Du möchtest ein Nachhilfeinstitut gründen und weißt nicht, wo du anfangen sollst? In Deutschland ist kein Lehramtsstudium vorgeschrieben, um eine Schülerhilfe zu starten — doch rechtliche, finanzielle und organisatorische Fragen müssen von Beginn an geklärt werden. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch Voraussetzungen, Kosten und Franchise-Optionen für 2026.
Voraussetzungen zur Eröffnung einer Schülerhilfe
Ein Nachhilfeinstitut gründen — das ist in Deutschland ohne pädagogischen Hochschulabschluss möglich. Laut BMWK-Existenzgründungsportal erfordert Nachhilfe keine formale Lehrqualifikation. Entscheidend ist, dass du über die fachliche Kompetenz in den angebotenen Fächern verfügst und diese Schüler:innen strukturiert vermitteln kannst.
Was du dagegen zwingend brauchst: eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt deiner Gemeinde. Nachhilfe gilt nach vorherrschender Meinung in Deutschland als gewerbliche Tätigkeit — sie erfüllt die Kriterien einer „Dienstleistung höherer Art” nicht, da Nachhilfeunterricht grundsätzlich auch ohne akademischen Abschluss erbracht werden kann. Die Einstufung als freiberufliche Tätigkeit ist im Einzelfall möglich, aber rechtlich unsicher und sollte mit dem zuständigen Finanzamt abgeklärt werden.
Die wesentlichen Voraussetzungen, um ein Nachhilfe-Unternehmen in 2026 zu gründen, im Überblick:
- Gewerbeanmeldung: Pflicht beim lokalen Gewerbeamt, Kosten in der Regel 20 bis 60 Euro je nach Gemeinde.
- Geeignete Räumlichkeiten: Gewerblich nutzbare Fläche mit ausreichend Platz für Unterrichtsgruppen oder Einzelstunden (keine private Mietwohnung, da diese laut OLG Köln für regelmäßigen Unterrichtsbetrieb unzulässig sein kann).
- Erweitertes Führungszeugnis: Bei der Arbeit mit Minderjährigen in vielen Bundesländern vorgeschrieben — unbedingt vorab bei der zuständigen Behörde prüfen.
- Rentenversicherungspflicht: Selbstständige Lehrkräfte sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, sobald sie regelmäßig tätig sind. Eine Befreiung ist unter bestimmten Bedingungen möglich.
6 Schritte zur Eröffnung einer Schülerhilfe
Vom ersten Konzept bis zum ersten Unterrichtstag — diese sechs Schritte strukturieren deinen Weg in die Selbstständigkeit als Nachhilfegründer:in.
Schritt 1 – Konzept und Zielgruppe definieren
Bevor du ein Gewerbe anmeldest, kläre dein Angebot: Welche Fächer, welche Altersgruppen, welches Unterrichtsformat? Einzelstunden sind intensiver und preislich höher angesetzt, Kleingruppen hingegen besser skalierbar. Entscheide außerdem früh, ob du Präsenzunterricht, online Nachhilfe eröffnen oder ein hybrides Modell anbieten willst.
Gerade wer online Nachhilfe anbieten möchte, spart erhebliche Mietkosten — investiert aber in professionelle Videokonferenz-Infrastruktur und ein digitales Buchungssystem. Definiere deine Zielgruppe klar: Grundschulkinder, Gymnasiast:innen oder Abiturvorbereitung haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse.
Schritt 2 – Businessplan erstellen
Ein solider Businessplan ist Pflicht — für die Eigenfinanzierung ebenso wie für das Bankgespräch. Er umfasst eine Marktanalyse (lokale Schullandschaft, Wettbewerb, Nachfrage), eine Umsatzprognose für die ersten drei Jahre sowie eine vollständige Kostenkalkulation.
