Mit 351 Standorten ist MediaMarkt die bekannteste Adresse für Unterhaltungselektronik in Deutschland. Wer die Marke als Selbstständige:r führen möchte, stößt allerdings schnell an eine Grenze: MediaMarkt vergibt hierzulande keine Franchise-Lizenzen. Wir erklären, welche Konzernstruktur dahintersteht, warum das Unternehmen auf Eigenregie setzt und welche Franchise-Systeme im Elektronikhandel dir stattdessen offenstehen.
Die Frage taucht in Gründerforen regelmäßig auf: Lässt sich ein MediaMarkt als eigenes Geschäft eröffnen? Die Verwechslung liegt nahe. Viele große Handelsmarken in Deutschland wachsen über Partner:innen, die einen Standort auf eigene Rechnung führen. Bei MediaMarkt ist das anders. Die Märkte gehören zum Konzern, werden von angestellten Führungskräften geleitet und folgen einer zentral gesteuerten Sortiments- und Preispolitik. Für Gründungsinteressierte bedeutet das: Der Weg führt über eine Anstellung, nicht über einen Franchise-Vertrag.
Was ist MediaMarkt?
Gegründet 1979 in einem Münchner Industriepark, startete MediaMarkt als Discounter für Elektronikartikel. Hinter der Idee standen Erich und Helga Kellerhals, Walter Gunz und Leopold Stiefel. Ihr Prinzip: Technik verkaufen wie im Supermarkt, mit riesiger Auswahl, aggressiven Preisen und einer Werbung, die bewusst frech auftrat.
1988 gab das Gründerteam die Mehrheit an die Kaufhof AG ab. Heute gehört die Marke zur CECONOMY AG, die unter dem Dach MediaMarktSaturn auch Saturn und die italienische Marke MediaWorld führt. Seit November 2025 hält der chinesische Handelskonzern JD.com die Mehrheit am Kapital.
MediaMarkt in Zahlen
- 351 MediaMarkt-Märkte in Deutschland, dazu 53 Saturn-Märkte (Stand Januar 2026).
- Rund 1.070 Märkte der Gruppe insgesamt.
- 11 Länder in Europa.
- Rund 50.000 Mitarbeitende europaweit.
- Umsatz der Gruppe: rund 23 Milliarden Euro.
- Zugehörigkeit: CECONOMY AG, Mehrheitseigentümer JD.com.
Das Sortiment deckt praktisch die gesamte Konsumelektronik ab: Smartphones, Fernseher, Haushaltsgroßgeräte, Computer, Gaming und Zubehör. Angesprochen werden Privatkund:innen im Massenmarkt, zunehmend aber auch Gewerbekund:innen über ein eigenes B2B-Angebot.
Der Erfolg der Marke beruht auf drei Hebeln. Die schiere Verkaufsfläche erlaubt eine Sortimentstiefe, die kleinere Händler:innen nicht abbilden können. Das Einkaufsvolumen der Gruppe drückt die Beschaffungspreise. Und die Werbung, über Jahrzehnte auf Zuspitzung getrimmt, hat die Marke zu einem festen Begriff gemacht. Inzwischen kommt ein wachsender Onlinekanal hinzu, der die Märkte als Abhol- und Servicepunkte einbindet.
Ist MediaMarkt ein Franchise-Unternehmen?
Nein, MediaMarkt betreibt kein Franchise-System
Die Antwort fällt eindeutig aus. MediaMarkt vergibt in Deutschland keine Franchise-Lizenzen. Alle deutschen Märkte laufen in Eigenregie des Konzerns. Ein Markt gehört zur Unternehmensgruppe, die Leitung liegt bei angestellten Führungskräften, und Sortiment, Preise sowie Werbeauftritt werden zentral gesteuert. Wer unter dem roten Logo arbeiten möchte, tut das als Angestellte:r, etwa als Marktleiter:in oder in der Zentrale.
Das Geschäftsmodell von MediaMarkt: Struktur und operativer Aufbau
An der Spitze steht die CECONOMY AG als Holding. Darunter bündelt MediaMarktSaturn das operative Geschäft mit MediaMarkt, Saturn und MediaWorld. Einkauf, Flächenentwicklung und Personal liegen bei den Landesgesellschaften.
