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Kann man in Deutschland eine Aldi-Filiale eröffnen?

7 Min. Lesezeit
entrée du supermarché aldi avec caddies

Mit rund 4.200 Standorten zählt Aldi zu den bekanntesten Handelsmarken Deutschlands. Wer selbst eine Aldi-Filiale eröffnen möchte, stößt jedoch schnell an eine klare Grenze: Aldi ist kein Franchise-Unternehmen und vergibt deshalb keine entsprechenden Lizenzen. Dieser Artikel erklärt, warum der Discounter ausschließlich eigene Filialen betreibt, wie sein Geschäftsmodell aufgebaut ist und welche Marken im deutschen Lebensmittelhandel tatsächlich Partner- und Franchise-Modelle anbieten.


Die Frage stellen sich viele Gründer:innen, die in den Lebensmitteleinzelhandel einsteigen wollen. Ein Discounter mit hoher Frequenz, bekanntem Namen und stabiler Nachfrage wirkt auf den ersten Blick wie ein sicheres Franchise-Investment. Nur führt dieser Weg bei Aldi ins Leere. Wer unternehmerisch in die Nahversorgung einsteigen will, braucht deshalb eine andere Adresse.

Die Geschichte beginnt 1913 mit einem Lebensmittelgeschäft der Familie Albrecht in Essen. 1961 teilten die Brüder Karl und Theo Albrecht das gewachsene Filialnetz in zwei eigenständige Unternehmensgruppen auf, Aldi Nord und Aldi Süd. Ein Jahr später öffnete die erste Filiale im Discountformat.

Das Prinzip hat sich seither kaum verändert: ein bewusst schmales Sortiment, hohe Warenumschlagsgeschwindigkeit, schlanke Abläufe und ein Eigenmarkenanteil von rund 90 %. Genau diese Kombination hat den Namen zum Synonym für Discount gemacht. In Österreich firmiert Aldi Süd unter Hofer, in den USA gehört die Kette Trader Joe’s zur Unternehmensgruppe Aldi Nord.

Aldi in Zahlen

  • Rund 2.200 Filialen von Aldi Nord in Deutschland, organisiert in 20 Regionalgesellschaften.
  • Rund 2.000 Filialen von Aldi Süd in West- und Süddeutschland.
  • Rund 40.000 Mitarbeitende bei Aldi Nord in Deutschland, rund 50.000 bei Aldi Süd.
  • Unternehmensgruppe Aldi Nord: über 5.500 Märkte in acht Ländern, über 90.000 Mitarbeitende europaweit.
  • Aldi Süd: Präsenz in elf Ländern, erste Auslandsexpansion 1968 mit Hofer.
  • Handelserlöse der Unternehmensgruppe Aldi Nord 2025: über 31 Milliarden Euro.
+7,4 %

Wachstum der Handelserlöse bei Aldi Nord im Jahr 2025

Der deutsche Lebensmittelhandel legte im selben Zeitraum um 3,4 % zu. Aldi Nord wuchs also mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt und gewann in allen acht Ländern Marktanteile hinzu. (Quelle: Handelsblatt, 2026)

Die Popularität der Marke speist sich aus einem einfachen Versprechen: dasselbe Sortiment, dieselbe Qualität und derselbe Preis in jeder Filiale. Dazu kommen wöchentliche Aktionsartikel, die weit über Lebensmittel hinausgehen, sowie Zusatzgeschäfte wie der Mobilfunktarif Aldi Talk und Ladepunkte für Elektroautos an vielen Standorten. Aldi ist damit längst mehr als ein Preisführer: Die Marke prägt, was deutsche Haushalte unter Nahversorgung verstehen.

Der Erfolg lässt sich auch an der Fläche ablesen. Beide Gruppen investieren seit Jahren in größere, hellere Märkte mit breiteren Gängen, Backstationen und erweitertem Frischesortiment. Das Discountprinzip bleibt, die Ladenwahrnehmung nähert sich dem Supermarkt an. Diese Modernisierung erklärt, warum Aldi im Wettbewerb mit Vollsortimentern Marktanteile halten konnte, obwohl der deutsche Lebensmittelhandel als einer der preisaggressivsten Märkte Europas gilt.

Nein, Aldi betreibt kein Franchise-System

Die Antwort fällt eindeutig aus: Aldi bietet in Deutschland kein Franchise an. Weder Aldi Nord noch Aldi Süd vergeben Lizenzen an selbstständige Unternehmer:innen. Es gibt keine Eintrittsgebühr, keine laufenden Franchisegebühren, keinen Gebietsschutz und kein Bewerbungsverfahren für Franchisenehmer:innen, weil es schlicht kein Netz gibt, in das man eintreten könnte.

