Die eigene Selbstständigkeit reizt viele, doch das fehlende Startkapital bremst den Schritt. Ein Franchise ohne Eigenkapital zu eröffnen ist kein Mythos, aber auch kein Selbstläufer. Wir zeigen, welche Modelle infrage kommen, welche Kredite und Zuschüsse es gibt und worauf Banken und Franchisegeber wirklich achten.
Franchising ist in Deutschland ein etablierter Weg in die Selbstständigkeit. Im Jahr 2024 waren rund 890 Franchise-Systeme mit 148.577 Franchisepartner:innen aktiv, die zusammen 149,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. (Quelle: DFV)
Der Vorteil gegenüber einer klassischen Gründung: Sie übernehmen ein erprobtes Geschäftskonzept, eine bekannte Marke und das Know-how des Systems.Genau dieser Vorsprung macht Franchise-Gründungen auch für Kreditgeber kalkulierbarer.
Ist es möglich, ein Franchise ohne Eigenkapital zu eröffnen?
Ja, grundsätzlich schon. Allerdings nicht bei jedem System und nicht ohne Finanzierung. Jeder Franchisegeber legt selbst fest, welche Mittel er von neuen Partner:innen erwartet. Manche verlangen einen festen Mindestbetrag an eigenen Mitteln, andere akzeptieren eine vollständige Fremdfinanzierung, wenn Konzept und Person überzeugen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Gründung ohne Eigenkapital und einer Gründung mit wenig Eigenkapital. Im ersten Fall finanzieren Sie die gesamten Investitionskosten über Kredite oder Fördermittel. Im zweiten bringen Sie einen kleinen Eigenanteil ein, was Ihre Verhandlungsposition bei der Bank meist deutlich verbessert.
Auch ohne eigenes Geld brauchen Sie Liquidität. Die ersten Monate bringen selten volle Umsätze, Gebühren und Raten laufen aber vom ersten Tag an. Rechnen Sie zudem damit, dass Banken Sicherheiten verlangen und Franchisegeber vor Vertragsabschluss einen Finanzierungsnachweis sehen wollen.
Kann man ein Franchise komplett ohne Eigenkapital gründen?
In bestimmten Fällen ja. Entscheidend sind die Vorgaben des Franchisegebers und ein Finanzierungspartner, der das Vorhaben vollständig finanziert. Förderkredite wie der ERP-Gründerkredit StartGeld setzen kein Eigenkapital voraus, eine Zusage ist aber nie garantiert.
Welche Franchise-Modelle eignen sich für eine Gründung ohne Eigenkapital?
Den größten Einfluss auf die Franchise-Einstiegskosten hat das Geschäftsmodell. Ein Restaurant oder ein Einzelhandelsgeschäft braucht Ladenfläche, Umbau, Einrichtung und Warenbestand. Bei anderen Konzepten fallen genau diese Posten weg oder kleiner aus.
- Dienstleistungs-Franchises ohne Geschäftsräume: etwa Franchises für Reinigungsdienste, Haushaltshilfe oder Betreuung, bei denen die Leistung beim Kunden erbracht wird.
- Beratungs- und Vermittlungsmodelle : zum Beispiel Immobilien-, Finanz- oder Personalvermittlung, bei denen vor allem Fachwissen und Kontakte zählen.
- Mobile Konzepte : der Betrieb läuft aus einem Fahrzeug heraus, eine feste Filiale entfällt.
- Homeoffice-basierte Systeme : Verwaltung und Akquise erfolgen von zu Hause, Mietkosten sinken auf ein Minimum.
- Digitale Franchise-Modelle : Online-Dienstleistungen oder Plattformen mit geringem Material- und Raumbedarf.
Geringe Investitionskosten bedeuten jedoch nicht automatisch, dass ein System Sie ohne Eigenkapital aufnimmt. Prüfen Sie die Anforderungen jedes Franchisegebers einzeln und fragen Sie gezielt nach dem erwarteten Eigenanteil. Einen ersten Überblick bietet unsere Auswahl an Franchise-Systemen mit einem Startkapital unter 5.000 Euro.
Wie lässt sich ein Franchise ohne Eigenkapital finanzieren?
Für die Franchise-Finanzierung kommen mehrere Bausteine infrage. Unterscheiden Sie dabei klar: Bankdarlehen und Förderkredite müssen Sie zurückzahlen, ein Zuschuss nicht.
