Du möchtest 2026 in deinen eigenen REWE-Markt investieren und überlegst, ob du als REWE Franchise-Partner einsteigen kannst? Die kurze Antwort: REWE ist kein klassisches Franchise-Unternehmen. Der Konzern arbeitet als Genossenschaft mit selbstständigen Kaufleuten. Wir zeigen dir, wie das Modell funktioniert, welche Voraussetzungen gelten und welche Beteiligungsmöglichkeiten und echte Franchise-Alternativen es im deutschen Lebensmittelhandel gibt.
Was ist REWE?
Die REWE Group mit Sitz in Köln zählt zu den größten Lebensmittelhändlern Europas. Aus einer Einkaufsgenossenschaft, die 1927 gegründet wurde, ist ein Handels- und Touristikkonzern mit weltweiter Präsenz geworden. Das Kerngeschäft bilden die rund 3.800 REWE-Märkte in Deutschland, ergänzt durch PENNY, toom Baumarkt, nahkauf und die Reisesparte DER Touristik.
Die Zahlen sprechen für sich: 2025 erzielte die REWE Group einen Gesamtumsatz von 100,4 Milliarden Euro, ein Plus von 4,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein in Deutschland legte der Umsatz um 4,6 Prozent auf 69,1 Milliarden Euro zu. Über 380.000 Beschäftigte arbeiten weltweit für die Gruppe, davon 272.000 in Deutschland.
Der Erfolg der REWE-Supermärkte beruht auf einer Mischung aus starker Eigenmarken-Strategie, regionalen Lieferanten, modernen Technologien wie Scan&Go und einer hohen Markenbekanntheit. Eine wesentliche Säule dabei: das Engagement der 1.620 selbstständigen Kaufleute, die ihre Märkte mit unternehmerischer Verantwortung führen.
Ist es möglich, 2026 in Deutschland eine REWE-Filiale als Franchise zu eröffnen?
Die klare Antwort: nein. Wer sich fragt „Ist REWE ein Franchise-Unternehmen?“, muss wissen, dass REWE rechtlich und organisatorisch keine klassische Franchise-Struktur betreibt. Es gibt keine REWE-Franchise-Lizenz, keine standardisierten REWE-Franchise-Gebühren und kein offenes Bewerbungsverfahren wie bei einem klassischen Franchise-Geber.
Stattdessen ist REWE eine Genossenschaft. Das bedeutet: Die selbstständigen REWE-Kaufleute sind Mitglieder und teilweise Miteigentümer des Verbunds. Sie haben ein Mitspracherecht, übernehmen unternehmerische Verantwortung und teilen sich die Infrastruktur der Zentrale. Ein klassisches Franchise-System dagegen verkauft eine Marke und ein Konzept an einen externen Unternehmer, der Eintrittsgebühren und laufende Royalties zahlt.
Welche Expansionsstrategie verfolgt die REWE-Gruppe und gibt es Beteiligungsmöglichkeiten?
REWE expandiert in Deutschland weiter und sucht aktiv nach neuen Kaufleuten. Statt klassischer Franchise-Verträge bietet der Konzern zwei Kooperationsmodelle an.
- Das Partnerschaftsmodell: Es wird gemeinsam mit REWE eine offene Handelsgesellschaft (OHG) gegründet. REWE übernimmt administrative Aufgaben, während die operative Führung des Marktes in der Verantwortung des selbstständigen Kaufmanns oder der selbstständigen Kauffrau liegt. Vorteil: Eigenkapitalbedarf und unternehmerisches Risiko bleiben überschaubar.
- Das Modell ohne REWE-Beteiligung: Es wird ein eigenes Unternehmen gegründet und der Markt vollständig eigenständig geführt. Investitionen, Risiko und Gewinn liegen vollständig in der Verantwortung des Unternehmensinhabers beziehungsweise der Unternehmensinhaberin. Das Unternehmen bleibt aber in die Genossenschaft eingebunden.
Voraussetzungen für die Selbstständigkeit mit REWE, sind klar definiert: eine qualifizierte Ausbildung im Einzelhandel, mehrjährige Berufserfahrung in leitender Funktion, Führungsqualitäten, Risikobereitschaft und Bereitschaft zur Mobilität. Quereinsteiger:innen mit unternehmerischer Erfahrung sind ebenfalls willkommen, sofern sie nachweisbare Managementerfahrung mitbringen.
