen Eigentümer haben sechs Full-Price-Stores und vier Outlets geschlossen, die das Unternehmen selbst geführt hatte. Die Outlet-Kollektion ist eingestellt. Zwei weitere Outlets übernimmt eine neu gegründete Retail-Gesellschaft.
Unberührt bleiben der Teil des Unternehmens, der als Franchise-Betrieb aufgestellt ist: Die bisherigen Partner:innen führen ihre Geschäfte wie gewohnt weiter. Gestrichen wurde also dort, wo die Zentrale Miete, Personal und Warenrisiko allein getragen hat.
Filialen führen die Franchisenehmer:innen von Adenauer&Co nach der Neuordnung unverändert weiter. (Quelle: TextilWirtschaft, 22. September 2026)

Franchisepartner werden Miteigentümer
Die Mehrheit übernahm im August die BK Retail Gruppe um Kai Teute und Benedikt Beins, und zwar gemeinsam mit den langjährigen Franchisepartnern Daniela Rumberg und Axel Heitster. Gründer Andreas Adenauer, Enkel des ersten Bundeskanzlers, bleibt als Berater an Bord.
Dass Franchisenehmer:innen die Zentrale mit übernehmen, ist selten. Für das Netz hat es einen praktischen Vorteil: Wer künftig über Sortiment und Konditionen entscheidet, kennt den Alltag im Laden aus eigener Erfahrung. Rund 160 der zuletzt knapp 200 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.
Insolvenz in Eigenverwaltung nach Verlusten in der Türkei
In die Schieflage geriet das Unternehmen durch zwei Faktoren. Der Modehandel leidet unter Kaufzurückhaltung. Hinzu kam ein Produktionsprojekt in der Türkei, bei dem nach Darstellung des Gründers Geld verschwand. „Es wurden Gelder veruntreut“, erklärte Andreas Adenauer gegenüber der Wirtschaftswoche.
Das Verfahren läuft in Eigenverwaltung. Generalbevollmächtigter ist Franz Zilkens (Voigt Salus), Sachwalter Holger Rohde (Görg). Nach bisheriger Planung soll die Sanierung im Oktober 2026 abgeschlossen sein. Die Franchise-Filialen arbeiten währenddessen normal weiter.
Gut zu wissen:
Gerät ein Franchisegeber in die Insolvenz, laufen die Franchise-Verträge nicht automatisch aus. Ob sie fortgeführt werden, entscheidet sich im Verfahren. Wer bei einem Mischsystem einsteigen möchte, sollte vorab prüfen, wie hoch der Anteil der eigenen Filialen ist und wie die Zentrale finanziert wird.
Travemünde als erstes Wachstumssignal
Neben den Schließungen gibt es bereits Wachstumspläne. Für Dezember 2026 kündigen die neuen Eigentümer einen neuen Store in Travemünde an, weitere Standorte sollen folgen. Im Mittelpunkt stehen die touristischen Küstenorte an Nord- und Ostsee, wo das Franchise-Netz traditionell am stärksten ist.
Offen bleibt, ob Adenauer&Co künftig gezielt neue Partner:innen sucht oder die eigene Fläche wieder ausbaut. Die Richtung ist aber gesetzt. Für Franchisegeber in Deutschland liefert der Fall ein Argument, das in Krisen zählt: Der Franchise-Teil hat das Netz getragen.