Früher war das lockerer. Jeder Markt firmierte als eigene Gesellschaft, an der die örtliche Geschäftsführung beteiligt sein konnte. 2021 stimmten die Aktionär:innen der Convergenta-Transaktion zu, seitdem gehört die Media-Saturn-Holding vollständig zum Konzern.
Der Grund für die Eigenregie: Zentrale Steuerung sichert einheitliche Preise, bündelt die Einkaufsmacht über alle Standorte und verbindet Onlineshop und Fläche zu einem System. Ein Franchise-Netz mit selbstständigen Unternehmer:innen würde genau diese Kontrolle kosten.
Die Eigentümerstruktur spricht ebenfalls dagegen. Nach dem Angebot von JD.com zu 4,60 Euro je Aktie hielten Käufer und Gründerfamiliengesellschaft Convergenta zusammen 85,2 % des Kapitals, bewertet mit rund 2,2 Milliarden Euro. Erklärtes Ziel: raus von der Börse.
Anteil, den JD.com und Convergenta nach Ablauf der Angebotsfrist Ende November 2025 gemeinsam am Kapital der CECONOMY AG hielten. (Quelle: Handelsblatt)

Welche Expansionsstrategie verfolgt MediaMarkt?
Wachstum kommt heute weniger über neue Quadratmeter als über neue Erlösquellen. Der Konzern baut den Online-Marktplatz für Drittanbieter aus und verkauft Retail Media, also Werbeflächen im Shop und in den Märkten.
Parallel läuft eine Flächenbereinigung. Saturn-Standorte werden umgeflaggt statt geschlossen, welche Marke bleibt, entscheidet die lokale Marktanalyse. Dazu kommen Services für Reparatur, Installation und Finanzierung, die pro Kund:in mehr Ertrag bringen als der Gerätekauf.
Seit 1. Juli 2026 führt Remko Rijnders die CECONOMY AG. Auf dem Strategy Day im Juli 2026 rückte der Konzern Vertrauen ins Zentrum und bekräftigte die Plattformstrategie mit JD.com.
Gut zu wissen
Keine Franchise-Vergabe heißt nicht, dass MediaMarkt für Unternehmer:innen verschlossen ist. Der Konzern arbeitet mit Dienstleister:innen für Aufbau, Lieferung, Montage und Reparatur, und über den Marktplatz verkaufen Drittanbieter auf der Plattform. Das ist ein Liefer- oder Handelsverhältnis, kein Franchise-Vertrag: Du bekommst weder Gebietsschutz noch das Recht, unter der Marke aufzutreten.
Welche Franchise-Alternativen zu MediaMarkt gibt es in Deutschland?
Der deutsche Elektronikfachhandel ist stark von Verbundgruppen geprägt. EURONICS Deutschland eG vereint rund 1.100 Mitglieder an über 1.200 Standorten, expert kommt auf über 400 Standorte. Beide sind Kooperationen selbstständiger Händler:innen, keine Franchise-Systeme im engeren Sinn: Du trittst einer Genossenschaft oder Gesellschaft bei, statt eine Lizenz zu erwerben.
Echte Franchise-Konzepte rund um Technik, Elektronik und IT gibt es aber. Vier davon stellen wir dir im Detail vor.
1) MEDIMAX: der Elektronikfachmarkt als Franchise
MEDIMAX kommt dem MediaMarkt-Format am nächsten. Die Marke gehört zur Düsseldorfer ElectronicPartner Handel SE und umfasst über 70 Fachmärkte mit 800 bis 1.200 m² Verkaufsfläche und einem umfassenden Elektroniksortiment.
Seit 2019 übergibt ElectronicPartner eigene Märkte an Franchisepartner:innen. Zur Wahl stehen das 100-Prozent-Modell mit vollständigem Eigentum oder das 80/20-Modell, bei dem ElectronicPartner 20 % der Geschäftsanteile übernimmt und einen Teil des Kapitalbedarfs trägt.
