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Wie eröffne ich selbständig 2026 einen ambulanten Pflegedienst?

8 Min. Lesezeit
herzliche hauspflege: pflegekraft im gespräch mit seniorin

Viele Pflegekräfte kennen das Problem: Zu wenig Zeit für Patienten, dafür umso mehr Druck im Alltag. Während der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung wächst, steigt aufgrund des demografischen Wandels die Nachfrage nach ambulantem Fachpersonal. Einen eigenen Pflegedienst zu eröffnen, verspricht auch 2026 eine flexible Alternative zum klassischen Arbeiten in Einrichtungen.

Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagen können, welche gesetzlichen Voraussetzungen zu meistern sind und was es 2026 kostet, einen eigenen Pflegedienst aufzubauen und zu betreiben.

Was macht ein ambulanter Pflegedienst?

Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt die professionelle Versorgung pflegebedürftiger Menschen in ihrem eigenen Zuhause. Damit wird Patienten mit gesundheitlichen oder körperlichen Einschränkungen möglichst langfristig ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglicht. Davon profitieren nicht nur die Pflegebedürftigen selbst, sondern auch die Angehörigen, deren Alltag durch die Profis entlastet wird.

Möchten Sie selbst in der Pflege aktiv werden oder sich mit Ihrem Fachwissen selbstständig machen, ist der Schritt in Richtung Pflegedienst eröffnen nahe liegend. Bei den ambulanten Dienstleistern zählt die häusliche Pflege als zentrale Aufgabe. Zu dieser gehören die Grund- sowie Behandlungspflege und die Beratung der Angehörigen:

  • Grundpflege: Zu der Grundpflege zählen Aufgaben, wie das Unterstützen bei der Körperpflege, vom Duschen, Baden und Waschen bis hin zur Mund- und Zahnpflege. Auch Ernährung und Mobilität spielen eine Rolle.
  • Behandlungspflege: Unter dieser werden medizinische Leistungen, wie die Medikamentengabe, Wundversorgung, Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker, Portversorgung, Insulingabe und das An- sowie Ausziehen von Kompressionsstrümpfen zusammengefasst.
  • Beratung von Angehörigen: Neben den pflegerischen Tätigkeiten beraten Sie zudem die Angehörigen. Dabei informieren Sie über die geplanten Abläufe, unterstützen bei organisatorischen Fragen und bei einer lückenlosen Versorgung.

Kann jeder einen ambulanten Pflegedienst eröffnen?

Ja, grundsätzlich kann jeder einen ambulanten Pflegedienst eröffnen. Aufgrund der Verantwortung und zum Schutz der Patienten sind diese aber streng reguliert. Im Sozialgesetzbuch (SGB) ist gesetzlich geregelt, wer unter welchen Bedingungen diesen Beruf ausüben darf und welche persönlichen sowie formalen Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Sollten Sie selbst keine Pflegeausbildung absolviert haben, steht das einer Gründung nicht im Weg. Die Positionen von Unternehmer und qualifizierter Pflegedienstleitung lassen sich voneinander trennen. Für die Gründung brauchen Sie jedoch zwingend die Unterstützung einer ausgebildeten Pflegefachkraft als fachliche Leitung:

  • Unternehmer: Als Unternehmer begleiten Sie die Rolle des Inhabers und übernehmen somit die unternehmerische Führung. Sie sind für alle Aufgaben eines regulären Arbeitgebers zuständig und an alle Rechte sowie Pflichten gebunden. Hierzu zählen neben den rechtlichen Anforderungen zum Thema Selbstständigkeit auch Personal-, Büro- und Marketing-Management.
  • Fachliche Leitung: Neben der unternehmerischen Seite brauchen Sie außerdem eine Pflegefachkraft, um zu gründen. Diese Funktion dürfen ausschließlich ausgebildete Pflegefachkräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung oder vergleichbarem Studium im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege übernehmen.

Eine Ausbildung in folgenden Bereichen ist relevant:

  • Gesundheits- und Krankenpflege, 
  • Pflegefachkraft, 
  • Kinderkrankenpflege oder 
  • Altenpflege.

