Du träumst davon, ein Reisebüro zu eröffnen, und fragst dich, was du dafür brauchst? Gute Nachricht: Der Zugang zum Beruf ist offen, eine spezielle Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, welche Voraussetzungen, Genehmigungen und Kosten 2026 auf dich zukommen, ob sich die Gründung lohnt und wie ein Franchise dir den Start erleichtern könnte.
Lohnt es sich 2026, ein Reisebüro zu eröffnen?
Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Im Jahr 2025 gaben die Bundesbürger:innen 87,9 Milliarden Euro für vorab gebuchte Urlaubsreisen aus, so viel wie nie zuvor. Allein die stationären Reisebüros erzielten dabei 21 Milliarden Euro Umsatz, davon 14,3 Milliarden Euro mit Privatkund:innen und 6,7 Milliarden Euro mit Geschäftsreisen.
Trotz Online-Buchungsboom bleibt die persönliche Beratung gefragt. Knapp 8.000 stationäre Reisebüros und rund 2.300 Reiseveranstalter sind in Deutschland aktiv, zusammen beschäftigen sie über 54.500 Menschen (Quelle: DRV). Wer ein eigenes Reisebüro eröffnen will, trifft also auf einen reifen, aber lebendigen Markt.
Dein Verdienst hängt stark vom Konzept ab. Reisebüros leben überwiegend von Provisionen der Reiseveranstalter, die je nach Produkt zwischen rund 8 und 15 Prozent liegen. Kreuzfahrten, Luxus- und Fernreisen bringen die höchsten Margen. Lohnt sich ein Reisebüro zu eröffnen? Ja, wenn du eine Nische besetzt, gut beraten kannst und das Online-Geschäft mitdenkst.
Kann jeder ein Reisebüro eröffnen?
Im Prinzip ja. Für das Reisevermittlungs- und Reiseveranstaltungsgewerbe bestehen keine Zugangsbeschränkungen. Du kannst ein Reisebüro also auch ohne Ausbildung eröffnen. Eine Ausnahme gilt nur, wenn du eigene Busse oder Fahrzeuge einsetzt, dann brauchst du eine Genehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG).
Das Reisebüro zählt allerdings zum überwachungspflichtigen Gewerbe. Was brauche ich also, um ein Reisebüro zu eröffnen? Du musst deine persönliche Zuverlässigkeit nachweisen, und zwar mit einem polizeilichen Führungszeugnis und einem Auszug aus dem Gewerbezentralregister. Beide reichst du bei der Gewerbeanmeldung ein.
Fachliche Vorkenntnisse sind keine Pflicht, aber ein klarer Vorteil. Eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau oder zum Tourismuskaufmann, Branchenerfahrung und betriebswirtschaftliches Know-how erleichtern den Start enorm. Die Konkurrenz ist groß, also sollte es dir nicht an Fachwissen fehlen.
In 7 Schritten zur Eröffnung deines Reisebüros
Wie kannst du ein Reisebüro eröffnen, ohne den Überblick zu verlieren? Mit einem klaren Fahrplan. Die folgenden sieben Schritte führen dich von der Idee bis zur Eröffnung.
Schritt 1: Konzept und Zielgruppe definieren
Zuerst entscheidest du, welche Art von Reisebüro du eröffnen willst. Ein klassisches stationäres Reisebüro mit Laufkundschaft, ein Online-Reisebüro ohne festes Ladenlokal oder ein mobiles Reisebüro, bei dem du als Reiseberater:in zu den Kund:innen kommst und kein Büro brauchst.
Wichtig ist auch der rechtliche Status. Als Reisevermittler:in verkaufst du Leistungen Dritter und kassierst Provisionen, die Insolvenzpflicht liegt beim Veranstalter. Bist du selbst als Reiseveranstalter:in tätig, bündelst du mindestens zwei Hauptleistungen zu einer Pauschalreise nach § 651a BGB und haftest entsprechend stärker.
Schritt 2: Businessplan erstellen
Einen Businessplan zu erstellen ist das Fundament jeder Unternehmensgründung. Er enthält die Marktanalyse für dein Einzugsgebiet, dein Alleinstellungsmerkmal, eine Umsatzprognose, die Kostenplanung und den Punkt, ab dem du die Gewinnschwelle erreichst.
Plane realistisch und kalkuliere die ersten Monate vorsichtig. Ein guter Plan überzeugt nicht nur dich selbst, sondern auch die Bank und Förderstellen wie die KfW.
Gut zu wissen:
Für die Finanzierung deiner Gründung kannst du den ERP-Gründerkredit der KfW nutzen. Banken erwarten in der Regel rund 20 bis 30 Prozent Eigenkapital. Ein sauberer Businessplan ist dabei die Eintrittskarte.
Schritt 3: Standort finden
Für ein stationäres Reisebüro ist der Standort entscheidend. Suche eine gut frequentierte Lage ohne direkte Konkurrenz nebenan, etwa in einer Fußgängerzone oder einem Einkaufszentrum.
