Die Honestis-Gruppe, Muttergesellschaft von Dorint, bringt mit der DHO Deutsche Hotel Operations einen White-Label-Betreiber für die D-A-CH-Region an den Start. Erstes Haus ist ein Mercure in Eschborn. Sieben Monate nach dem Zusammenbruch von Revo Hospitality zeigt der Fall, wie stark Franchisegeber in der Hotellerie am längeren Hebel sitzen.
Die Gesellschaft mit Sitz in Köln richtet sich an Eigentümer:innen von Bestandshotels im Segment von drei bis vier Sternen plus, an A-, B- und C-Standorten. Als Mitgesellschafter steigt Björn Weidner ein und verantwortet das operative Geschäft. Er war über 15 Jahre in der Geschäftsführung der HR Group und zuletzt Chief Legal Officer bei Revo Hospitality. Die Dorint-Gruppe erzielte 2025 einen Umsatz von 343 Millionen Euro ohne Franchise-Netzwerk, bei einer Belegung von 65,7 % und einer Zimmerrate von 134,10 Euro.
DHO: ein Betreiber, der bewusst keine eigene Marke verkauft
White Label heißt: Die DHO führt Häuser für Dritte, ohne dass ihr Name an der Fassade steht. Je nach Standort kommen Marken aus dem Dorint-Portfolio, internationale Franchisegeber oder ein eigenständiges Schild infrage.
Was sie tatsächlich verkauft, ist Plattformzugang plus Bilanzsicherheit. Über die konzerneigene HON-Service-Plattform laufen bereits mehr als 60 Dorint-Hotels mit Vertrieb, Revenue Management, Controlling, Einkauf und Instandhaltungssteuerung. Dazu bietet die DHO eine Konzerngarantie der DHI Dorint Hospitality & Innovation sowie Mietbürgschaften auf erstes Anfordern.
Revo Hospitality: als Accor die Buchungssysteme abschaltete
Am 16. Januar 2026 meldete Revo Hospitality Insolvenz in Eigenverwaltung an, mit rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich und etwa 5.500 Beschäftigten. Auslöser war laut Fachpresse, dass Accor Anfang Januar die Buchungssysteme zahlreicher Häuser sperrte, weil Franchisegebühren offen waren.
Für Franchisenehmer:innen jeder Branche ist das die Lehre des Jahres. Der Systemzugang ist kein Beiwerk des Vertrags, er ist der Vertrag. Wer ihn verliert, verliert binnen Tagen die Vertriebsbasis.
Das Portfolio wurde zerschlagen, rund 120 Hotels gingen an fünf Käufer, die Berliner Zentrale schloss. Genau in diese Lücke stößt die DHO mit ihrem Garantieversprechen.
Franchise, Management, Pacht: wer in der Hotellerie welches Risiko trägt
Erstes Haus der DHO ist das Mercure Hotel Frankfurt Eschborn Helfmann-Park mit 179 Zimmern. Mercure gehört zu Accor und zählt weltweit 1.038 Hotels in Betrieb. Betrieben werden solche Häuser typischerweise über zwei getrennte Verträge, und die Unterscheidung entscheidet über die Risikoverteilung:
- Pacht : Der Betreiber mietet die Immobilie und bewirtschaftet sie auf eigenes Risiko, mit eigenem Personal.
- Managementvertrag : Der Eigentümer trägt das operative Risiko und beschäftigt das Personal, der Betreiber erhält eine Management Fee.
- Franchisevertrag : Er bezieht sich auf die Marke, nicht auf die Immobilie. Der Franchisenehmer zahlt Franchise- und Marketinggebühren und erhält Buchungssystem, Standards und Loyalty-Anbindung.
Accor betreibt nach eigenen Angaben nur drei Prozent seiner Zimmer im Eigentum oder in Pacht, 60 % des Netzes läuft über Franchise, 37 % über Management. Der Konzern wandelt Managementverträge derzeit aktiv in Franchiseverträge um.
Gut zu wissen
Die Dorint-Gruppe steht auf beiden Seiten des Franchiseverhältnisses. Ihre rund 63 Hotels laufen über Pacht-, Management- und Franchiseverträge, sie tritt also selbst als Franchisegeberin auf und wird über die DHO zugleich Lizenznehmerin fremder Marken.
Ein Markt, in dem Betreiber die eigentlichen Franchisenehmer sind
Die DHO trifft auf ein besetztes Feld. Novum Hospitality setzte 2024 471,2 Millionen Euro um und hat rund 80 Prozent seines Portfolios auf IHG-Marken umgeflaggt. GSH kommt nach dem Zusammenschluss mit Aspire und Great2Stay auf 7.276 Zimmer, Primestar auf mehr als 4.300.
Von den rund 190 IHG-Hotels in Deutschland führen Novum und tristar zusammen über die Hälfte. Die Markenkonzerne wachsen also kaum noch selbst, sie wachsen über Betreiber, die als Franchisenehmer auftreten.
Zu beobachten bleibt, welche Häuser aus dem Revo-Umfeld bei der DHO landen und ob die angekündigte Konzerngarantie Eigentümer:innen tatsächlich überzeugt. Die Pipeline der Gesellschaft ist bislang nicht beziffert.











