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Kann man in Deutschland eine Deichmann- Filiale eröffnen?

6 Min. Lesezeit
deichmann stadtfassade mit paar vor dem eingang

Mit rund 1.300 Filialen in Deutschland ist Deichmann die bekannteste Schuhadresse des Landes. Für Gründer:innen bleibt sie trotzdem verschlossen: Das Essener Familienunternehmen vergibt in Deutschland keine Franchise-Lizenzen. Wir zeigen, wie das Filialmodell funktioniert, warum der Konzern daran festhält und welche Schuh-Franchise-Unternehmen Ihnen als Alternative offenstehen.


Die Frage taucht in Gründungsberatungen regelmäßig auf: Lässt sich eine Deichmann-Filiale als selbstständige Unternehmerin oder selbstständiger Unternehmer eröffnen? Der Reflex ist nachvollziehbar. Wer eine bundesweit bekannte Marke, hohe Kundenfrequenz und eingespielte Logistik im Rücken hat, startet mit einem Franchise-Modell deutlich risikoärmer als mit einem eigenen Schuhladen.

Gegründet 1913 in Essen, hat sich Deichmann von einer kleinen Schuhmacherwerkstatt zum größten Schuhhändler Europas entwickelt. Der Sitz liegt bis heute im Ruhrgebiet, auf dem Deichmann-Campus in Essen, wo das Unternehmen zuletzt ein neues Zentralgebäude eingeweiht hat.

Die Rechtsform ist die DEICHMANN SE, den Aufsichtsrat führt Heinrich Deichmann. Entscheidend für unsere Frage: Der Konzern liegt zu 100 Prozent in Familienbesitz, ist nicht börsennotiert und wächst nach eigener Darstellung aus eigener Kraft, ohne Börsengang und ohne Kredite.

Zur Gruppe gehören mehrere eigenständige Handelsmarken: Dosenbach, Ochsner Shoes und Ochsner Sport in der Schweiz, vanHaren in den Niederlanden und Belgien, Rack Room Shoes in den USA sowie die Sneaker- und Streetwear-Kette SNIPES. Die Bekanntheit in Deutschland speist sich aus Preiseinstieg, Flächenpräsenz und einem Sortiment, das Familien komplett bedient.

Deichmann in Zahlen

  • 4.700 Filialen weltweit, davon rund 1.300 in Deutschland.
  • Präsenz in über 30 Ländern, dazu rund 40 Onlineshops.
  • Rund 50.000 Mitarbeitende weltweit, davon etwa 16.000 in Deutschland.
  • Konzernumsatz 2025: 8,9 Milliarden Euro, davon rund 2,7 Milliarden Euro in Deutschland.
  • Verkaufte Ware: rund 180 Millionen Paar Schuhe, davon etwa 66 Millionen Paar in Deutschland.
  • Eigentümerstruktur: 100 Prozent Familienbesitz, keine Börsennotierung.

8,9 Mrd.

Konzernumsatz in Euro im Geschäftsjahr 2025

Währungsbereinigt legte die Gruppe um mehr als zwei Prozent zu. Rund 2,7 Milliarden Euro davon entstehen im deutschen Heimatmarkt. (Quelle: DEICHMANN SE, 2025)

Die Positionierung ist konsequent auf Volumen ausgelegt. Deichmann verkauft überwiegend Eigen- und Lizenzmarken zu Einstiegspreisen und richtet sich an Familien, Berufseinsteiger:innen und preisbewusste Haushalte. Dazu kommen Services, die den Filialbesuch mit dem Onlinegeschäft verzahnen: Click & Collect, Ship-to-Home, das Treueprogramm DEICHMANN Plus und digitale Fußmessgeräte in modernisierten Läden.

Nein, Deichmann betreibt kein Franchise-System

Die Antwort ist klar: Deichmann vergibt in Deutschland keine Franchise-Lizenzen. Keine Eintrittsgebühr, kein Franchise-Vertrag, keine Gebietsvergabe. Alle deutschen Filialen gehören zum Konzern und werden von angestellten Teams geführt.

