Die Münchner Beratungsagentur Cormens vergibt Franchise-Lizenzen. Das Netz zählt inzwischen drei Partner: Sebastian Koeppel, Thomas Gutberlet und Viola Stöss, deren Vertrag zuletzt unterzeichnet wurde. Alle drei kommen aus Führungsverantwortung, nicht aus der klassischen Beratungslaufbahn. Der Fall wirft eine Frage auf, die weit über diesen Standort hinausreicht: Unter welchen Bedingungen lässt sich ein wissensbasiertes Geschäft überhaupt vervielfältigen – und zu einem tragfähigen Franchise-Unternehmen entwickeln?
Die cormens GmbH sitzt in der Sophienstraße in München und berät Firmen in Vertriebsfragen sowie zu Strategie, Organisation und Führung. Im August meldete die Agentur den Einstieg von Thomas Gutberlet, dem früheren Geschäftsführer der Lebensmittelkette tegut. Er führt den Standort Fulda und ist der zweite Franchisepartner der Marke. Vor ihm hatte Sebastian Koeppel unterzeichnet, nach ihm Viola Stöss.
Drei Partner, die schon Unternehmen geführt haben
Den Anfang machte Sebastian Koeppel. Er führte 17 Jahre lang als geschäftsführender Gesellschafter den Fruchtsafthersteller Beckers Bester bei Göttingen, ein Familienunternehmen in vierter Generation. In dieser Zeit drehte er einen Umsatzrückgang von 32 Millionen Euro zurück auf 55 Millionen Euro. Bei Cormens ist er seit 2023 und verantwortet die Mittelstands- und Nachfolgeberatung.
Es folgte Thomas Gutberlet, Enkel des tegut-Gründers, bis November 2024 Geschäftsführer der Kette und seit Ende 2025 Chief Operating Officer bei der Genossenschaft Tante Enso. Er führt cormens Fulda.
Zuletzt kam Viola Stöss hinzu, Inhaberin des Trainingsinstituts krähestösspartner. Sie arbeitet seit 2024 für Cormens, mit Schwerpunkt Führung und Veränderung, und bringt über 15 Jahre Erfahrung als Beraterin, Coach und Trainerin mit.
Cormens rekrutiert aus dem eigenen Beraternetzwerk
Auffällig ist die Vorgeschichte. Koeppel arbeitet seit 2023 für Cormens, Stöss seit 2024. Beide gehörten dem Netzwerk also bereits an, bevor sie einen Franchisevertrag zeichneten.
unabhängige Berater:innen arbeiten um das Kernteam von Cormens herum. Zwei der drei Franchisepartner:innen stammen aus diesem Kreis. (Quelle: cormens.com)

Das ist ein anderes Rekrutierungsmodell als in der Systemgastronomie, wo Kandidat:innen sich auf eine Ausschreibung bewerben. Hier steht am Anfang die Zusammenarbeit, am Ende der Vertrag. Für ein wissensbasiertes Geschäft ergibt das Sinn: Ob jemand die Methode beherrscht und zur Marke passt, zeigt sich erst in gemeinsamen Projekten.
Warum Beratung überhaupt franchisefähig ist
Franchising lebt von Wiederholbarkeit. Bei einer Pizzeria liegt sie im Rezept und im Ablauf hinter dem Tresen. Bei einer Beratung liegt sie in der Methode.
Cormens stützt sein Vorgehen auf die Metatheorie der Veränderung. Das Beraternetzwerk teilt ein gemeinsames Werteverständnis und die von der Agentur entwickelten Methoden. Ein codiertes Verfahren dieser Art ist die Voraussetzung dafür, dass eine Marke ihr Wissen an Dritte übertragen kann.
Der Unterschied zwischen Netzwerk und Franchise bleibt wesentlich. Ein Netzwerk beruht auf freiwilliger Zusammenarbeit. Ein Franchise bindet: Markenauftritt, Qualitätsstandards, Gebietszuschnitt und Gebühren werden vertraglich fixiert.
Gut zu wissen:
Cormens nennt öffentlich weder Eintrittsgebühr noch laufende Gebühren. In Deutschland gibt es kein eigenes Franchise-Gesetz, doch nach der vorvertraglichen Aufklärungspflicht aus dem BGB muss ein Franchisegeber alle wesentlichen Angaben zu Investition, Gebühren und Rentabilität rechtzeitig vor der Unterschrift offenlegen.
Offene Punkte auf dem Weg zum System
Zwei Fragen bleiben. Erstens der Gebietszuschnitt: Fulda ist eine Stadt, die Mittelstands- und Nachfolgeberatung ein Fachgebiet. Ob Cormens geografisch, thematisch oder gemischt vergibt, ist bislang nicht dargelegt.
Zweitens die Nähe im Gesellschafterkreis. Johannes Gutberlet, Geschäftsführer bei Cormens, ist der Bruder des Fuldaer Partners. Dass der erste und der dritte Vertrag an Personen ohne diese Verbindung gingen, entkräftet den Einwand weitgehend, erwähnenswert bleibt er.
Interessierte sollten beobachten, ob Cormens Konditionen und ein Partnerprofil veröffentlicht. Solange die Vergabe über persönliche Zusammenarbeit läuft, bleibt der Zugang für Außenstehende eng.