Die KfW bietet mit dem ERP-Gründerkredit Startgeld Darlehen bis 125.000 Euro auch für Bildungsdienstleister:innen. Deine regionale IHK stellt kostenlose Beratungen und Businessplan-Vorlagen bereit — nutze dieses Angebot frühzeitig.
Schritt 3 – Standort finden
Der Standort ist bei einem stationären Nachhilfeinstitut entscheidend. Suche nach gewerblich nutzbaren Räumen mit guter ÖPNV-Anbindung — Eltern und Schüler:innen kommen oft direkt nach der Schule. Eine Lage nahe Schulen oder in einem Einkaufszentrum erhöht die Laufkundschaft spürbar.
Kalkuliere einen Gewerbemietvertrag mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr und plane Kaution (üblicherweise drei Monatsmieten) als Teil deines Startkapitals ein. Im Zweifelsfall gilt: Lieber etwas kleiner starten und nach Bedarf erweitern.
Schritt 4 – Betrieb organisieren
Für den laufenden Betrieb brauchst du eine Verwaltungssoftware für Buchungen und Abrechnungen, geeignetes Lernmaterial je nach Fachbereich sowie qualifizierte Lehrkräfte oder Tutor:innen. Kläre die Rechtsform frühzeitig: Ein Einzelunternehmen ist der einfachste Einstieg. Eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH schützt dein Privatvermögen und wirkt gegenüber Eltern und Partnern professioneller.
In organisierter und institutionalisierter Form Nachhilfe geben bedeutet auch: klare Unterrichtspläne, geregelte Kommunikation mit Eltern und ein strukturiertes Qualitätsmanagement. Das hebt dich von freiberuflichen Tätigkeiten einzelner Tutoren deutlich ab.
Schritt 5 – Marketing starten
Ohne Sichtbarkeit keine Schüler:innen. Setze auf eine Kombination aus lokaler Präsenz — Flyer an Schulen und Bibliotheken, Google-Unternehmensprofil, lokale SEO — und digitalem Marketing über Social Media und Google Ads. Eltern suchen Nachhilfe typischerweise mit Begriffen wie „Nachhilfe [Stadt]” oder „Nachhilfeschule in meiner Nähe”.
Starte außerdem ein Empfehlungsprogramm: Zufriedene Eltern sind in der Bildungsbranche der stärkste Vertriebskanal überhaupt. Kooperationen mit Sportvereinen oder lokalen Schulen können schnell erste Kund:innen bringen.
Schritt 6 – Nachhilfe eröffnen
Sobald alle Formalitäten abgeschlossen sind (Gewerbeanmeldung, Raumvorbereitung, Personal, Versicherungen), starte mit einem Soft-Opening: Biete Probetermine zu reduzierten Preisen an und sammle gezielt erste Online-Bewertungen. Gerade in der Bildungsbranche baut Vertrauen eine hohe Hürde für Neukund:innen ab.
Melde dein Institut außerdem bei lokalen Nachhilfe-Verzeichnissen und der zuständigen Handels- und Handwerkskammer an. Eine saubere Eröffnungskommunikation — Pressemitteilung an Lokalmedien, Ankündigung in sozialen Netzwerken — steigert die Reichweite in den entscheidenden ersten Wochen.
Gut zu wissen:
Selbstständige Lehrkräfte sind in Deutschland unabhängig von ihrer Rechtsform grundsätzlich in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, wenn sie regelmäßig Unterricht erteilen. Die Befreiung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Kläre das frühzeitig mit der Deutschen Rentenversicherung und einem Steuerberater, um unerwartete Nachzahlungen zu vermeiden.
Eine Schülerhilfe als Nachhilfe-Franchise eröffnen: Welche Systeme gibt es?
