Die Baumarktmarken Hellweg und BayWa Bau & Garten verschwinden vom Markt, doch nicht jeder Standort schließt. Bauhaus, Obi, Hornbach und Hagebau-Gesellschafter übernehmen einen Teil der Märkte, die übrigen laufen bis Ende November im Abverkauf aus. Ein Überblick, wer wohin geht und was noch offen ist.
Mitte Juni 2026 beantragten beide Ketten ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, Ende August eröffnete das Amtsgericht Essen es. Im Abverkauf stehen derzeit 68 Hellweg- und 43 BayWa-Märkte, das Bundeskartellamt zählte zuletzt 113. Zusammen beschäftigten die Ketten rund 4.200 Menschen, die Zentralen in Dortmund und Garching mit etwa 340 Beschäftigten werden geschlossen.
Bauhaus, Obi, Hornbach, Hagebau: Wer welche Märkte übernimmt
Bauhaus übernimmt bis zu acht Standorte, das Bundeskartellamt gab die Käufe am 2. Oktober frei. Genannt werden unter anderem Backnang, Beckum, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam. Mehr als 400 Beschäftigte und Auszubildende bekommen ein Übernahmeangebot, die Märkte sollen im Frühjahr 2027 als Bauhaus-Fachcentren öffnen.
Obi erhielt für mindestens fünf Märkte den Zuschlag, darunter Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck, und ist für sieben weitere bevorzugter Investor. Insgesamt sind bis zu zwölf Standorte möglich, die ersten Eröffnungen sind für März 2027 geplant. Hornbach kündigte sechs ehemalige Hellweg-Märkte an, Berlin-Köpenick gehört inzwischen aber zum Bauhaus-Deal. Dazu kommen Gesellschafter der Verbundgruppe Hagebau, etwa in Bad Tölz, Pfarrkirchen und Brandenburg an der Havel.
Geplanter Betreiberwechsel bei den ersten Übernahmen, darunter Obi und Bauhaus. Bei einigen Käufen stehen Kartellamt-Freigabe und Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan noch aus.

Märkte ohne Käufer: Abverkauf heißt nicht automatisch Aus
Nach dem Stand vom 4. September hatten 35 Märkte einen Käufer, 18 von Hellweg und 17 von BayWa Bau & Garten. Für die übrigen Standorte läuft die Investorensuche, Bochum, Leipzig, Chemnitz oder Würzburg standen damals auf der Liste ohne Käufer. Märkte ohne Lösung sollen bis Ende November schließen, an nicht gesicherten Standorten wurden Kündigungen vorsorglich ausgesprochen. Falkensee fiel Ende September weg.
Der Abverkauf ist deshalb kein sicheres Zeichen für das Aus. Einige Käufer wollen die Häuser umbauen und unter eigener Marke wieder öffnen. Laut Immobilien Zeitung hatten Anfang Oktober dennoch noch etwa zwei Drittel der Standorte keinen Nachfolger. Neuere Zahlen liegen mir nicht vor.
Was das für Marken und Beschäftigte bedeutet
Die beiden Marken sollen nicht fortgeführt werden. Weil mehrere Bieter um dieselben Standorte konkurrierten, entstehen stattdessen mehrere Betreiber mit eigenen Konzepten. Beschäftigte der übernommenen Märkte sollen laut den Käufern ihre Stelle behalten, Obi nennt rund 250 Beschäftigte an den ersten fünf Standorten. Die Märkte sollen in das „OBI Ökosystem“ integriert werden. Hendrik Voigt, Country Manager Deutschland, bezeichnet Deutschland als Heimatmarkt des Konzerns.
Gut zu wissen:
Weder Hellweg noch BayWa Bau & Garten waren Franchise-Systeme, Hagebau ist eine Verbundgruppe mit selbstständigen Gesellschaftern. Ob Obi die übernommenen Märkte selbst betreibt oder mit Partnern, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.
Was jetzt zu beobachten ist
Bis Ende November klärt sich, welche Standorte tatsächlich weiterlaufen. Entscheidend sind die Kartellamt-Freigaben, die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan und die Verhandlungen von Obi über die sieben weiteren Märkte. Für Beschäftigte, Vermieter und Kommunen hängt daran, ob aus dem Abverkauf im Frühjahr 2027 eine Neueröffnung wird.