Bankdarlehen und Fremdfinanzierung
Ein klassischer Bankkredit bildet oft die Basis. Die Bank prüft Ihre Bonität, Ihren Businessplan und mögliche Sicherheiten. Fehlen Sicherheiten, kann eine Bürgschaftsbank einspringen: Sie übernimmt in der Regel bis zu 80 % des Ausfallrisikos. Mit dem Programm „Bürgschaft ohne Bank“ stellen Sie den Antrag sogar direkt, noch bevor Sie mit einer Bank verhandeln.
Sprechen Sie bevorzugt mit Kreditinstituten, die bereits Franchise-Gründungen begleitet haben. Viele Franchisegeber können Ihnen solche Ansprechpartner nennen.
KfW-Förderung und öffentliche Förderprogramme
Der ERP-Gründerkredit StartGeld (067) der KfW richtet sich an Gründer:innen und junge Unternehmen bis fünf Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Er umfasst bis zu 200.000 Euro, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, und setzt kein Eigenkapital voraus. Die KfW übernimmt 80 % des Kreditrisikos, was die Zusage für Ihre Bank erleichtert.
Für größere Vorhaben gibt es den ERP-Förderkredit KMU (365, 366), der laut KfW eine Finanzierung ohne eigene Mittel ermöglicht. Den Antrag stellen Sie in beiden Fällen bei einem Finanzierungspartner, nicht direkt bei der KfW, und zwar vor Beginn des Vorhabens. Ob Sie den Kredit bekommen, entscheidet die Bank anhand Ihrer Unterlagen.
Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit
Gründen Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus, kann der Gründungszuschuss die Anfangsphase absichern. Voraussetzung ist ein Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen, eine hauptberufliche Selbstständigkeit und eine Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle, etwa der IHK.
Gefördert werden sechs Monate in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengelds plus 300 Euro monatlich, auf Antrag weitere neun Monate mit 300 Euro. Zu beachten: Es handelt sich um eine Kann-Leistung nach § 93 SGB III. Die Agentur für Arbeit entscheidet nach Ermessen.
Individuelle Finanzierung durch den Franchisegeber
Einige Franchisegeber unterstützen neue Partner:innen bei der Finanzierung. Das reicht von Kontakten zu Partnerbanken über Ratenzahlung der Eintrittsgebühr bis zu reduzierten Einstiegskosten. Solche Angebote sind jedoch die Ausnahme und hängen vom einzelnen System ab. Fragen Sie im Erstgespräch direkt danach.
Welche Voraussetzungen müssen Gründer:innen erfüllen?
Fehlendes Eigenkapital ist kein Ausschlusskriterium. Banken und Franchisegeber bewerten vor allem, ob Person und Vorhaben zusammenpassen. Diese Punkte stärken Ihre Finanzierungschancen:
- Überzeugendes Geschäftskonzept : ein System mit nachvollziehbaren Zahlen und einem passenden Standort oder Einzugsgebiet.
- Nachvollziehbarer Businessplan : realistische Umsatzannahmen, Kostenplanung und Kapitalbedarf, idealerweise mit Daten des Franchisegebers.
- Gute Bonität : eine saubere Schufa-Auskunft und, wenn möglich, Sicherheiten oder eine Bürgschaft.
- Unternehmerische Eignung : Branchenerfahrung, Führungskompetenz und Motivation, die Sie im Bankgespräch belegen können.
- Einsatzbereitschaft : die Bereitschaft, sich intensiv in Schulungen und Abläufe des Systems einzuarbeiten.
- Liquiditätsplanung : ein Puffer für die ersten Monate, in denen die Umsätze erst anlaufen.
Bringen Sie zum Bankgespräch die Unterlagen des Franchisegebers mit, etwa Planzahlen und Erfahrungswerte bestehender Standorte. Eine Stellungnahme einer fachkundigen Stelle wie der IHK stärkt Ihren Antrag zusätzlich. Je besser Sie Ihr Vorhaben belegen, desto weniger fällt fehlendes Eigenkapital ins Gewicht.
Welche Kosten entstehen bei einer Franchise-Gründung?
