Galeria steckt in der vierten Insolvenz seit 2020, und der vorläufige Insolvenzverwalter bereitet auf harte Einschnitte vor. Von den 83 Warenhäusern werden voraussichtlich nicht alle überleben. Galeria ist kein Franchise-System, doch die Lehren zu Fläche, Miete und Standortprüfung betreffen jeden, der im Handel mit festen Standorten arbeitet.
Am 2. Oktober 2026 beantragte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf die Insolvenz, drei Tage später ordnete das Gericht das vorläufige Verfahren an. Rund 12.000 Beschäftigte sind betroffen. Alle 83 Häuser bleiben vorerst geöffnet, eine Schließungsliste liegt nach übereinstimmenden Berichten bislang nicht vor.
Kebekus: Nicht alle 83 Standorte werden bleiben
Frank Kebekus, vorläufiger Insolvenzverwalter, kennt Galeria aus den Verfahren 2020 und 2022/23, damals als Sachwalter. Laut ZDF hält er das Warenhaus grundsätzlich für überlebensfähig, die Sanierung gehe aber nur „mit harten Einschnitten“. Er rechnet damit, dass am Ende vermutlich nicht alle Standorte fortgeführt werden, und will jedes Haus einzeln auf Wirtschaftlichkeit prüfen.
Schon im Juli hatte Galeria 33 Filialen auf den Prüfstand gestellt, darunter Berlin, Köln, München und Mainz. Ob diese Liste noch gilt und wer am Ende schließt, ist offen.
Gutscheine, Gehälter, Weihnachtsgeschäft: Was jetzt gilt
Kund:innen bekamen zuletzt Einschränkungen zu spüren: gesperrte Verkaufsflächen, zeitweise nicht einlösbare Gutscheine. Kebekus sagte dem ZDF, im Weihnachtsgeschäft könne man ohne Bedenken einkaufen. Für die Beschäftigten hat die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld für Oktober bis Dezember zugesagt. Das sichert die Bezüge, aber keine Arbeitsplätze.
Entscheidend wird das Weihnachtsgeschäft, denn Lieferungen müssen bezahlt und Bestellungen finanziert werden. Mit dem US-Finanzierer Gordon Brothers, der im Juni eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro bereitgestellt hatte, wird über frisches Geld verhandelt. Den Verkaufsprozess organisiert laut dpa Roland Berger. Unklar ist, ob ein Käufer die ganze Kette oder nur einzelne Häuser übernimmt.
Marktanteil der Warenhäuser im deutschen Einzelhandel laut EHI. Im Jahr 2000 lag er noch bei 4,2 Prozent.

Warum die Sanierung so schwer wird
2019 setzte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen rund 4,5 Milliarden Euro um. Für 2025 nennt das EHI etwa 2 Milliarden Euro bei weniger als der Hälfte der Häuser. Hinzu kommen große Flächen, hohe Kosten und ein Modesortiment, das über die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Mehrere Vermieter klagten zuletzt über ausbleibende Mieten.
Der Betriebswirt Carsten Kortum von der DHBW Heilbronn bringt es auf den Punkt: Schulden lasse man streichen, aber „keine Kundennachfrage herbeisanieren“. Handelsexperte Johannes Berentzen von BBE schätzt den Investitionsbedarf für Gebäudetechnik und Innenausstattung auf rund eine Milliarde Euro, dazu kämen Investitionen in den Onlinehandel.
Gut zu wissen:
Galeria ist ein Warenhaus-Filialist in Konzernhand und kein Franchise-System. Das Standortrisiko trägt hier die Zentrale, im Franchise tragen es selbstständige Partner:innen. Gemeinsam ist beiden: Miete, Fläche und Kundenfrequenz entscheiden über die Wirtschaftlichkeit.
Was Handel und Franchise daraus mitnehmen
Der Fall zeigt, wie schnell ein Standortnetz kippt, wenn Fläche und Sortiment nicht mehr zur Nachfrage passen. Für Franchisegeber:innen und Partner:innen mit festen Mietflächen lohnt der Blick auf die eigene Standortbilanz: Wie hoch ist die Mietquote, wie stabil ist die Frequenz, wie schnell lässt sich ein Konzept anpassen?
Zu beobachten sind in den kommenden Wochen vier Signale: eine konkrete Schließungsliste, die Einigung über ein Massedarlehen, die Entscheidung der Kaufinteressenten und die Zahlen aus dem Weihnachtsgeschäft. Bis dahin bleibt die Zukunft von Standorten wie Berlin, Köln, München und Mainz offen.











