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Was ist ein Franchise? Definition, Bedeutung und Funktionsweise

6 Min. Lesezeit
händedruck im büro: vertrag und zusammenarbeit
Bildquelle : unsplash.com/ Amina Atar

Franchise-Unternehmen begegnen Ihnen täglich: an der Tankstelle, im Einkaufszentrum, beim Mittagessen. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Franchise”? Was bedeutet Franchising genau, wer profitiert davon und lohnt es sich, als Franchisenehmer einzusteigen? Dieser Artikel erklärt Ihnen die Grundlagen des Franchisings, zeigt bekannte Beispiele und gibt Ihnen einen klaren Blick auf Chancen und Risiken.

Was ist ein Franchise? Definition und Erklärung

Das Wort „Franchise“ stammt aus dem Altfranzösischen und bedeutet so viel wie „Freiheit“ oder „Vorrecht“. Franchising bezeichnet ein Geschäftsmodell, bei dem ein Unternehmen (der Franchisegeber) einem anderen (dem Franchisenehmer) das Recht erteilt, seine Marke, Produkte und Geschäftssysteme gegen Gebühr zu nutzen.

Einfach erklärt: Sie kaufen das Recht, unter einem bekannten Namen zu arbeiten – und erhalten dafür ein bewährtes System, Unterstützung und Bekanntheit. Im Gegenzug zahlen Sie Gebühren und halten sich an klare Regeln. Franchise bedeutet immer eine Partnerschaft, keine einseitige Abhängigkeit, aber auch keine vollständige Eigenständigkeit.

Weltweit gibt es laut dem World Franchise Council über 3 Millionen Franchise-Standorte. Allein in Deutschland sind es mehr als 1.000 aktive Franchise-Systeme mit rund 138.000 Franchisenehmern und der Markt wächst kontinuierlich.

Eigentumsverhältnisse beim Franchise

Eine der häufigsten Fragen lautet: Wem gehört beim Franchise eigentlich was?

Darum hier in Kürze erklärt: Der Franchisegeber behält das Eigentum an der Marke, dem Konzept und dem geistigen Eigentum. Der Franchisenehmer besitzt seinen einzelnen Standort als eigenständiges Franchise-Unternehmen. Damit ist er rechtlich selbstständig, handelt aber im Rahmen des Franchisevertrags. Wenn Sie also ein McDonald’s-Restaurant betreiben, sind Sie kein Angestellter von McDonald’s, sondern selbstständiger Unternehmer oder Unternehmerin – der/die allerdings nach den Vorgaben des Konzerns arbeitet.

Was ist ein Franchisegeber?

Der Franchisegeber ist das Unternehmen oder die Person, die das ursprüngliche Geschäftskonzept entwickelt hat. Er stellt Ihnen als Franchisenehmer Folgendes zur Verfügung: die Nutzung der Marke und des Logos, ein erprobtes Geschäftsmodell mit Betriebshandbüchern, Schulungen und laufenden Support sowie Marketingmaterialien und Werbemaßnahmen. Damit können Sie direkt in die Welt des Franchising einsteigen. Im Gegenzug erhält er die Franchise-Gebühren und profitiert von der Expansion seiner Marke, ganz ohne eigenes Kapital einsetzen zu müssen.

Was ist ein Franchisenehmer?

Als Franchisenehmer kaufen Sie eine Lizenz zur Nutzung des Franchise-Systems. Sie investieren eigenes Kapital, tragen das unternehmerische Risiko vor Ort und sind für die tägliche Betriebsführung verantwortlich. Gleichzeitig profitieren Sie von der Bekanntheit einer etablierten Marke und einem bereits funktionierenden System – ohne bei null anfangen zu müssen.

Tipp:

Franchisenehmer haben es bei Banken oft leichter, einen Kredit zu bekommen, als Unternehmer, die mit einer eigenen Marke starten wollen. Dabei spielt die Markenbekanntheit eine nicht unerhebliche Rolle.