Die genauen Voraussetzungen hängen von Ihrer Ausbildung und dem jeweiligen Bundesland ab. Informieren Sie sich vor der Gründung über die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen. Auch die persönliche Zuverlässigkeit und wirtschaftliche Eignung sollten bei der Entscheidung immer berücksichtigt werden. Wer einen ambulanten Pflegedienst eröffnen und erfolgreich führen möchte, verfügt über betriebswirtschaftliches Wissen und über Führungsqualitäten.

Schritte, um selbstständig einen ambulanten Pflegedienst zu eröffnen

Sie möchten einen eigenen ambulanten Pflegedienst eröffnen? Der Weg in die Selbstständigkeit erfordert neben fachlichen Qualifikationen und gesetzlichen Bestimmungen eine sorgfältige Planung. Die folgenden Schritte geben Ihnen eine erste Orientierung, um mit dem nötigen Hintergrundwissen erfolgreich durchzustarten.

Schritt 1 – Konzept & Spezialisierung wählen

Haben Sie sich dafür entschieden, einen Pflegedienst für daheim zu gründen, stehen Sie bereits zu Beginn Ihrer Reise vor einer wichtigen Entscheidung: Klassischer Pflegedienst oder spezifische Dienstleistung? Denn neben der bekannten Versorgung, können Sie sich auf einen Teilbereich spezialisieren. Beispiele für eine solche Spezialisierung sind:

  • Intensivpflege: Betrifft Patienten, die aufgrund einer schweren Erkrankung eine kontinuierliche medizinische Überwachung benötigen. Dies kann nach schweren Unfällen, Krankheiten oder in Fällen, wie künstlicher Beatmung notwendig sein. Bei dieser Pflegeform benötigen Sie speziell qualifiziertes Fachpersonal.
  • Seniorenbetreuung: Bei der Seniorenbetreuung werden ältere Menschen in ihrem Alltag unterstützt, die noch relativ selbstständig sind. Ziel ist es, Hilfestellung bei anfallenden Aufgaben im Haushalt, beim Einkaufen oder auch der sozialen Teilhabe zu geben. Der Fokus liegt weniger auf der medizinischen Versorgung als auf Unterstützung und Beibehaltung der Lebensqualität.
  • Demenzpflege: Um Klienten mit Demenz mehr Sicherheit und Vertrauen im Alltag zu ermöglichen, stehen neben der Grundpflege, Struktur und Orientierung ein einfühlsamer Umgang mit den Menschen im Mittelpunkt.

Die Entscheidung, welche Form der Pflege für Daheim Sie bevorzugen, liegt natürlich ganz bei Ihnen. Setzen Sie also auf einen klassischen ambulanten Pflegedienst, bedienen Sie ein breiteres Publikum. Doch heben Sie sich erst durch eine spezifische Nische von Ihren Wettbewerbern ab.

Neben Ihren eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen fließen die jeweilige Marktlage und der regionale Bedarf mit ein. Bei diesen Überlegungen kann man die Zielgruppe nicht früh genug definieren. Sehen Sie sich zuerst Angebot und Nachfrage in Ihrer Region an, um auszuloten, welche Leistungen sich wirklich lohnen und wo Versorgungslücken existieren.

Schritt 2 – Businessplan erstellen

Ein wichtiges Werkzeug, um erfolgreich zu gründen und spätere Finanzierungen durch Banken oder Fördermittel zu ermöglichen, ist die Erstellung eines professionellen Businessplans. Dieser hilft Ihnen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und Ihren Pflegedienst auf ein sicheres Fundament zu stellen. Grundsätzlich besteht ein Businessplan aus vier Teilen:

  1. Zusammenfassung (Executive Summary): Der erste Teil liefert alle wichtigen Informationen auf einen Blick.
  2. Geschäftsidee, Zielgruppe & Marketing: Hier geht es um die Geschäftsidee, Zielgruppe, Standort und Marketing.
  3. Der Finanzplan: An dieser Stelle kommt für viele das Herzstück des Businessplans, denn der Finanzteil bietet Raum für alle wichtigen Kalkulationen und konkreten Zahlen.
  4. Anhänge: Zum Schluss können Lebenslauf und ergänzende Infos beigefügt werden. 

Neben Ihrer Geschäftsidee, definieren Sie in dem Plan auch Ihre Zielgruppe, führen Analysen von Standort sowie Markt durch und beschreiben eine klare Marketingstrategie, um erfolgreich durchzustarten. Besonders wichtig ist der Finanzteil, da dieser alle wichtigen Kalkulationen, wie Investitionskosten, Ausgaben und geplante Einnahmen enthält.

