Der Name Żabka sagt den meisten Deutschen nichts. Genau deshalb konnte sie wachsen — während 7-Eleven wegschaute. Die polnische Convenience-Kette betreibt heute mehr als 13.000 Filialen in Europa, erzielte 2025 einen Nettogewinn von rund einer Milliarde Zloty und hat einen neuen Konzernchef, der explizit plant, der führende Convenience-Anbieter des Kontinents zu werden. Im Juli 2026 versuchte der japanische 7-Eleven-Konzern, sich zu beteiligen. Die Verhandlungen scheiterten.
Am 16. Juli 2026 berichtete die japanische Zeitung Nikkei, dass Seven & i Holdings, das Mutterkonglomerat von 7-Eleven, in der Schlussphase von Gesprächen über einen Einstieg bei Żabka sei. Neun Tage später war es vorbei. Das Communiqué aus Tokio fiel kurz aus: Keine Einigung zu Bedingungen, die im Interesse aller Beteiligten liegen, berichteten polnische Medien. Kein Preis, kein neuer Termin, kein Plan B.
Żabka: der Convenience-Riese, den Westeuropa noch nicht auf dem Radar hat
Gegründet 1998 in Polen, ist Żabka heute weit mehr als eine Supermarktkette im Franchise-Modell. Mit über 13.000 Filialen in Polen und Rumänien, 18 Millionen Stammkunden und mehr als 10.000 aktiven Franchisenehmer:innen allein auf dem polnischen Markt ist das Unternehmen das, was 7-Eleven in Nordamerika und Asien ist: ein Alltagsinfrastruktur-Unternehmen, das kaum jemand wegdenken kann.
Das Modell von Żabka ist für den deutschen Markt bemerkenswert: Das Franchise-Unternehmen stellt Standort, Umbau, Ausstattung und Warenlieferung. Der Franchisenehmer bringt eine verhältnismäßig niedrige Einstandssumme und übernimmt Personalverantwortung. Dazu kommen drei Formate, darunter Żabka Nano, vollautonome KI-gestützte Filialen, die europaweit als Benchmark im autonomen Einzelhandel gelten.
Nettogewinn von Żabka im Geschäftsjahr 2025. Die Gruppe ist seit Oktober 2024 an der Warschauer Börse notiert und zählt zu den profitabelsten Convenience-Betreibern Europas.

7-Eleven: zu spät aufgewacht für Europa?
Die Frage stellt sich zu Recht. 7-Eleven ist in Deutschland für die Zivilbevölkerung schlicht nicht existent: Die wenigen Standorte hierzulande befinden sich ausschließlich auf US-amerikanischen Militärbasen in Grafenwöhr, Wiesbaden, Ramstein-Miesenbach und Spangdahlem. Ein erster Versuch, 2024 öffentliche Filialen in Berlin und Frankfurt am Main zu eröffnen, scheiterte an einem Streit mit einem Franchise-Partner, bevor auch nur eine Filiale aufmachte.
Während 7-Eleven zögerte, baute Żabka. Während der japanische Konzern seinen Europa-Einstieg auf die lange Bank schob, eröffnete die polnische Kette Tausende von Standorten, perfektionierte ein Franchise-Modell und ging an die Börse. Der gescheiterte Übernahmeversuch im Juli 2026 war der Versuch, mit einer Akquisition aufzuholen, was an organischem Aufbau versäumt wurde. Das Ergebnis: Aktionäre, die sich an Marktpreise gewöhnt haben, wollten nicht zu strategischen Rabatten verkaufen.
Gut zu wissen:
Seven & i Holdings hielt nach dem Scheitern der Verhandlungen fest, Europa bleibe eine „attraktive Wachstumschance”. Żabka war demnach nicht das letzte Wort aus Tokio.
Wird Żabka Europas eigenes 7-Eleven?
Das ist die eigentliche Frage hinter dieser Transaktion. Der neue Żabka-Konzernchef hat das Ziel, führender Convenience-Anbieter Europas zu werden, öffentlich formuliert. Das Unternehmen verfügt über das Netz, die Profitabilität und das Franchise-System, um diesen Anspruch einzulösen. Was fehlt, ist die Präsenz in Westeuropa, und damit auch in Deutschland.
Für deutsche Franchisenehmer:innen und Investor:innen ist das kein abstraktes Szenario. Der europäische Convenience-Markt ist unterentwickelt im Vergleich zu Nordamerika oder Japan: wenig Wettbewerb, hohe Margen bei richtiger Positionierung, wachsende Nachfrage nach schnellem Nahversorgungseinzelhandel in Städten. Wer die Lücke zuerst füllt, ob Żabka, 7-Eleven oder ein bisher unbekannter Dritter, wird eine Infrastruktur aufbauen, die sich kaum noch verdrängen lässt.