Dahinter steht die Wachstumslogik des Hauses: organische Expansion aus eigener Kraft, mit eigenen Landesgesellschaften und ohne Fremdkapital. Wer seine Filialen selbst finanziert, braucht kein Franchise. Selbstständige Partner würden mitentscheiden und müssten ihre Marge verdienen – bei Einstiegspreisen mit wenig Spielraum. Die Kontrolle über Preise und Auftritt ist daher Teil des Geschäftsmodells.

Eine Nuance gehört dazu. Außerhalb Europas hat der Händler mit Franchise-Partnern gearbeitet, in der MENA-Region gemeinsam mit der Retail-Gruppe AZADEA, das erste Franchise-Geschäft öffnete 2019 in Dubai. Auf den deutschen Heimatmarkt lässt sich das nicht übertragen.

Gut zu wissen

Franchise im Ausland bedeutet nicht Franchise in Deutschland. Konzerne nutzen Partnermodelle häufig nur dort, wo lokale Marktkenntnis, Immobilienzugang und Importstrukturen ohne einen einheimischen Partner kaum zu bekommen sind. In ihren Kernmärkten bleiben die Filialen im eigenen Besitz, weil dort Sortiment, Preis und Auftritt zentral gesteuert werden.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Deichmann?

Das Modell ist vertikal integriert. Die DEICHMANN SE in Essen steuert Einkauf, Sortiment, Markenführung und IT, die Landesgesellschaften betreiben die Filialen, eigene Distributionszentren versorgen sie mit Ware.

Daraus entsteht der Preisvorteil. Bei rund 180 Millionen Paar Schuhen pro Jahr verhandelt der Einkauf Stückkosten, die einzelne Fachhändler nie erreichen, und Eigenmarken lassen Marge und Endpreis frei bestimmen. Operativ arbeitet das Unternehmen mit stark standardisierten Läden: einheitliche Warenpräsentation, zentrale Preis- und Werbesteuerung, angestellte Filialleitungen, darüber eine Bezirks- und Regionalebene.

Der Handel gehört zu den beiden größten Segmenten der deutschen Franchisewirtschaft und stellt rund 20 Prozent aller Systeme. Insgesamt zählte die Branche 2024 148.577 Franchisenehmer:innen, 193.920 Betriebe und 149,2 Milliarden Euro Umsatz. (Quelle: Deutscher Franchiseverband)

Im reinen Schuhhandel ist die Auswahl trotzdem überschaubar. Große Ketten setzen wie Deichmann auf eigene Filialen, viele Fachgeschäfte organisieren sich in Verbundgruppen statt in Franchise-Systemen. Drei Konzepte arbeiten in Deutschland aber tatsächlich mit selbstständigen Partner:innen.

1) Quick Schuh: Franchise im Schuhfachhandel

Quick Schuh gibt es seit 1969; heute umfasst das Netzwerk laut Systemzentrale weit über 100 Standorte in Deutschland und Österreich. Franchisegeberin ist die ANWR Schuh GmbH.

Partner erhalten ein schlüsselfertiges Verkaufskonzept, Warenprogramme, Finanzierungsmodelle und Marketingunterstützung. Die Standorte liegen vor allem in Mittelstädten und Stadtteilzentren.

2) Geox: Markenshops mit klaren Standortkriterien

Der italienische Schuhhersteller Geox betreibt weltweit 1.095 Geschäfte in mehr als 100 Ländern, davon 439 selbst. Die übrigen Standorte werden von Partner geführt – Franchise ist damit ein fester Bestandteil des Vertriebsmodells, auch in Deutschland.

Gesucht werden 100 bis 130 Quadratmeter große Flächen in Einkaufszentren oder guten Innenstadtlagen von Städten mit mehr als 70.000 Einwohner.

Geox unterstützt mit Ladenbaukonzepten, Vertrieb und Schulungen. Angesprochen werden sowohl erfahrene Händler als auch Quereinsteiger.

3) Mister Minit: Schuhservice statt Schuhverkauf

Wer ohne großes Warenlager in die Schuhbranche einsteigen möchte, findet bei Mister Minit ein alternatives Modell. Die MINIT Group betreibt europaweit rund 1.000 Standorte, etwa 25 Prozent davon im Franchise, und ist auch in Deutschland vertreten.

