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Bierothek nach der Insolvenz: BCT übernimmt Marke und Technologie, vier Franchise-Filialen bleiben

3 Min. Lesezeit
bierverkostung mit fünf gläsern auf holztablett

Das Franchise-Netzwerk Bierothek kehrt als reiner Onlineshop zurück. Die neu gegründete BCT hat Marke und Technologie aus der Insolvenz übernommen. Für Franchisenehmer liegt die entscheidende Lehre jedoch woanders: Schon vor der Insolvenz der Systemzentrale war das Filialnetz von 17 auf nur noch vier Standorte geschrumpft.


Seit dem 9. September 2026 steht fest, wer den Onlineshop der Bierothek weiterführt. Die BCT Beverage Commerce Technologies GmbH aus Bamberg hat im Regelinsolvenzverfahren die Technologie und die Markenrechte übernommen. Gegründet wurde das Unternehmen im Juli 2026. Geführt wird es von Christian Klemenz, Stefan Kafara und Leon Struchholz, die zuvor in leitenden Funktionen innerhalb der Bierothek-Gruppe zusammengearbeitet haben. Der Shop läuft weiter, die Markenrechte liegen jetzt bei der neuen Gesellschaft.

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Der Rückzug aus der Fläche begann lange vor dem Insolvenzantrag. Seit dem Corona-Jahr 2020 ging die Zahl der Bierfachgeschäfte in Deutschland flächendeckend zurück. Im selben Zeitraum sank die Zahl der von unabhängigen Franchisenehmer:innen betriebenen Bierothek-Filialen von 17 in der Spitze auf zuletzt vier.

Das Unternehmen hat diesen Rückgang selbst als Auslöser benannt. Die Systemzentrale richtete das Geschäft auf den europaweiten Onlinehandel aus und baute dafür Fiskalvertretungen in neun europäischen Ländern auf, um Kund:innen in Märkten wie Schweden oder Finnland direkt beliefern zu können.

17 auf 4

So stark schrumpfte das Bierothek-Filialnetz zwischen 2020 und 2026. Alle Standorte wurden von selbstständigen Franchisenehmer:innen geführt. (Quelle: Bierothek GmbH)

Stats illustration

Im April 2026 eröffnete das Amtsgericht Bamberg das Regelinsolvenzverfahren über die Bierothek GmbH und die Bierothek Marketplace GmbH. Als vorläufige Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Peter Roeger und Holger Christian Buehler von der PLUTA Rechtsanwalts GmbH.

Die Filialen selbst gehörten rechtlich nie zur Systemzentrale. Sie werden von selbstständigen Unternehmer:innen mit eigener Gesellschaft geführt, und genau darin liegt der Unterschied, der über ihr Weiterbestehen entschied. Bamberg, München, Nürnberg und Stuttgart blieben geöffnet.

Die Standortseite der Marke führt diese vier Filialen bis heute, dazu einen Partnerhändler in Regensburg.

Kern der Übernahme ist die Technologie. Dazu zählen die sogenannte Excise Duty Platform, die den grenzüberschreitenden Onlinehandel mit alkoholischen Getränken innerhalb Europas rechtssicher abwickelt, eine Onlineshop-Lösung und ein Marktplatz, über den Brauereien ihre Produkte selbst einstellen und europaweit direkt an Endkund:innen verkaufen.

Mit der Schwestermarke Drinkothek öffnet BCT das Sortiment über Bier hinaus, auf weitere alkoholische und alkoholfreie Getränke. Die Plattform soll in den kommenden Monaten starten, auf derselben technischen Basis, aber mit eigenständigem Markenauftritt.

Die Franchiseseite der Marke läuft heute unter dem Impressum der BCT und wirbt weiter um Partner:innen, mit sieben Schritten von der Kontaktaufnahme über Finanzierung und Standortsuche bis zur Eröffnung. Sie nennt dabei allerdings noch 17 Fachgeschäfte in Deutschland und Österreich, eine Zahl aus der Zeit vor dem Rückbau.

Gut zu wissen

In Deutschland gibt es kein eigenes Franchisegesetz. Aus der Rechtsprechung zum BGB folgt aber die vorvertragliche Aufklärungspflicht: Franchisegeber müssen Kandidat:innen rechtzeitig vor Vertragsabschluss über alle wesentlichen Punkte informieren, und dazu gehören die tatsächliche Netzgröße und die wirtschaftliche Lage des Systems.

Wer sich für das Konzept interessiert, sollte deshalb aktuelle Netzzahlen schriftlich anfordern und klären, ob BCT das stationäre Franchise überhaupt fortführen will oder sich auf den Plattformbetrieb konzentriert. Ob nach dem Start von Drinkothek wieder Filialen dazukommen, entscheidet das nächste Kapitel der Marke.

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