Das benötigte REWE Eigenkapital hängt vom gewählten Modell und der Marktgröße ab. Beim Partnerschaftsmodell ist mit einem mittleren fünfstelligen Betrag als Startkapital zu rechnen. Dabei kann zunächst auch nur ein Teil des Gesellschaftskapitals eingebracht werden. Beim Modell ohne Beteiligung liegt der Kapitalbedarf deutlich höher und richtet sich nach Größe und Ausstattung des jeweiligen Marktes.
REWE prüft Bewerber:innen sehr sorgfältig. Der Auswahlprozess erstreckt sich über mehrere Monate und folgt einem strukturierten Ablauf – beginnend mit dem schriftlichen Antrag und endend im Kaufleute-Assessment-Center. Zwischen dem ersten Bewerbungsklick und der Übernahme eines eigenen Marktes vergehen in der Regel zwölf bis 24 Monate.
Welche Alternativen gibt es zu REWE im Lebensmittelhandel?
Vorweg ein wichtiger Hinweis: Klassische Franchise-Systeme spielen im deutschen Lebensmittel-Vollsortiment kaum eine Rolle. Die großen Player wie REWE und EDEKA arbeiten genossenschaftlich, die Discounter Aldi und Lidl filialisiert mit angestellten Marktleiter. Echte Franchise-Konzepte finden sich vor allem in Spezialnischen wie Bio-Märkten, Convenience-Stores oder im Ausland. Die folgenden Alternativen sind daher überwiegend Partnerschafts- oder Genossenschaftsmodelle, ergänzt um ein internationales Franchise-Beispiel.
1) EDEKA: das größte Genossenschaftsmodell
Der größte Wettbewerber im selben Segment ist EDEKA. Auch EDEKA ist genossenschaftlich organisiert und arbeitet mit rund 3.600 selbstständigen Kaufleuten. Das benötigte Eigenkapital liegt typischerweise zwischen 25.000 und 40.000 Euro, der Gesamtkapitalbedarf je nach Marktgröße zwischen 150.000 und 250.000 Euro. Die hauseigene EDEKABANK begleitet Existenzgründer bei der Finanzierung.
2) nahkauf: der Nachbarschaftsmarkt aus dem REWE-Verbund
Für Interessierte an einem kleineren Format lohnt sich ein Blick auf nahkauf. Die Marke gehört zur REWE Group, betreibt rund 450 Standorte in sechs Vertriebsregionen und richtet sich an Stadtrand- und Landgemeinden. Die durchschnittliche Verkaufsfläche eines nahkauf-Marktes liegt zwischen 300 und 1.000 Quadratmetern und damit deutlich unter der eines klassischen REWE-Marktes. Der Kapitalbedarf fällt entsprechend geringer aus, ebenso das unternehmerische Risiko. Für Gründer, die eine ländliche oder kleinstädtische Region als Heimatmarkt betrachten, ist nahkauf häufig die realistischere Einstiegsmöglichkeit in den selbstständigen Lebensmittelhandel.
3) SPAR Express und andere Konvenienzformate
SPAR arbeitet im Ausland mit echten Franchise-Strukturen und bietet drei Marktformate an – vom Vollsortimenter ab 300 Quadratmetern bis zum Convenience-Store an Tankstellen und Bahnhöfen. In Deutschland ist die Marke derzeit nicht über klassisches Franchise verfügbar. Für Gründer mit grenzüberschreitendem Fokus, etwa in der Schweiz oder Österreich, bleibt SPAR eine der wenigen echten Franchise-Optionen im Lebensmittelhandel.
Redaktionstipp:
Vor einer Entscheidung sollte die vorvertragliche Aufklärungspflicht nach BGB genutzt werden. Empfehlenswert ist, den Vertrag oder Gesellschaftsvertrag mindestens 14 Tage vor Unterzeichnung durch eine auf Vertriebsrecht spezialisierte Fachanwältin oder einen Fachanwalt prüfen zu lassen, um Regelungen zu Laufzeit, Gebietsschutz, Wettbewerbsverbot und Vertragsbeendigung vollständig zu verstehen. Zusätzlich kann die Prüfung der geplanten Finanzierung durch eine Steuerberatung helfen, unangenehme Überraschungen im ersten Geschäftsjahr zu vermeiden.











