Sixt vergibt die Exklusivfranchise für Tunesien an Tunifleet Car Rental, ein Joint Venture zweier tunesischer Familiengruppen. Der Autovermieter aus Pullach startet an drei Flughäfen, ein vierter folgt 2027. Für Franchise-Interessierte ist der Fall ein Lehrstück darüber, welches Kaliber ein Masterpartner heute mitbringen muss.
Sixt SE mit Sitz in Pullach bei München betreibt eine Flotte von über 350.000 Fahrzeugen und ist in mehr als 100 Ländern präsent. Seit 1986 ist das Franchise-Unternehmen an der Frankfurter Börse notiert.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern ein Ergebnis vor Steuern von 400,5 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,28 Milliarden Euro. Das internationale Wachstum steuert Sixt fast vollständig über Franchisepartner, nicht über eigene Niederlassungen.
Tunifleet Car Rental: zwei Familiengruppen bündeln sich für die Lizenz
Tunifleet Car Rental wurde eigens gegründet, um die Exklusivfranchise von Sixt in Tunesien zu betreiben. Hinter dem Joint Venture stehen zwei etablierte Häuser.
Alliance One Holding, eine tunesische Familiengruppe von 1947, vereint rund 35 Unternehmen mit über 3.500 Mitarbeitenden in Chemie, Tourismus, Distribution und Dienstleistungen. Voyages 2000, gegründet 1964, betreibt mehr als zehn Hotels mit rund 1.500 Mitarbeitenden sowie Reisebüro-, Event- und Transfergeschäft. Die eine Seite bringt Industriekapital, die andere Tourismusvertrieb.
Start an drei Flughäfen, Innenstadtstationen folgen
Der Betrieb beginnt an den internationalen Flughäfen Tunis-Carthage, Monastir Habib Bourguiba und Enfidha-Hammamet. Djerba-Zarzis kommt ab 2027 hinzu.
Danach soll das Netz in die Städte wachsen: Stationen in Sousse, Hammamet, Mahdia und Sfax sind geplant, weitere Standorte entlang der Küste bereits in Vorbereitung. Das Angebot umfasst Kurz- und Langzeitmiete, Vans und Lkw, Chauffeurservice und Leasing, von Kompaktwagen bis zu Premium- und Nutzfahrzeugen.
Diese Reihenfolge, Flughafen zuerst und Innenstadt später, ist im Mietwagenfranchise kein Zufall. Flughafenstationen liefern von Tag eins internationale Buchungen aus dem Zentralsystem der Marke, Innenstadtstationen brauchen erst lokale Nachfrage.
Tunesien 2025: 11 Millionen Besucher als Grundlage der Rechnung
Der Markteintritt fällt in ein Rekordjahr des tunesischen Tourismus. 2025 zählte das Land erstmals über 11 Millionen internationale Besucher und Tourismuseinnahmen von 8,097 Milliarden Tunesischen Dinar, ein Plus von +6,5 % gegenüber 2024.
Auf die vier wichtigsten europäischen Quellmärkte, Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien, entfielen zusammen mehr als 2,5 Millionen Ankünfte. Für einen Premium-Vermieter ist das die entscheidende Zahl: Diese Gäste buchen ihren Mietwagen häufig vor der Abreise über die Marke, die sie zu Hause kennen.
Gut zu wissen: Master-Franchise
Bei einer Master-Franchise erhält ein einzelner Partner die Rechte für ein ganzes Land und baut das Netz dort selbst auf. Verlangt werden Kapital, Flottenfinanzierung und lokale Marktkenntnis. Für Einzelgründer:innen ist dieses Modell nicht zugänglich, es richtet sich an Gruppen und Investoren.
Südafrika, Lateinamerika, Nordafrika: das Muster der Sixt-Expansion
Tunesien setzt eine erkennbare Reihe fort. 2024 startete Sixt in Südafrika und Namibia, 2025 folgten fünf neue Märkte in Lateinamerika und der Karibik, dieses Jahr kommt Nordafrika hinzu.
„Tunesien ist ein attraktiver und dynamischer Markt mit einer starken Tourismusindustrie und erheblichem Potenzial für Premium-Mobilität“, erläutert Rüdiger Proske, Senior Vice President International Franchise bei Sixt SE. Auffällig ist die Auswahl: Sixt geht in Länder mit hohem Anteil europäischer Urlaubsgäste, wo die Markenbekanntheit schon existiert, bevor die erste Station öffnet.
Was der Markteintritt für das Sixt-Netz bedeutet
Mit Tunesien schließt Sixt eine Lücke zwischen dem europäischen Kernmarkt und dem afrikanischen Netz. Ob daraus eine breitere Nordafrika-Strategie wird, dürfte sich an den nächsten Lizenzvergaben in der Region zeigen.
Zu beobachten ist außerdem, wie schnell Tunifleet vom Flughafen in die Innenstädte kommt. Der angekündigte Zeitplan für Sousse, Hammamet, Mahdia und Sfax ist der erste belastbare Prüfstein für die Leistungsfähigkeit des Partners. Interessierte Gruppen können die Bedingungen für Ländermärkte direkt bei der internationalen Franchiseabteilung von Sixt erfragen.