Ja, es ist möglich, Nachhilfeunterricht im Rahmen eines Franchise-Unternehmens anzubieten. Das Franchise-Modell ist für viele Gründer:innen ohne Branchenerfahrung eine attraktive Option. Ein Nachhilfe Franchise bietet ein erprobtes Konzept, eine etablierte Marke sowie laufenden Support in Pädagogik, Marketing und Verwaltung. Die bekanntesten Nachhilfe-Franchise-Systeme in Deutschland sind:
- Schülerhilfe: Gesamtinvestition 40.000 bis 70.000 Euro, Einstiegsgebühr 14.000 Euro zzgl. MwSt., monatliche Grundgebühr ca. 860 Euro, ab dem 2. Jahr variable Gebühr von 9 % auf Umsätze über 80.000 Euro. Eigenkapital: mindestens 5.000 bis 15.000 Euro. Die Schülerhilfe ist eine der bekanntesten Nachhilfe-Marken in Deutschland mit einem dichten Filialnetz.
- Studienkreis: Einstiegsgebühr 14.500 Euro zzgl. MwSt., Grundgebühr 420 Euro/Monat, Franchisegebühr 6 bis 8 % vom Umsatz. Im ersten Jahr entfallen Grundgebühr und Franchisegebühr vollständig. Eigenkapital: ab 5.000 Euro. Seit 1986 ermöglicht der Studienkreis Existenzgründer:innen den Einstieg in den Nachhilfemarkt.
- Lernstudio Barbarossa: Einstiegsgebühr 2.000 bis 6.900 Euro (standortabhängig), Lizenzgebühr 495 bis 895 Euro/Monat oder 7,5 bis 9,5 % vom Nettoumsatz. Gegründet 1988, ist Lernstudio Barbarossa heute drittgrößter gewerblicher Anbieter im deutschen Nachhilfesegment.
Bevor du einen Franchise-Vertrag unterzeichnest, solltest du das vorvertragliche Informationsdokument sorgfältig prüfen und den Vertrag mindestens 14 Tage vor Unterzeichnung einem Fachanwalt für Franchiserecht vorlegen. In Deutschland gibt es kein spezifisches Franchisegesetz — das Vertragsverhältnis unterliegt dem BGB (Bürgerliches Gesetzbuch).
Wie viel kostet es, 2026 ein Nachhilfe-Unternehmen zu eröffnen?
Die Gesamtkosten für die Gründung einer Schülerhilfe hängen stark vom gewählten Modell und Standort ab. Wer eigenständig gründet, hat mehr Flexibilität — aber auch keine fertige Marke. Wer per Franchise startet, zahlt eine Einstiegsgebühr und laufende Royalties, profitiert jedoch von sofortiger Struktur und Bekanntheit.
Hier die typischen Kostenpositionen für eine eigenständige Gründung in 2026:
| Kostenposten | Schätzung (2026) | Hinweise |
|---|---|---|
| Gewerbeanmeldung | 20 bis 60 Euro | Einmalig; je nach Gemeinde |
| Miete Gewerberäume (30–60 m²/Jahr) | 6.000 bis 24.000 Euro | Stark ortsabhängig |
| Ausstattung (Möbel, Tafeln, Material) | 3.000 bis 8.000 Euro | Einmalig bei Eröffnung |
| IT, Software, Hardware | 500 bis 2.000 Euro | Buchungssystem, Laptops, Videokonferenz |
| Website und erstes Marketing | 1.000 bis 3.000 Euro | Lokale SEO, Google Ads, Drucksachen |
| Versicherungen (Jahresbeitrag) | 500 bis 1.500 Euro | Betriebs- und Haftpflichtversicherung |
| Beratungskosten (Steuer, Recht) | 500 bis 2.000 Euro | Einmalig zur Gründung |
| Betriebskapital (3 bis 6 Monate) | 5.000 bis 15.000 Euro | Laufende Kosten in der Anlaufzeit |
| Gesamtschätzung | ca. 16.500 bis 55.500 Euro | Je nach Standort und Unterrichtsmodell |
Allgemeine Gründungskosten und Businessplan-Grundlagen für Bildungseinrichtungen | BMWK / IHK / KfW
