Die Radisson Hotel Group hat zum 1. August 2026 das Management des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz übernommen. Das Haus mit 1.029 Zimmern lief bisher auf Franchisebasis. Der Wechsel zeigt Franchisenehmer:innen sehr genau, wo die Grenze zwischen Franchisevertrag und Managementvertrag verläuft.
Eigentümer der Immobilie bleibt der Immobilienkonzern Covivio. Er hatte einen Auswahlprozess für die künftige Betreiberschaft gestartet, in dem sich die Radisson Hotel Group durchsetzte. Die Marke blieb dabei die ganze Zeit dieselbe: Das Hotel trug schon vorher das Schild Park Inn by Radisson, nur eben als Franchisebetrieb. Mit 1.029 Zimmern ist es nach Unternehmensangaben das zweitgrößte Hotel Deutschlands und eines der größten Häuser im Portfolio der Gruppe.
Vom Franchisevertrag zum Managementvertrag: Was sich wirklich ändert
Im Franchisemodell führt ein selbstständiger Betreiber das Haus auf eigenes Risiko und zahlt Gebühren für Marke, Vertriebssysteme und Standards. Im Managementmodell übernimmt die Markengesellschaft die operative Führung für den Eigentümer und rechnet über eine Managementgebühr ab. Das wirtschaftliche Risiko wandert damit ein Stück weit zurück zum Eigentümer.
An der Spitze des Hauses setzt die Gruppe auf Kontinuität. General Manager Jürgen Gangl soll das Hotel weiterhin leiten. Für die Belegschaft ändert sich der Arbeitgeber, nicht die Führung.
Technologie war das Argument für den Modellwechsel
Der Kern der Begründung liegt nicht bei der Marke, sondern bei den Systemen. Das Hotel soll auf eine cloudbasierte Property-Management-Plattform migriert und schrittweise an die zentralen digitalen Systeme der Gruppe angebunden werden. Weitere operative Anwendungen folgen und wandern in eine integrierte Systemlandschaft.
Genau das ist der Punkt, an dem ein Franchisevertrag an Grenzen stößt. Ein selbstständiger Betreiber entscheidet über seine IT selbst, eine Managementgesellschaft entscheidet für ihn. Wer Vertrieb, Buchungsdaten und Preissteuerung vollständig zentralisieren will, braucht Zugriff auf den Betrieb.
Hotels in Betrieb und Entwicklung
Die Radisson Hotel Group führt nach eigenen Angaben mehr als 1.640 Hotels in über 100 Ländern und zehn Marken, darunter Radisson Blu, Park Inn by Radisson und art’otel. (Quelle: Radisson Hotel Group)
Was Franchisenehmer:innen aus dem Fall mitnehmen
Der Fall macht eine Abhängigkeit sichtbar, die im Vertrag oft nur zwei Zeilen einnimmt: Wem gehört die Immobilie? Sobald der Eigentümer die Betreiberschaft neu ausschreibt, steht der Franchisebetrieb zur Disposition, selbst wenn die Marke bleibt. Prüfen Sie deshalb vor der Unterschrift, wie Mietvertrag, Franchisevertrag und Laufzeiten zusammenhängen.
Ein zweiter Punkt betrifft die Systemhoheit. Je stärker eine Marke Vertrieb, Buchungstechnik und Preislogik zentralisiert, desto weniger unterscheidet sich ein Franchisebetrieb operativ von einem gemanagten Haus, während das Risiko beim Partner bleibt. Wer eine Hotelmarke ins Auge fasst, klärt vorab, welche Systeme verpflichtend sind, wer sie bezahlt und wer über künftige Migrationen entscheidet.
Gut zu wissen:
Drei Modelle, drei Risikoverteilungen. Franchise: Sie führen den Betrieb selbst und zahlen Gebühren für Marke und Systeme. Management: Die Markengesellschaft führt den Betrieb für den Eigentümer. Pacht: Der Betreiber zahlt eine Miete und trägt das volle Ergebnisrisiko.
Covivio sortiert sein Portfolio, Berlin bleibt das Testfeld
Radisson ist nicht der einzige Betreiber, der von Covivio Häuser übernimmt. Die Odyssey Hotel Group hat für vier Covivio-Hotels in Deutschland Managementverträge unterzeichnet, zusammen mehr als 1.200 Zimmer. Eigentümer prüfen ihre Betreibermodelle also gerade systematisch.
Für Kandidat:innen in der Hotellerie heißt das: Die Frage lautet nicht mehr nur, welche Marke zum Standort passt, sondern welches Vertragsmodell der Eigentümer überhaupt anbietet. Weitere Netzentwicklungen verfolgen Sie in unseren aktuellen Franchise-Nachrichten.