Bekannte Franchise-Beispiele

Viele denken bei Franchise sofort an Fast Food und haben damit auch nicht Unrecht. Dabei gibt es viele bekannte Franchise-Marken auch in der Fitnesswelt, im Bereich Bildung und bei Betreuungsleistungen. McDonald’s betreibt weltweit über 40.000 Standorte, von denen rund 95 % als Franchise geführt werden. Subway ist mit mehr als 37.000 Restaurants in über 100 Ländern eines der größten Franchise-Systeme der Welt. RE/MAX und Century 21 dominieren den Immobilienbereich, Snap Fitness den Fitnesssektor.

Gleichsam ist nicht jede bekannte Marke automatisch ein Franchise-System. Obwohl viele das glauben: Apple betreibt seine Stores selbst und bietet kein Franchising, und auch die Modekette Zara kontrolliert ihre gesamte Lieferkette zentral. Auch IKEA bietet kein Franchising und gehört mehrheitlich der Ingka-Gruppe direkt.

Die Grundlagen des Franchising

Alles, was Sie über Franchise-Gebühren wissen müssen: Sie spielen also mit dem Gedanken, im Franchise-Business Fuß zu fassen, und fragen sich, welche Kosten auf Sie zukommen? Die Antwort variiert stark, je nach Branche und System. Insgesamt gibt es drei Kostenebenen:

  • Einstiegsgebühr (Franchise-Fee): einmalig bei Vertragsabschluss, meist zwischen 5.000 € und über 50.000 €.
  • Laufende Royalties: monatliche Gebühren, typischerweise 4–12 % des Umsatzes.
  • Werbekostenbeitrag: meist 1–4 % des Umsatzes für gemeinsame Marketingmaßnahmen des Netzwerks.

Hinzu kommen Investitionskosten für Ihren Standort: Einrichtung, Erstausstattung, Miete und Betriebsmittel. Das Startkapital für ein Franchise kann insgesamt zwischen 20.000 € und mehreren hunderttausend Euro liegen.

Franchise-Regeln: Was Sie beachten müssen

Als Franchisenehmer verpflichten Sie sich zur Einhaltung eines klar definierten Regelwerks der jeweiligen Franchise-Marke. Dieses umfasst Vorgaben zu Preisgestaltung und Sortiment, Ladengestaltung und Außenauftritt, Qualitätsstandards sowie Lieferantenauswahl. Die Regeln schützen die Marke und damit auch Sie und alle anderen Franchisenehmer im System.

Der Franchise-Vertrag

Der Franchisevertrag ist das zentrale Dokument jeder Franchisepartnerschaft. Er regelt die Laufzeit (oft 5–10 Jahre), das Lizenzgebiet, die Pflichten beider Seiten, Kündigungsbedingungen sowie Regelungen zur Übertragung oder Verlängerung. Lassen Sie diesen Vertrag vor Unterzeichnung unbedingt rechtlich prüfen.

Franchise-Offenlegungsdokument

In den USA ist der Franchisegeber gesetzlich verpflichtet, vor Vertragsabschluss ein detailliertes Offenlegungsdokument (Franchise Disclosure Document, FDD) auszuhändigen mit Informationen zu Unternehmensgeschichte, Rechtsstreitigkeiten, Finanzlage und Gebührenstruktur. In Deutschland gibt es keine vergleichbare gesetzliche Pflicht. Seriöse Franchisegeber legen entsprechende Informationen aber offen und Sie sollten aktiv danach fragen.

Vor- und Nachteile des Franchising

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Vorteile

Beim Franchising übernehmen Sie eine etablierte Marke, müssen Arbeitsabläufe nicht selbst optimieren und können auf bewährte Systeme setzen. Daher bietet Franchising vor allem Sicherheit und einen relativ einfachen Start:

  • Leichter Einstieg: Wenn Sie ein Franchise-Unternehmen eröffnen, starten Sie nicht bei null, sondern übernehmen eine etablierte Marke mit einem stabilen Kundenstrom. Die häufigsten Fehler der Gründungsphase wurden bereits vom Franchisegeber gemacht und von diesem auch optimiert.
  • Fester Kundenstamm: Kunden kennen und vertrauen der Marke bereits, was Ihnen den Markteintritt erheblich erleichtert.
  • Starthilfe: Franchisegeber bieten umfassende Einarbeitungsprogramme und laufenden Support.
  • Kredit von Banken: Banken finanzieren Franchise-Projekte oft lieber als komplett neue Geschäftsideen, da das Risiko als kalkulierbarer gilt.
  • Vorteile durch Networking: Über das Netzwerk profitieren Sie vom Austausch mit anderen Franchisenehmern sowie von gemeinsamen Marketingkampagnen.
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Nachteile und Risiken

Franchising ist nicht für jeden die richtige Wahl. Wer unternehmerisch vollständig frei sein möchte, wird sich schnell eingeengt fühlen. Die wichtigsten Risiken im Überblick:

  • Eingeschränkte Eigenständigkeit: Entscheidungen über Sortiment, Preise oder Gestaltung liegen meist beim Franchisegeber.
  • Laufende Kosten: Royalties und Werbegebühren schmälern dauerhaft Ihre Marge.
  • Abhängigkeit vom Franchisegeber: Reputationskrisen oder eine Insolvenz des Gebers treffen auch Sie.
  • Vertragsbindung: Der Ausstieg oder Verkauf des Standorts ist oft komplex und vertraglich eingeschränkt. Aber auch hier gibt es natürlich Wege.
  • Prüfpflicht: Nicht jedes Franchise-System ist transparent oder fair gestaltet. Informieren Sie sich also vor Vertragsabschluss gründlich.

Die beliebtesten Franchise-Branchen in Deutschland

Franchise-Möglichkeiten finden Sie heute vor allem in der Gastronomie, ebenso wie in aufstrebenden Märkten rund um aktuelle Trends. Zu den gefragtesten Bereichen zählen:

  • Systemgastronomie und Fast-Casual-Konzepte, besonders Bäckereien und Cafés.
  • Spezialisierte Food-Konzepte wie Smoothie-Bars oder Bowl-Restaurants.
  • Fitness- und Gesundheitsfranchises, die eine wachsende Zielgruppe gesundheitsbewusster Verbraucher ansprechen.
  • Dienstleistungsfranchises in Reinigung, Hausservice und Handwerk. Vorteile: niedrige Einstiegskosten und gute Skalierbarkeit.
  • Tierpflege und Tierbetreuung, die einen boomenden Markt mit treuer Kundschaft bedienen.
  • Bildungsfranchises, besonders Nachhilfe und Kreativangebote für Kinder, mit stabiler und krisenresistenter Nachfrage.

Was ist ein gutes Franchise zum Kauf?

Ihre Leidenschaft, Ihr verfügbares Kapital und die lokale Nachfrage bestimmen, welches Franchise wirklich zu Ihnen passt. Dennoch gibt es Konzepte, die sich in Deutschland besonders bewährt haben.
Im Fitnessbereich zählen Marken wie McFit und Snap Fitness zu den etablierten Modellen, mit loyaler Stammkundschaft und überschaubarem Flächenbedarf.

Im Bildungsbereich bietet die Schülerhilfe als eines der bekanntesten Nachhilfe-Franchises Deutschlands einen guten Einstieg in einen konjunkturunabhängigen Markt.

Interessieren Sie sich für Immobilien, ermöglicht RE/MAX Quereinsteigern mit Vertriebstalent den Direkteinstieg unter einer international anerkannten Marke.

Für alle, die etwas Sinnstiftendes aufbauen möchten: Ambulante Pflegedienste im Franchisemodell sind in vielen Regionen Deutschlands noch deutlich unterversorgt. Hier verbirgt sich viel nachhaltiges Wachstumspotenzial.

Welches Franchise-Konzept für Sie das richtige ist, hängt von Ihrem Standort, Ihrer Zielgruppe und Ihren persönlichen Stärken ab. Ein Franchisesystem mit transparenten Kosten, nachweisbaren Erfolgen bestehender Standorte und einer Mitgliedschaft im Deutschen Franchise-Verband ist dabei immer ein verlässliches Qualitätsmerkmal.

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