Das Angebot reicht von Schuh- und Schlüsselservice bis zu Gravuren sowie Uhren- und Smartphone-Reparaturen. Die kleinen Standorte in Einkaufszentren oder Bahnhöfen halten Mieten und Warenbestand niedrig.

Im Mittelpunkt steht statt des Warenverkaufs vor allem Handwerk und Servicequalität. Die Ausbildung erfolgt durch das System; Details zu Investitionen und Konditionen werden im persönlichen Gespräch erläutert.

4) Was kostet ein Schuh-Franchise im Jahr 2026?

Keines der drei Systeme veröffentlicht feste Investitionssummen, und das hat einen sachlichen Grund: Miete, Ladenbau und Warenbestand hängen fast vollständig vom Standort ab. Ein 130 Quadratmeter großer Shop in einem Einkaufszentrum erfordert eine andere Investition als eine kompakte Servicetheke am Bahnhof. Die einzelnen Kostenblöcke lassen sich dennoch gut eingrenzen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Positionen.

Kostenstruktur eines Handelsfranchise

Kostenblock Was dahintersteckt Worauf Sie achten
Eintrittsgebühr Einmalige Zahlung für Markennutzung, Einarbeitung und Systemzugang Welche Leistungen sind enthalten, welche kosten extra?
Ladenbau und Technik Einrichtung nach Markenstandard, Kasse, IT, Beschilderung Größter Einzelposten bei Neueröffnungen
Warenerstausstattung Erstsortiment inklusive Größenläufe Rückgabe- und Umtauschregeln für Restware klären
Miete und Kaution Vorlaufmieten, Sicherheiten, Nebenkosten Lauflage schlägt Quadratmeterpreis
Laufende Gebühren Umsatzabhängige Gebühren und Marketingbeitrag Berechnungsbasis genau definieren lassen
Betriebsmittel Personal, Versicherungen, Liquidität der Anlaufphase Mindestens sechs Monate Puffer einplanen

Gut zu wissen:

Bei der Finanzierung kann ein Förderkredit helfen. Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW stellt bis zu 200.000 Euro für Investitionen und Betriebsmittel bereit, verlangt kein Eigenkapital und gewährt bis zu zwei tilgungsfreie Jahre. Beantragt wird er über die Hausbank, nicht direkt bei der Förderbank.

Eigenkapital bleibt trotzdem sinnvoll. Es verbessert die Verhandlungsposition bei Bank und Vermieter und puffert die Monate, in denen der Standort noch nicht die geplanten Umsätze bringt.

Der Redaktionstipp

Das wichtigste Auswahlkriterium im Schuhhandel ist nicht die Marke, sondern die Lauflage. Fordern Sie vom System eine belegte Frequenzanalyse für den konkreten Standort und sprechen Sie mit mindestens drei bestehenden Partner:innen über deren erste zwei Jahre. Wer diese Gespräche nicht ermöglicht, sagt Ihnen damit schon etwas Wesentliches.

Vor jeder Verpflichtung gilt: Prüfen Sie die vorvertraglichen Informationen des Systems sorgfältig und lassen Sie den Franchise-Vertrag mindestens 14 Tage vor der Unterschrift von einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt durchsehen. In Deutschland gibt es kein eigenes Franchise-Gesetz, die vorvertragliche Aufklärungspflicht des Franchisegebers leitet sich aus dem BGB und der Rechtsprechung ab.


Häufige Fragen zur Deichmann Filiale und zu Schuh-Franchises

Nein. Alle rund 1.300 deutschen Filialen gehören zum Konzern und werden von angestellten Teams geführt. Eine Selbstständigkeit unter der Marke ist in Deutschland nicht möglich, weder als Franchise noch als Lizenz.

Der Weg führt über eine Anstellung. Das Unternehmen besetzt Führungspositionen im Verkauf überwiegend intern und bietet dafür Ausbildung, Trainee- und Weiterbildungsprogramme an. Offene Stellen laufen über den eigenen Karrierebereich.

Im Fachhandel arbeitet Quick Schuh mit selbstständigen Partner:innen, bei den Markenshops Geox. Im Schuhservice ist Mister Minit das bekannteste Franchise. Die Konditionen werden jeweils standortbezogen gerechnet und nicht öffentlich veröffentlicht.

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