Setzt du auf ein eigenes Online-Reisebüro, ersetzt eine professionelle Website das Ladenlokal. Dann zählt deine digitale Sichtbarkeit mehr als die Adresse. Ein mobiles Reisebüro kommt sogar ganz ohne Mietvertrag aus.
Schritt 4: Behörden und Genehmigungen
Dieser Schritt ist der bürokratische Kern. Auch wenn keine Sondergenehmigung nötig ist, musst du mehrere Stationen durchlaufen. Hier die wichtigsten der Reihe nach:
- Gewerbeanmeldung beim Gewerbe- oder Ordnungsamt deiner Stadt oder Gemeinde ;
- Polizeiliches Führungszeugnis und Gewerbezentralregisterauszug als Nachweis deiner Zuverlässigkeit ;
- Eintrag ins Handelsregister, sofern du als Kaufmann oder Kapitalgesellschaft firmierst ;
- Anmeldung beim Finanzamt zur Vergabe der Steuernummer ;
- Lizenzen für den Verkauf von Linienflugtickets (IATA) und Bahnwerten (DB-Agentur), falls du diese anbietest.
Wirst du selbst veranstaltend tätig, kommt eine wichtige Pflicht hinzu: die Kundengeldabsicherung nach § 651r BGB. Seit Juli 2021 läuft sie über den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF). Außerdem solltest du deine Kund:innen über allgemeine Gefahren am Urlaubsort, Pass- und Visavorschriften informieren, das ist gemeinsame Verantwortung von Vermittler und Veranstalter.
Schritt 5: Betrieb organisieren und ggf. Personal einstellen
Jetzt richtest du den Betrieb ein: Buchungssoftware, Zugang zu den Reservierungssystemen, Versicherungen und die Verträge mit den Veranstaltern. Eine Berufs- und Betriebshaftpflichtversicherung ist Pflichtprogramm, da du für falsche Auskünfte haftest.
Brauchst du Personal? Erfahrene Reisevermittler:innen bringen wertvolles Branchenwissen mit und vermeiden typische Anfangsfehler. Bedenke aber, dass Mitarbeitende von Beginn an deutlich höhere Fixkosten bedeuten.
Schritt 6: Marketing starten
Ohne Sichtbarkeit keine Kund:innen. Setze auf eine Mischung aus lokalem und digitalem Online-Marketing: eine suchmaschinenoptimierte Website, Präsenz in den sozialen Medien und gezielte Kampagnen über Social Media. Vergiss nicht dein Reisebürobei Google Business Profile einzutragen, damit man dein Reisebüro online findet.
Erreichbarkeit zählt: Biete Beratung vor Ort, telefonisch und schriftlich an, etwa per E-Mail oder Chat. Ein klares Profil, zum Beispiel als Spezialist:in für Kreuzfahrten oder Fernreisen, hebt dich von der großen Konkurrenz ab.
Schritt 7: Reisebüro eröffnen
Zum Schluss steht die eigentliche Eröffnung deines Reisebüros. Plane eine kleine Eröffnungsaktion, informiere die lokale Presse und nutze deine Netzwerke, um die ersten Buchungen anzuschieben.
Ein weicher Start mit ausgewählten Kund:innen hilft, die Abläufe zu testen, bevor du voll durchstartest. Danach gilt: dranbleiben, beraten und Stammkundschaft aufbauen.
Ist es auch möglich, ein Reisebüro als Franchise zu eröffnen?
Ja, und für viele Gründer:innen ist das der einfachste Weg. Statt bei null zu starten, profitierst du von einer eingeführten Marke, fertigen IT-Systemen, gebündelten Einkaufskonditionen und höheren Provisionen. Unter diese bekannten Franchise-Marken kannst du in Deutschland dein Reise-Unternehmen eröffnen:
- Lufthansa City Center (LCC) : mit rund 270 Partnern in Deutschland und 230 Büros in 100 Ländern das größte unabhängige Reisebüro-Franchisesystem. Dein Bürotname bleibt erhalten und wird mit der Marke LCC kombiniert.
- TUI : der größte deutsche Touristikkonzern betreibt die Franchise-Marken First Reisebüro, TUI Reise Center und Hapag-Lloyd.
- alltours Reisecenter : rund 92 Reisebüros, das System wirbt mit für die Branche geringen Franchisegebühren und viel unternehmerischer Freiheit.
- RTK / Raiffeisen Touristik : eine der größten Kooperationen Europas mit rund 4.200 Reisebüros, ideal, wenn du ein Reisebüro als Kooperation eröffnen möchtest.
Ein Franchise-System bindet dich allerdings vertraglich. Wegen der oft langfristigen Verpflichtungen solltest du dich vor der Unterschrift genau über den Vertragsinhalt informieren. Lass dir die vorvertraglichen Unterlagen rechtzeitig geben und prüfe den Franchise-Vertrag idealerweise 14 Tage vor der Unterzeichnung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt.
