Wie eröffne ich 2026 eine Bar in Deutschland: Kosten, Voraussetzungen & Tipps

7 Min. Lesezeit
gemütliche bar mit warmem edison licht

Du träumst von der eigenen Bar und willst in 2026 endlich loslegen? Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du in Deutschland eine Bar eröffnen kannst: persönliche Voraussetzungen, Genehmigungen, Businessplan, Kosten und die 8 wichtigsten Schritte. Du erfährst auch, ob sich eine Bar als Franchise lohnt und mit welchem Startkapital du realistisch rechnen musst.

Grundsätzlich ja, denn das Betreiben einer Bar ist in Deutschland kein reglementierter Beruf. Eine spezielle Ausbildung oder ein Meisterbrief sind nicht vorgeschrieben. Trotzdem brauchst du klare persönliche Voraussetzungen und eine offizielle Erlaubnis, sobald alkoholische Getränke ausgeschenkt werden.

Pflicht sind:

  • ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis
  • eine steuerliche Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts und
  • eine Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz beim Gesundheitsamt.
  • Für den Ausschank brauchst du außerdem eine Gaststättenkonzession nach dem jeweiligen Landesgaststättengesetz.

Beruflicher Qualifikationen wie eine Ausbildung als Restaurantfachfrau oder Hotelfachmann sind keine Pflicht. Praktische Erfahrung in der Gastronomie ist aber dringend zu empfehlen. Wer nie hinter einer Theke gestanden hat, unterschätzt schnell den Stress an einem vollen Wochenende. Eine Unterrichtung über lebensmittelrechtliche Vorschriften bei der IHK ist gesetzlich vorgeschrieben und in wenigen Stunden erledigt.

Eine Bar nebenberuflich zu eröffnen ist möglich, solange du genug Zeit und Energie investierst und dein Arbeitgeber informiert ist. Wirklich nebenbei läuft eine Bar aber selten: vier bis sechs Abende pro Woche sind in der Praxis die Norm.

Eine Bar zu gründen folgt einer logischen Reihenfolge. Wer einen dieser Schritte überspringt oder vertauscht, riskiert teure Fehler, die später schwer zu korrigieren sind. Hier sind die wichtigsten Schritte für deine Eröffnung in Deutschland.

Schritt 1: Konzept und Zielgruppe definieren

Bevor du anfängst zu rechnen, definiere die Art von Bar, die zu dir und deinem Standort passt. Eine Cocktailbar mit Mixology-Anspruch, eine entspannte Café-Bar, eine Espresso-Bar im italienischen Stil, eine Beach-Bar am See oder eine kleine Bar im Szeneviertel: jedes Format spricht ein anderes Publikum an.

Frage dich: Wer kommt zu dir? Welches Alter, welches Budget pro Abend, welche Stimmung? Je klarer dein Konzept passt, desto leichter werden alle späteren Entscheidungen, von der Einrichtung bis zur Musik.

Schritt 2: Businessplan erstellen

Der Businessplan ist dein Fahrplan und gleichzeitig die Grundlage für Bank, Investoren und KfW-Förderkredit. Er enthält Marktanalyse, Wettbewerbsanalyse, Umsatzplanung für drei Jahre, eine Liquiditätsplanung und alle geplanten Investitionen.

Plane konservativ. Rechne mit Anlaufverlusten in den ersten Monaten und kalkuliere ein Betriebskapital von 3 bis 6 Monatsausgaben ein. Eine sorgfältigen Planung verhindert, dass du nach dem dritten Monat ohne Liquidität dastehst.

Gut zu wissen:

Die KfW bietet mit dem ERP-Gründerkredit StartGeld bis zu 125.000 Euro ohne Eigenkapitalpflicht. Die Hausbank reicht den Antrag ein, die Förderung läuft über sie. Ein gut vorbereiteter Businessplan ist die Eintrittskarte.

Schritt 3: Standort finden

Der Standort entscheidet über Erfolg oder Misserfolg deiner Bar. Achte auf Laufkundschaft, Sichtbarkeit, Außenbereich und Nachbarschaft. Ist die Gegend für Nachtleben bekannt? Wie ist die Anbindung an den ÖPNV?

Prüfe den Mietvertrag genau, insbesondere die Konzessionsfähigkeit der Räume und die Lärmschutzauflagen. Eine bestehende Bar zu übernehmen kann eine clevere Alternative sein. Bestehende Bars haben oft schon Genehmigungen, Stammkundschaft und eine fertig eingerichtete Infrastruktur.

Schritt 4: Behörden und Genehmigungen

Hier wird es bürokratisch. Du musst dein Gewerbe anmelden beim Gewerbeamt deiner Gemeinde. Anschließend füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt aus, online über ELSTER.

Für den Ausschank alkoholischer Getränke beantragst du die Gaststättenkonzession beim Ordnungs- oder Gewerbeamt deiner Gemeinde. Außerdem brauchst du eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN, online über das BGN-Portal), ein Gesundheitszeugnis in Form einer Erstbelehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz beim Gesundheitsamt, und, falls du eine GmbH oder UG gründest, einen Eintrag ins Handelsregister über einen Notar, der die Anmeldung an das zuständige Amtsgericht (Registergericht) übermittelt.

Plane für sämtliche Genehmigungen 6 bis 12 Wochen ein.

Schritt 5: Ausstattung und Waren beschaffen. Bedenke auch die Lieferantenwahl

Theke, Kühltechnik, Gläser, Spirituosen und Bargeräte: die Liste ist lang. Wähle Lieferanten mit Bedacht, denn deine Margen hängen daran. Hole mindestens drei Angebote pro Posten ein.