Unterscheiden Sie zwei Kostenarten. Investitionskosten fallen einmalig zum Start an. Laufende Kosten begleiten Sie jeden Monat, unabhängig davon, wie gut das Geschäft läuft. Die Höhe hängt stark vom System ab, deshalb finden Sie hier die typischen Posten ohne pauschale Beträge.
| Ausgabenposten | Art | Anmerkung |
|---|---|---|
| Eintrittsgebühr | einmalig | Zahlung bei Aufnahme ins System, teils in Raten möglich |
| Laufende Franchisegebühren | laufend | meist prozentual vom Umsatz oder als Pauschale |
| Marketingbeitrag | laufend | Beitrag zur überregionalen Werbung des Systems |
| Ausstattung und Betriebsmittel | einmalig | Fahrzeug, Technik, Einrichtung, Software |
| Warenlager und Material | einmalig und laufend | Erstausstattung plus Nachkauf |
| Versicherungen | laufend | etwa Betriebshaftpflicht, je nach Branche |
| Betriebskosten | laufend | Miete, Personal, Kommunikation, Steuerberatung |
| Liquiditätsreserve | einmalig | Puffer für die Anlaufphase |
Typische Kostenpositionen einer Franchise-Gründung (Übersicht der Redaktion)
Auch bei niedrigen Einstiegskosten gilt: Planen Sie Reserven ein. Wer nur die Investition finanziert, gerät schnell in Engpässe. Beziehen Sie Betriebsmittel deshalb von Anfang an in Ihren Kapitalbedarf ein.Lassen Sie sich zudem alle laufenden Gebühren schriftlich bestätigen, bevor Sie den Franchisevertrag unterschreiben.
Welche Risiken hat ein Franchise ohne Eigenkapital?
Eine vollständige Fremdfinanzierung ist keine risikoarme Gründung. Je höher der Kreditanteil, desto weniger Spielraum bleibt Ihnen. Diese Risiken sollten Sie kennen:
- Hohe Kreditbelastung : Zins und Tilgung belasten jeden Monat Ihr Budget, spätestens nach den tilgungsfreien Jahren.
- Geringer finanzieller Spielraum : unerwartete Ausgaben lassen sich kaum auffangen.
- Fehlende Reserven : ein schwacher Monat kann bereits zu Zahlungsschwierigkeiten führen.
- Feste Gebühren : Franchise- und Marketingbeiträge fallen an, auch wenn der Umsatz hinter dem Plan bleibt.
- Zu optimistische Planung : überschätzte Umsätze führen direkt zu Finanzierungslücken.
Rechnen Sie deshalb ein vorsichtiges Szenario durch. Wie lange können Sie Raten und Gebühren tragen, wenn der Umsatz deutlich unter Plan liegt? Lautet die Antwort „kaum“, sollten Sie Finanzierung oder Konzept noch einmal prüfen.
Redaktionstipp
Sprechen Sie vor der Unterschrift mit bestehenden Franchisenehmer:innen des Systems. Fragen Sie, wie lange es bis zum ersten Gewinn gedauert hat. Diese Antwort ist für Ihre Liquiditätsplanung wertvoller als jede Hochglanzbroschüre.
Häufige Fragen zum Franchise ohne Eigenkapital
Vor allem mobile, digitale und dienstleistungsorientierte Konzepte. Sie kommen ohne große Ladenfläche, Umbau oder Warenlager aus. Den genauen Kapitalbedarf nennt Ihnen jeder Franchisegeber im Erstgespräch.
Ja, eine Fremdfinanzierung ist grundsätzlich möglich. Ob die Bank zusagt, hängt von Ihrer Bonität, Ihrem Businessplan und den Kreditbedingungen ab. Förderkredite der KfW und Bürgschaften können die Chancen verbessern.
Ja. Infrage kommen Förderkredite der KfW wie der ERP-Gründerkredit StartGeld sowie, bei einer Gründung aus der Arbeitslosigkeit, der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Hinzu kommen Bürgschaften der Bürgschaftsbanken und Programme der Länder.
Eine pauschale Untergrenze gibt es nicht. Die Kosten hängen vom Geschäftsmodell und den Vorgaben des Franchisegebers ab. Ein Homeoffice-Konzept kommt mit deutlich weniger Kapital aus als ein Gastronomiebetrieb mit eigener Fläche.