Schritt 3 – Voraussetzungen für die Zulassung als ambulanter Pflegedienst

Da die Aufgaben eines ambulanten Pflegedienstes mit einer großen Verantwortung und unmittelbar mit der Gesundheit und Lebensqualität der Patienten verknüpft sind, müssen für die Gründung gesetzliche Voraussetzungen erfüllt werden.

Zu diesen zählt eine Zulassung durch die Pflege- und Krankenkassen. Voraussetzung ist die Teilhabe einer verantwortlichen Pflegedienstleitung mit entsprechenden Qualifikationen und einer nachweisbaren Berufserfahrung. Um Ihre Leistungen später abrechnen zu können, müssen Verträge mit den Kranken- und Pflegekassen abgeschlossen werden.

Auch die Einhaltung gesetzlicher Standards ist verpflichtend. Zu diesen zählen konkrete Hygienevorschriften, ein Hygieneplan und regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter. Mithilfe eines effektiven Qualitätsmanagement-Systems stellen Sie zudem die Qualität der Pflegearbeit sicher und können Ihre Leistungen kontinuierlich verbessern.

Schritt 4 – Personal einstellen (wenn nötig und man nicht selbst qualifiziert ist)

Zusätzliches Personal wird immer dann erforderlich, wenn Sie die fachlichen Qualifikationen selbst nicht abdecken können oder Aufgaben an Spezialisten abgeben möchten. Zu dem typischen Personal in der ambulanten Pflege zählen in der Regel examinierte Pflegefachkräfte, Pflegehilfskräfte und administratives Personal.

Während die examinierten Pflegefachkräfte für die medizinischen und pflegerischen Tätigkeiten zuständig sind, unterstützen Pflegehilfskräfte bei der Grundpflege. Je nach Größe Ihres Unternehmens kann es sinnvoll sein, Unterstützung bei administrativen Aufgaben anzustellen. Denn Verwaltung und Organisation sind wichtig, um einen reibungslosen Verlauf sicherzustellen.

Schritt 5 – Ausstattung & Organisation

Bevor Sie einen Pflegedienst eröffnen, sollten Sie im Vorfeld für die passende Ausstattung und organisatorische Struktur sorgen. Zu dieser zählen neben den Fahrzeugen, die Sie für die spätere Versorgung Ihrer Patienten benötigen, auch Arbeitsmittel, wie Pflegeutensilien, ein Dokumentationssystem und Hygienematerial.

Je nach Größe und Konzept wird ein eigenes Büro notwendig. Administrative Aufgaben, wie Verwaltung und Planung lassen sich jedoch auch aus dem Home-Office steuern. Das spart in der Anfangsphase Zeit und Ressourcen. Kundentermine können vor Ort wahrgenommen werden, sodass Sie niemanden in Ihrem privaten Zuhause empfangen müssen.

Schritt 6 – Marketing & Kundengewinnung

Ein langfristig erfolgreicher Daheim-Pflegedienst lebt von Vertrauen und Professionalität. Eine nachhaltige Positionierung ist wichtig, um Klienten von Ihren Vorteilen und Fähigkeiten zu überzeugen. Nur, wer Ihnen vertraut, wird Sie für die eigenen Angehörigen engagieren. Werte, wie Zuverlässigkeit, Transparenz und ein gutes Bauchgefühl sind entscheidend, wenn es um die Wahl eines ambulanten Pflegeteams geht.

Teil des Marketings ist eine professionelle Außendarstellung mithilfe einer Website und einem Google Unternehmensprofil. Insbesondere bei sensiblen Themen, wie der Pflege, spielen Empfehlungen eine zentrale Rolle. Ein guter Ruf und positive Bewertungen zählen zu den Erfolgsgrundlagen.

Vergessen Sie nicht Social Media mit einzubinden. Instagram, Facebook oder TikTok unterstützen Sie dabei Nähe zu vermitteln, potenziellen Klienten Einblicke in Ihre Arbeit zu ermöglichen und Vertrauen sowie Reichweite aufzubauen. Leisten Sie Beziehungsarbeit und schaffen Sie eine Vertrauensbasis. Wer möchte schließlich nicht den Menschen kennen, der die eigenen Angehörigen pflegt?