Folgende Tabelle stellt eigenständige Gründung und Franchise-Gründung direkt gegenüber:
| Kriterium | Eigenständiges Institut | Franchise-Institut |
|---|---|---|
| Einstiegsgebühr | Keine | 2.000 bis 14.500 Euro (je nach System) |
| Gesamtinvestition | 16.500 bis 55.500 Euro | 15.000 bis 70.000 Euro |
| Eigenkapital (Mindest) | ca. 5.000 Euro | 5.000 bis 15.000 Euro |
| Laufende Gebühren | Keine Franchisegebühr | 420 bis 895 Euro/Monat + Umsatzbeteiligung (6 bis 9,5 %) |
| Markenbekanntheit | Muss aufgebaut werden | Sofort vorhanden |
| Support und Schulung | Eigenverantwortlich | Inklusive durch Franchisegeber |
| Flexibilität | Vollständig | Eingeschränkt (Systemvorgaben) |
| Risiko in der Anlaufphase | Höher | Geringer dank erprobtem Konzept |
Franchise-Kostendaten: Schülerhilfe (schuelerhilfe.de/unternehmen/werden-sie-franchisenehmer), Studienkreis (studienkreis.de/unternehmen/existenzgruendung), Lernstudio Barbarossa (lernstudio-barbarossa.de/unternehmen/franchise). Eigenständige Kostenschätzung: BMWK Existenzgründungsportal / IHK.
Redaktionstipp:
Das Nachhilfe-Franchise senkt das Risiko in der Startphase spürbar — du startest mit einem erprobten Konzept, einer bekannten Marke und strukturiertem Support. Dafür zahlst du laufende Gebühren und hast weniger Gestaltungsfreiheit. Wer Unabhängigkeit und volle Flexibilität priorisiert, fährt mit einer eigenständigen Gründung besser. Die Entscheidung hängt letztlich von deinem Risikoprofil, deiner Branchenerfahrung und dem verfügbaren Eigenkapital ab.
Häufige Fragen zur Eröffnung eines Nachhilfeinstituts
In Deutschland brauchst du kein Lehramtsstudium, um ein Nachhilfeinstitut zu gründen. Erforderlich sind eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt (ca. 20 bis 60 Euro), geeignete Gewerberäume sowie bei der Arbeit mit Minderjährigen ein erweitertes Führungszeugnis. Eine pädagogische Ausbildung ist empfehlenswert, aber keine gesetzliche Pflicht. (Quelle: BMWK Existenzgründungsportal)
Ja, deutlich günstiger. Wer online Nachhilfe eröffnen möchte, spart die Mietkosten für Gewerberäume komplett. Stattdessen investierst du in eine professionelle Videokonferenzlösung, ein Buchungssystem und digitales Lernmaterial. Die Gesamtstartkosten können so auf unter 5.000 Euro sinken. Der Nachteil: fehlende lokale Sichtbarkeit und stärkerer Wettbewerb auf überregionalen Plattformen.
Lernstudio Barbarossa hat mit einer Einstiegsgebühr ab 2.000 Euro die niedrigste Einstiegshürde. Studienkreis erlässt im ersten Jahr Grundgebühr und Franchisegebühr vollständig, was den Liquiditätsbedarf zu Beginn spürbar senkt. Schülerhilfe verlangt mit 14.000 Euro Einstiegsgebühr eine höhere Anfangsinvestition — bietet dafür die breiteste Markenbekanntheit und ein dichtes Partnernetzwerk.
Ja. Kein formaler pädagogischer Abschluss ist für die Gründung eines Nachhilfeinstituts in Deutschland vorgeschrieben. Entscheidend ist die fachliche Kompetenz in den angebotenen Fächern. Franchise-Systeme wie Studienkreis oder Lernstudio Barbarossa bieten Quereinsteiger:innen außerdem strukturierte Einarbeitungs- und Unterstützungsprogramme, die den Start deutlich erleichtern.











