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15.000 Schließungen im Gastgewerbe: warum die Nachfolgelücke für Franchise-Systeme zur Chance wird

3 Min. Lesezeit
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Fast 190.000 Unternehmen haben 2025 in Deutschland geschlossen, rund 10 % mehr als im Vorjahr. Das Gastgewerbe verzeichnet mit etwa 15.000 Aufgaben den stärksten Zuwachs aller untersuchten Branchen. Für Franchise-Unternehmen rückt damit ein Thema nach vorn, das lange im Hintergrund lief: die fehlende Nachfolge.

Am 18. August 2026 haben das ZEW Mannheim und Creditreform ihre gemeinsame Jahresanalyse zu Unternehmensschließungen vorgelegt. Die Zahl der Marktaustritte ist damit zum zweiten Mal in Folge deutlich gestiegen. Neben dem Gastgewerbe trifft die Entwicklung den Fahrzeugbau und die Gesundheitsbranchen: Dort kletterte die Zahl der Schließungen um 12 % auf knapp 11.000 Unternehmen, bei Arztpraxen sogar um 23 % auf rund 5.500 Betriebe. Datenbasis ist das Mannheimer Unternehmenspanel mit Informationen zu mehr als neun Millionen Unternehmen, von denen rund drei Millionen wirtschaftsaktiv sind.

Im Gastgewerbe gaben 2025 rund 15.000 Unternehmen ihren Betrieb auf, ein Plus von 15 % gegenüber 2024. Kein anderer untersuchter Wirtschaftsbereich verzeichnet einen so starken Anstieg. Hohe Personal- und Betriebskosten belasten vor allem kleinere Betriebe, dazu kommen Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften.

„Die erneut gestiegenen Schließungszahlen zeigen, dass sich der Anpassungsdruck auf die deutsche Wirtschaft weiter erhöht hat. Unsichere Rahmenbedingungen, hohe Energie- und Personalkosten sowie der Fachkräftemangel treffen inzwischen Unternehmen aus nahezu allen Wirtschaftsbereichen“, erklärt Dr. Sandra Gottschalk, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“.

+15 %

Zuwachs der Schließungen im Gastgewerbe 2025 gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Anstieg aller untersuchten Branchen. (Quelle: ZEW Mannheim und Creditreform, August 2026)

Stats illustration

Rund 13 % der erfassten Schließungen gingen 2025 auf ein Insolvenzverfahren zurück. Die übrigen 86 % verteilen sich zu etwa gleichen Teilen auf Abmeldungen und freiwillige Geschäftsaufgaben sowie auf Betriebe, die als nicht mehr wirtschaftsaktiv gelten. Unternehmen verschwinden also überwiegend geräuschlos, nicht über das Insolvenzgericht.

„Die Zahl der Marktaustritte steigt deutlich an. Große Unternehmen und Konzerne beherrschen derzeit die Nachrichten. Die Zahl an kleinen und mittleren Unternehmen, die leise verschwinden, ist aber um ein Vielfaches größer“, so Patrik-Ludwig Hantzsch, Pressesprecher von Creditreform. Auffällig ist: Auch Betriebe mit guter oder mittlerer Bonität stellen ihre Geschäftstätigkeit ein.

29 %

Freiwillige Schließungen mit Inhaber:innen ab 65 Jahren

Bei eigentümergeführten Familienunternehmen lag dieser Anteil 2025 bei 29 %. Im Jahr 2002 waren es noch 14 %. (Quelle: ZEW Mannheim und Creditreform, 2026)

Der Anteil hat sich in gut zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Viele dieser Betriebe wären weiter tragfähig, finden aber niemanden, der sie übernimmt.

„Immer mehr Unternehmen schließen, weil ihre Inhaberinnen und Inhaber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolge finden, obwohl diese Unternehmen geschäftsfähig wären“, erläutert Sandra Gottschalk. Bei Arztpraxen zeigt sich derselbe Mechanismus seit mehreren Jahren.

Zwei Signale sind für Franchise-Systeme relevant. Erstens werden Standorte frei, häufig mit eingespieltem Team, bestehender Kundschaft und laufenden Genehmigungen. Zweitens gilt der Kostendruck, der diese Betriebe zur Aufgabe zwingt, ebenso für Franchisenehmer:innen, allerdings gestützt auf Systemeinkauf, zentrale Kalkulation und Partnersupport.

Wer eine Übernahme statt einer Neugründung prüft, findet beim DFV eine Nachfolgebörse für Systembetriebe. Die nächste Fortschreibung der Zahlen folgt mit der ZEW-Analyse für das Jahr 2026, erwartet im Sommer 2027.

Gut zu wissen :

Eine Unternehmensschließung ist nicht dasselbe wie eine Gewerbeabmeldung. Das Mannheimer Unternehmenspanel erfasst Insolvenzen, Abmeldungen, recherchierte Geschäftsaufgaben und statistisch geschätzte Einstellungen der Wirtschaftsaktivität. Die Gewerbeanzeigenstatistik von Destatis zählt dagegen auch Zweigstellen sowie Abmeldungen bei Verkauf, Verpachtung oder Rechtsformwechsel.

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