Jede Filiale gehört zur jeweiligen Regionalgesellschaft und wird von angestellten Führungskräften geleitet. Wer im Jahr 2026 Verantwortung für einen Aldi-Standort übernehmen will, tut das folglich als Filialleiter:in oder als Bezirksleiter:in mit Verantwortung für mehrere Märkte, nicht als Inhaber:in. Unternehmerische Berührungspunkte gibt es trotzdem, etwa als Immobilieneigentümer:in, die eine Fläche an eine Regionalgesellschaft vermietet, oder als Lieferant im Eigenmarkengeschäft.

Das Geschäftsmodell von Aldi: Regionalgesellschaften statt Franchisenehmer:innen

Aldi arbeitet dezentral, aber vollständig konzernintern. Aldi Nord führt seine deutschen Filialen über 20 Regionalgesellschaften, europaweit sind es 60. Bei Aldi Süd betreut jede Regionalgesellschaft typischerweise 50 bis 100 Filialen. Jede dieser Einheiten verfügt über eine eigene Verwaltung und ein eigenes Logistikzentrum.

Diese Struktur erklärt, warum ein Franchise-Modell nicht zum Unternehmen passen würde. Der Discountpreis entsteht aus der Kontrolle über die gesamte Kette: zentrale Einkaufsverhandlungen für alle Regionalgesellschaften, identische Abläufe vom Wareneingang bis zur Kasse, volle Hoheit über Kalkulation und Aktionsplanung. Ein Franchise-System würde eine zusätzliche Ertragsebene einziehen und lokale Abweichungen zulassen.

Genau das wäre bei einem Preisführer kontraproduktiv. Aldi finanziert sein Wachstum aus eigenen Mitteln und steckt es in Immobilien, Logistik und Filialtechnik statt in den Aufbau eines Partnernetzes. Die Expansion läuft über neue eigene Standorte und über den Umbau bestehender Filialen, nicht über die Vergabe von Lizenzen.

Gut zu wissen

Filialsystem und Franchise-System sind zwei grundverschiedene Wege. Im Filialsystem trägt das Unternehmen die Investition und stellt Führungskräfte an. Im Franchise-System investierst du selbst, führst einen eigenen Betrieb auf eigene Rechnung und zahlst dafür eine Eintrittsgebühr sowie laufende Gebühren. Aldi, Lidl, Netto Marken-Discount und Penny gehören zur ersten Kategorie.

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist stärker unternehmergeführt, als es die Discountlandschaft vermuten lässt. Mehrere große Marken öffnen ihre Netze gezielt für selbstständige Kaufleute, teils über klassische Franchise-Verträge, teils über Partnerschafts- und Lizenzmodelle. Zur Einordnung: Die deutsche Franchisewirtschaft zählt insgesamt 148.577 Franchise-Partner:innen und erwirtschaftet 149,2 Milliarden Euro Umsatz. (Quelle: Deutscher Franchiseverband, Franchisestatistik 2024)

Wichtig ist die Unterscheidung der Modelle. EDEKA und REWE arbeiten mit selbstständigen Kaufleuten in genossenschaftlich geprägten Verbundstrukturen, nahkauf, CAP und Getränke Hoffmann dagegen mit klassischen Franchise- und Lizenzverträgen. Die folgenden fünf Wege unterscheiden sich vor allem in Fläche, Kapitalbedarf und Vertragsform.

1) EDEKA: der Verbund selbstständiger Kaufleute

EDEKA ist kein Franchise-System im engeren Sinne, funktioniert für Gründer:innen aber sehr ähnlich. Rund 3.200 selbstständige Kaufleute führen 5.629 Märkte als Inhaber:innen, eingebettet in einen genossenschaftlich organisierten Verbund mit 77,3 Milliarden Euro Umsatz.

Im Geschäftsjahr 2025 wagten 87 Existenzgründer:innen den Schritt in die Selbstständigkeit, zusätzlich gingen 68 Märkte aus dem Regiebetrieb an Kaufleute über. Die Einstiegshürde bleibt vergleichsweise niedrig, weil die EDEKABANK die Finanzierung von Ware und Einrichtung strukturiert und Bürgschaften über die Kreditgarantiegemeinschaft absichert. Eine feste Eintrittsgebühr veröffentlicht der Verbund nicht. Erwartet werden dagegen Führungserfahrung auf der Fläche und in der Regel eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung im Handel.

2) REWE: Partnerschaftsmodell mit gemeinsamer OHG

Bei REWE führen 1.620 selbstständige Kaufleute ihre Märkte eigenverantwortlich und steigerten ihre Umsätze 2025 um 7,2 % auf 20,4 Milliarden Euro. Der Einstieg läuft über zwei Wege.