Wie viel kostet es, 2026 ein Reisebüro zu eröffnen?
Die Kosten für ein Reisebüro hängen stark vom Konzept ab. Ein mobiles oder reines Online-Reisebüro startet schon mit wenigen tausend Euro, ein stationäres Ladengeschäft mit Einrichtung liegt deutlich höher. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Posten für ein stationäres Reisebüro im Jahr 2026.
Kostenaufstellung Reisebüro eröffnen
| Kostenposten | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | 20 bis 65 Euro |
| Führungszeugnis + Gewerbezentralregisterauszug | je rund 13 Euro |
| Handelsregistereintrag (falls erforderlich) | 200 bis 400 Euro |
| Ladenmiete (Kaution + erste Monate) | 3.000 bis 9.000 Euro |
| Ladeneinrichtung und Renovierung | 10.000 bis 30.000 Euro |
| IT, Buchungssoftware und Systemzugänge | 2.000 bis 6.000 Euro |
| Professionelle Website / Online-Shop | 2.000 bis 8.000 Euro |
| Versicherungen (Start) | 500 bis 2.000 Euro |
| Marketing und Eröffnung | 2.000 bis 8.000 Euro |
| Summe (ohne Betriebskapital) | rund 25.000 bis 70.000 Euro |
Orientierungswerte für ein stationäres Reisebüro 2026. Amtliche Gebühren laut Bundesamt fürJustiz (Fühgrungszeugnis) und IHK (Gewerbeanmeldung); übrige Posten als maktübliche Schätzung auf Basis von Gründungsleitfaden (KfW Gründerplatform, IHK).
Zu diesem Betrag kommt ein Betriebskapital von drei bis sechs Monatsausgaben hinzu, damit du die Anlaufphase ohne Druck überbrückst.
Wie viel Eigenkapital brauchst du?
Banken und Förderbanken erwarten in der Regel 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition als Eigenkapital. Bei einer Startinvestition von 40.000 Euro sind das rund 8.000 bis 12.000 Euro, die du selbst mitbringen solltest.
Spannend ist der Vergleich zwischen einem eigenständigen und einem Franchise-Reisebüro. Das Franchise verlangt zwar laufende Gebühren, spart dir aber Aufwand bei Marke, Technik und Einkauf.
Kostenvergleich eigenständiges Reisebüro vs. Franchise
| Kostenposten | Eigenständiges Reisebüro | Franchise-Reisebüro |
|---|---|---|
| Eintrittsgebühr | keine | je nach System (einmalig) |
| Laufende Gebühren | keine | monatliche Grund- + umsatzabhängige Gebühr |
| Marken- und Marketingaufbau | komplett selbst | im System enthalten |
| IT und Buchungssysteme | selbst beschaffen | über die Zentrale |
| Provisionen / Einkaufskonditionen | selbst verhandeln | gebündelt, oft höher |
| Unternehmerische Freiheit | maximal | im Rahmen des Vertrags |
| Geschätzte Startinvestition | 25.000 bis 70.000 Euro | 15.000 bis 60.000 Euro |
Gegenüberstellung als Orientierung. Franchise-Konditionen und Gebühren variieren je System; Angaben laut den offiziellen Franchise-Seiten (Lufthansa City Center, alltours) und Branchendaten des DRV. Genaue Beträge nennt das jeweilige System in der vorvertraglichen Information.
Der Tipp der Redaktion:
Starte schlank. Ein mobiles oder eigenes Online-Reisebüro mit professioneller Homepage senkt die Anfangskosten drastisch und lässt sich später um ein Ladenlokal erweitern. So testest du dein Konzept mit geringem Risiko.
FAQ – Die häufigsten Fragen auf einen Blick
Ja. Für das Reisevermittlungsgewerbe gibt es keine Zugangsbeschränkungen, eine bestimmte Ausbildung ist nicht vorgeschrieben. Du musst aber deine persönliche Zuverlässigkeit mit Führungszeugnis und Gewerbezentralregisterauszug nachweisen. Branchenerfahrung ist trotzdem ein großer Vorteil.
Der Verdienst entsteht vor allem aus Provisionen der Reiseveranstalter, meist zwischen rund 8 und 15 Prozent je nach Produkt. Kreuzfahrten, Luxus- und Fernreisen bringen höhere Margen. Der konkrete Gewinn hängt von Umsatz, Fixkosten und Spezialisierung ab.
Nein. Ein eigenes Online-Reisebüro brauchst du nur eine professionelle Website und die nötigen Systemzugänge. Auch ein mobiles Reisebüro kommt ohne festes Büro aus. Das senkt die Startkosten deutlich gegenüber einem stationären Geschäft.