Die Zentrale unterstützt bei Einkauf, Marketing, Buchhaltung und IT. Die Investition wird abhängig von Standort, Fläche und Beteiligungsmodell individuell vereinbart.
2) EP: der Fachhandel für kleinere Einzugsgebiete
EP: gehört ebenfalls zur ElectronicPartner Handel SE und umfasst über 300 Fachhändler:innen. Die Geschäfte sind 140 bis 400 m² groß und vor allem in kleineren Städten und ländlichen Regionen vertreten. Im Mittelpunkt stehen persönliche Beratung und Kundennähe.
Dank kleinerer Verkaufsflächen und Warenbestände ist der Kapitalbedarf geringer als bei MEDIMAX. Das 100-Prozent-Modell sieht vor, dass du den Betrieb vollständig besitzt. Nach dem Erstgespräch folgen ein Videocall, ein Termin in Düsseldorf, eine individuelle Einarbeitung und laufendes Coaching durch die Regionalleitung.
3) freenet: Telekommunikation im Shop-Format
freenet bietet ein Franchise-System mit 550 Standorten und ist Mitglied im Deutschen Franchiseverband. Das Angebot umfasst netzunabhängige Mobilfunktarife, Endgeräte und digitale Zusatzdienste.
Die Eintrittsgebühr beträgt 3.000 Euro. Die Gesamtinvestition richtet sich nach Ladengröße, Lage und Ausbauzustand. Dank kleiner Verkaufsflächen bleiben Warenbestand und Kapitalbedarf überschaubar.
4) einsnulleins: IT-Betreuung für kleine Unternehmen
einsnulleins gehört zur SYNAXON AG und richtet sich an IT-affine Gründer:innen. Statt eines Ladengeschäfts betreust du KMU mit IT-Services wie Netzwerken, Backups und Sicherheit.
Das System umfasst zehn Franchisepartner:innen an 13 Standorten. Die Eintrittsgebühr beträgt 15.000 Euro, die Gesamtinvestition wird individuell vereinbart. Wiederkehrende Wartungsverträge ermöglichen planbare Umsätze.
Ebenfalls zur SYNAXON AG gehört PC-SPEZIALIST mit über 250 Partnerbetrieben.
Der Redaktionstipp
Im Elektronikhandel entscheidet die Handelsspanne über alles. Prüfe deshalb zuerst die Einkaufskonditionen, die dir die Zentrale tatsächlich verschafft, und lass dir Deckungsbeiträge aus bestehenden Betrieben zeigen. Ein starkes Markenlogo nützt dir wenig, wenn du Ware zu Preisen beziehst, mit denen du gegen die großen Ketten nicht bestehst.
Ein Hinweis zum Ablauf: In Deutschland gibt es kein eigenes Franchise-Gesetz. Es gilt die vorvertragliche Aufklärungspflicht aus der Rechtsprechung zum BGB. Der Franchisegeber muss dich rechtzeitig vor Vertragsabschluss über alle wesentlichen Punkte informieren. Prüfe die Unterlagen sorgfältig und lass den Vertrag mindestens 14 Tage vor Unterzeichnung von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Handelsrecht durchsehen.
Häufige Fragen zu MediaMarkt und Franchise
Nein. MediaMarkt vergibt in Deutschland keine Franchise-Lizenzen. Sämtliche Märkte gehören zur CECONOMY-Gruppe und werden von angestellten Führungskräften geleitet. Eine Bewerbung als Franchisenehmer:in ist nicht vorgesehen.
Die Marke gehört zur CECONOMY AG, die unter dem Dach MediaMarktSaturn auch Saturn und MediaWorld führt. Nach dem Übernahmeangebot zu 4,60 Euro je Aktie hielten der chinesische Handelskonzern JD.com und die Gründerfamiliengesellschaft Convergenta zusammen 85,2 % des Kapitals.
MEDIMAX von ElectronicPartner. Das System führt über 70 Fachmärkte mit 800 bis 1.200 Quadratmetern Fläche und vollem Elektroniksortiment. Partner:innen können den Betrieb vollständig übernehmen oder das 80/20-Modell wählen, bei dem ElectronicPartner 20 % der Anteile hält.