Im Partnerschaftsmodell gründen Kaufmann oder Kauffrau gemeinsam mit REWE eine offene Handelsgesellschaft. Das Unternehmen übernimmt einen Teil der finanziellen Verpflichtungen, der Einstieg gelingt laut Unternehmensangaben bereits mit einem mittleren fünfstelligen Betrag an Eigenkapital. Wer ohne Beteiligung des Unternehmens startet, trägt die Investition allein, wählt dafür aber die Rechtsform frei. Das Auswahlverfahren umfasst sechs Stufen, von der schriftlichen Bewerbung bis zum Assessment-Center.

3) nahkauf: Nahversorgung auf kleiner Fläche

nahkauf gehört zur REWE Group und ist auf kleinere Einzugsgebiete zugeschnitten. Rund 450 Standorte verteilen sich auf sechs Vertriebsregionen, die Verkaufsflächen liegen zwischen 300 und 800 Quadratmetern.

Das Modell richtet sich an Gründer:innen, die einen überschaubaren Markt in einer Gemeinde oder einem Stadtteil führen wollen. Die REWE Group stellt Sortiment, Logistik und Marketing, begleitet den Start über Unternehmensberater:innen und unterstützt bei der Finanzierung. Damit eignet sich das Format für Orte, an denen sich ein großer Supermarkt rechnerisch nicht trägt.

4) CAP: der Lebensmittelpunkt mit Inklusionsauftrag

CAP betreibt rund 100 Märkte als echtes Franchise-System und ist Mitglied im Deutschen Franchiseverband. Die Eintrittsgebühr liegt bei 10.000 Euro, die Gesamtinvestition wird individuell nach Standort und Fläche kalkuliert.

Die Besonderheit liegt im Konzept: CAP-Märkte beschäftigen gezielt Menschen mit Behinderung und schließen häufig Versorgungslücken in Stadtteilen und kleineren Gemeinden. Träger sind meist soziale Einrichtungen, die den Markt als Integrationsbetrieb führen. Für Kommunen, die einen Nahversorger zurückholen möchten, ist das Modell eine der wenigen realistischen Optionen.

5) Getränke Hoffmann: Lizenzmodell im Getränkefachhandel

Wer im Lebensmittelumfeld, aber nicht im Vollsortiment starten möchte, findet bei Getränke Hoffmann ein klar kalkulierbares Lizenzmodell. Die einmalige Lizenzgebühr liegt laut Unternehmensangaben zwischen 20.500 und 30.500 Euro, laufende Gebühren fallen nach diesem Modell nicht an.

Partner:innen erhalten Zugriff auf ein Sortiment von über 6.800 Artikeln inklusive Exklusivmarken, ein erprobtes Ladenkonzept, regionale Betreuung sowie Schulungen. Quereinsteiger:innen ohne Getränkeerfahrung werden über ein eigenes Einarbeitungsprogramm aufgenommen. Bei Personal und lokalen Aktionen bleibt ein spürbarer Gestaltungsspielraum.

Redaktionstipp

Das wichtigste Auswahlkriterium ist nicht die Marke, sondern die Fläche, die du realistisch finanzieren und führen kannst. Ein Vollsortimenter mit 2.000 Quadratmetern bindet deutlich mehr Kapital und erfordert Erfahrung in der Personalführung. Prüfe daher zuerst dein Eigenkapital und deine Flächenerfahrung – danach die Marke.

Ein rechtlicher Hinweis zum Schluss: In Deutschland gibt es kein eigenes Franchise-Gesetz, maßgeblich ist das allgemeine Vertragsrecht des BGB. Aus der Rechtsprechung ergibt sich die vorvertragliche Aufklärungspflicht, nach der Franchisegeber ihre Kandidat:innen rechtzeitig vor Vertragsabschluss vollständig informieren müssen. Prüfen Sie das vorvertragliche Informationsdokument sorgfältig und lassen Sie den Franchise-Vertrag mindestens 14 Tage vor Unterzeichnung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt bewerten.


Häufige Fragen zur Eröffnung einer Aldi-Filiale

Nein. Aldi Nord und Aldi Süd vergeben keine Franchise-Lizenzen und betreiben jede Filiale über ihre eigenen Regionalgesellschaften. Es existiert weder eine Eintrittsgebühr noch ein Bewerbungsverfahren für Franchisenehmer:innen.

Der Weg führt über eine Anstellung. Als Filialleiter:in verantworten Sie einen Standort, als Bezirksleiter:in mehrere Märkte einer Regionalgesellschaft. Unternehmerisch sind Kooperationen als Immobilieneigentümer:in oder als Lieferant im Eigenmarkengeschäft möglich.

Kleinflächige Konzepte binden am wenigsten Kapital. Das REWE Partnerschaftsmodell startet laut Unternehmensangaben mit einem mittleren fünfstelligen Betrag, nahkauf arbeitet mit Flächen von 300 bis 800 Quadratmetern. Die Eintrittsgebühr bei CAP liegt bei 10.000 Euro.

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