 Ist es auch möglich, einen ambulanten Pflegedienst als Franchise zu eröffnen?

Ja, es ist möglich einen ambulanten Pflegedienst als Franchiseunternehmen zu eröffnen und gilt für viele Gründer als attraktive Alternative zur klassischen Selbstständigkeit.

Franchise bietet den erheblichen Vorteil etablierte Modelle und Strategien zu nutzen. So sind die Geschäftsmodelle und Prozesse schon zum Start Ihrer Selbstständigkeit definiert und der Franchisegeber als Marke bekannt. Sie profitieren von Beginn an von dem Vertrauensvorschuss, ohne Ihr Marketingbudget zu belasten. Zudem fällt der Einstieg in stark regulierte Märkte oft leichter, wenn Sie auf ein funktionierendes System zurückgreifen. Das betrifft auch Themen, wie Zulassungen, Qualitätsmanagement, Marketing und Weiterbildungen.

Zu den bekanntesten Franchise-Anbietern im Pflegebereich zählen:

  • PROMEDICA PLUS,
  • Pflegebüro Bahrenberg,
  • PARAMEDIX / APROMEDICA und
  • Lanos Care.

Im Vergleich zur klassischen Selbstständigkeit fallen bei Franchise-Systemen zusätzliche Kosten, wie Lizenzgebühren an, während unternehmerische Entscheidungen nicht komplett losgelöst vom Franchisegeber getroffen werden. Im Gegenzug profitieren Franchisenehmer jedoch von Struktur, Erfahrung und einem geringeren Gründungsrisiko.

Wie viel kostet es, im Jahr 2026 einen Pflegedienst zu eröffnen?

Die Gesamtkosten, um im Jahr 2026 einen ambulanten Pflegedienst zu eröffnen, sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Zu diesen zählen die Größe des Unternehmens, regionale Voraussetzungen und das Konzept.

Kostenaufstellung Pflegedienst eröffnen

Kostenposten Geschätzte Kosten (€)
Gründung & Formalitäten 2.000 – 5.000 €
Fahrzeuge (Leasing/Kauf) 10.000 – 25.000 €
Pflegeausstattung & Materialien 500 – 2.000 € / Monat
Ausstattung & Einrichtung 10.000 – 15.000 €
Miete & Betriebskosten 1.000 – 3.000 €
Personal (brutto pro Vollzeitstelle) 2.500 – 3.500 €
Marketing & Website 2.000 – 5.000 €
Versicherungen 500 – 1.500 € / Jahr

Bei der Gründung ist neben diversen einmaligen Investitionen, wie Firmenfahrzeuge und organisatorische Formalitäten, die zum Start in die Selbstständigkeit anfallen, vor allem eines wichtig: Die Liquidität in den ersten Monaten. 

Nicht vergessen:

Kassen zahlen oftmals zeitverzögert, sodass Sie in Vorleistung treten müssen!!!

Kostenvergleich: Privat vs. Franchise

Kostenfaktor Privater Pflegedienst Franchise-Pflegedienst
Einstiegsgebühr keine ca. 5.000 – 50.000 €
Laufende Gebühren keine 5–10 % vom Umsatz
Marketingkosten selbst zu tragen teilweise zentral übernommen
Beratungs-/Setupkosten höher (eigene Organisation) oft im Franchise enthalten
Markenbekanntheit muss aufgebaut werden bereits vorhanden
Gesamtkosten (Start) ca. 70.000 bis 90.000 € ca. 5.000 – 50.000 €

Ob privater Pflegedienst oder Franchisenehmer – beide Formen bieten Ihre Vorteile:

  1. Private Gründung: Dieser Weg lohnt sich, wenn Sie die maximale Kontrolle über alle Entscheidungen, Maßnahmen und Gestaltungsspielraum haben möchten. Dies bedeutet jedoch auch, dass alle Zulassungen, Kalkulationen, Vertriebs- und Marketingstrategien bei Ihnen liegen. 
  2. Franchisegeber: Entscheiden Sie sich, einen Pflegedienst als Franchisenehmer zu eröffnen, geben Sie zwar einen Teil Ihrer autonomen Entscheidungsmöglichkeiten ab, profitieren jedoch von den etablierten Konzepten, die bereits vor Ihrem Start erprobt wurden. Das bedeutet zum einen zwar laufende Kosten, spart aber Fehler und somit Lehrgeld.

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