Ein Starbucks im südkoreanischen Gimpo, weniger als zwei Kilometer von Nordkorea entfernt, zieht seit seiner Eröffnung im November 2024 mehr als 120.000 Besucher:innen an. Was wie eine kuriose Reiseanekdote klingt, ist in Wahrheit ein Lehrstück über Markenpower — und darüber, was einen Franchise-Standort zur echten Attraktion machen kann.
Der Aegibong Peace Ecopark in Gimpo, rund eine Autostunde von Seoul entfernt, liegt direkt am Han-Fluss — und damit nur 1,4 Kilometer von nordkoreanischem Territorium entfernt. Seit November 2024 betreibt Starbucks Korea, ein Lizenznehmer der Shinsegae-Gruppe, dort eine Filiale mit Panoramablick auf die entmilitarisierte Zone. Der Zugang ist alles andere als selbstverständlich: Besucher:innen melden sich vorab an, passieren einen Kontrollpunkt der südkoreanischen Marine und gelangen per Shuttle auf das Gelände.

Das Phänomen Aegibong: Kaffee mit Blick auf die DMZ
Seit der Starbucks-Filiale eröffnete, haben sich die Besucherzahlen des Parks mehr als verdoppelt. Von Januar bis April 2025 verzeichnete der Aegibong Peace Ecopark im Schnitt 32.379 Besucher:innen pro Monat, gegenüber 15.852 im Monatsdurchschnitt des Vorjahres. An Wochenenden kommen täglich rund 1.000 Gäste zur Filiale.
Starbucks Korea begründete die Standortwahl mit der „malerischen Zusammenführung von Han- und Imjin-Fluss”. Der eigentliche Magnet ist ein anderer: der ungehinderte Blick auf Nordkorea, wenige hundert Meter entfernt.
Besucher:innen seit der Eröffnung im November 2024 — der Aegibong Peace Ecopark hat seine Frequenz binnen weniger Monate mehr als verdoppelt. (Quelle: AFP, Juli 2026)

Internationaler Ansturm: Auslandsbesuche steigen um 275 Prozent
Das Phänomen beschränkt sich nicht auf südkoreanische Touristen. Die Zahl ausländischer Besucher:innen stieg im Vergleich zum Vorjahr um +275 % auf 56.829 Personen. Chinesische Reisende stellen fast ein Drittel der internationalen Gäste.
Der Kontrast ist das eigentliche Spektakel: Selfies vor dem grünen Starbucks-Logo, dahinter Grenzzaun und die menschenleere Landschaft Nordkoreas. Dieser visuelle Widerspruch zwischen kapitalistischer Markenikone und kommunistischem Nachbarstaat macht den Ort viral — und zeigt, wie eine Marke Bedeutung erzeugt, die weit über das Produkt hinausgeht.
Anstieg ausländischer Besucher:innen in einem Jahr
56.829 internationale Gäste besuchten den Aegibong Peace Ecopark nach der Starbucks-Eröffnung — fast dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. (Quelle: AFP / Gimpo Cultural Foundation, Juli 2026)
Was Standort und Marke gemeinsam leisten: die Franchise-Lektion
Kein anderes Café, keine unbekannte Kette hätte denselben Effekt erzielt. Der Starbucks in Gimpo ist kein touristisches Zufallsprodukt. Er belegt, dass eine etablierte Franchise-Marke aus einem schlichten Ort eine Destination machen kann — einfach weil der Name allein Vertrauen, Neugier und Frequenz erzeugt.
Für Unternehmer:innen, die einen Franchise-Einstieg prüfen, liefert das Beispiel eine direkte Erkenntnis: Lage und Marke multiplizieren sich gegenseitig. Ein guter Standort mit schwacher Marke bleibt unsichtbar. Eine starke Marke an einem außergewöhnlichen Ort wird zur Nachricht.
Gut zu wissen:
Starbucks Korea wird von der Shinsegae-Gruppe als Lizenzpartner betrieben, nicht im klassischen Franchise-Modell. Starbucks vergibt weltweit keine individuellen Franchise-Lizenzen an Privatpersonen — ein Punkt, der für Interessierte in Deutschland direkt relevant ist.
Starbucks-Franchise in Deutschland: Was Kandidat:innen wissen müssen
Starbucks betreibt in Deutschland mehrere Hundert Standorte, darunter viele über Lizenzpartner in Bahnhöfen, Flughäfen und Einkaufszentren. Ein klassisches Franchise-Modell für Privatpersonen existiert hierzulande jedoch nicht. Wer eine Starbucks-Filiale eröffnen möchte, wird keine Bewerbungsmöglichkeit finden.
Wer dennoch mit einer starken Marke in der Systemgastronomie starten möchte, hat Alternativen. Der deutsche Franchise-Markt zählt rund 890 aktive Systeme mit sehr unterschiedlichen Einstiegsbedingungen. *(Quelle: DFV)*