Achte besonders auf Exklusivverträge mit Brauereien oder Spirituosenherstellern. Sie bringen oft günstige Konditionen, aber auch lange Bindungen. Eine flexible Lieferantenstruktur sichert dir später mehr Verhandlungsspielraum, wenn du das Sortiment veränderst oder zusätzliche Hersteller aufnimmst.

Schritt 6: Betrieb organisieren und Personal einstellen

Auch eine kleine Bar braucht ein Team: Barkeeper:innen, Servicekräfte, eventuell jemand für den Einlass am Wochenende. Stelle früh genug ein, idealerweise 4 bis 6 Wochen vor Eröffnung, damit Zeit für Einarbeitung und Probeschichten bleibt.

Beim Personal solltest du rechtlich sauber arbeiten. Jede:r Mitarbeiter:in braucht einen schriftlichen Arbeitsvertrag nach dem Nachweisgesetz, mit klarer Einstufung als Minijob (geringfügige Beschäftigung), Teilzeit- oder Vollzeitstelle. Beachte den geltenden Mindestlohn und das Arbeitszeitgesetz. Vor Arbeitsbeginn meldest du jede:n Beschäftigte:n bei der gesetzlichen Krankenkasse sowie der BGN an. Minijobs werden zusätzlich bei der Minijob-Zentrale registriert.

Organisiere die Schichtpläne, das Kassensystem, die Warenwirtschaft und die HACCP-Dokumentation. Eine klare Arbeitsorganisation ist die Voraussetzung dafür, dass du als Inhaber:in nicht 80 Stunden pro Woche selbst hinter der Theke stehst.

Schritt 7: Marketing starten

Beginne 6 bis 8 Wochen vor Eröffnung mit dem Marketing. Erstelle Instagram- und TikTok-Profile, lade lokale Influencer:innen ein, verteile Flyer im Viertel und suche Kooperationen mit Nachbarbetrieben wie Restaurants, Spätis oder Theatern.

Plane eine starke Soft-Opening-Woche für Freund:innen, Nachbarschaft und Presse. Bewertungen auf Google und Tripadvisor entscheiden in den ersten Monaten über deine Sichtbarkeit im Algorithmus.

Schritt 8: Bar eröffnen

Die offizielle Eröffnung ist dein erster großer Auftritt. Plane sie an einem Donnerstag oder Freitag, nicht am Samstag, weil dort viele Stammgäste anderer Bars unterwegs sind. Lade gezielt ein und biete einen Eröffnungsdrink zum Sonderpreis an.

Beobachte in den ersten Wochen jede Kennzahl: Umsatz pro Abend, Durchschnittsbon, Personalkosten und Warenverbrauch. So erkennst du früh, was funktioniert, und kannst Karte, Öffnungszeiten oder Personaldienstpläne nachjustieren.

Ja, eine Bar innerhalb eines Franchise-Netzwerkes zu eröffnen ist in Deutschland eine echte Alternative zur eigenständigen Gründung. Ein bestehendes Konzept zu übernehmen reduziert das Risiko spürbar, weil Marke, Karte, Lieferanten und Schulungen bereits stehen.

Bekannte Bar-Ketten in Deutschland, die als Franchise-System arbeiten sind:

  • Sausalitos: mexikanisch geprägte Cocktailbar mit zahlreichen Standorten in deutschen Großstädten, bekannt für Long Drinks und Tex-Mex-Karte.
  • Enchilada: lateinamerikanisches Bar-Restaurant-Konzept, expandiert kontinuierlich in Mittel- und Großstädten.
  • Mongo’s: asiatisch inspiriertes Restaurant- und Barkonzept mit eigener Cocktailkarte und Live-Cooking.

Vor der Unterzeichnung solltest du den Franchise-Vertrag mindestens 14 Tage vor Unterschrift durch einen Fachanwalt prüfen lassen. Die vorvertragliche Aufklärungspflicht nach BGB verpflichtet den Franchisegeber, dir rechtzeitig alle wesentlichen Informationen offenzulegen.

Die Kosten variieren stark nach Format, Lage und Größe. Eine kleine Bar in einer Mittelstadt startet bei rund 50.000 bis 100.000 Euro. Eine Cocktailbar in einer Großstadt kostet schnell 150.000 bis 300.000 Euro. Eine Franchise-Bar bewegt sich meist im oberen Bereich. Hinzu kommen laufende Kosten wie Miete, Personal, Wareneinsatz und Versicherungen.

Gesamtkostenschätzung Bar-Eröffnung in Deutschland 2026

Kostenposten Geschätzter Betrag (Euro)
Konzession und Genehmigungen 300 – 1.000
Gewerbeanmeldung, IHK, Notar 200 – 1.500
Umbau und Renovierung 20.000 – 80.000
Theke und Innenausstattung 15.000 – 50.000
Kühltechnik und Bargeräte 8.000 – 25.000
Gläser, Kleingerät, Erstausstattung Waren 5.000 – 15.000
Kassensystem und Software 2.000 – 5.000
Mietkaution (3 Monatsmieten) 6.000 – 30.000
Marketing und Eröffnung 3.000 – 10.000
Betriebskapital 3-6 Monate 30.000 – 80.000
Gesamt 90.000 – 300.000

Quellen: DEHOGA Bundesverband, KfW Gründerportal, BMWK Existenzgründungsportal, IHK-Gründungsleitfäden.

Kostenvergleich eigenständige Bar versus Franchise-Bar

Zwischen einer eigenständigen Bar und einer Franchise-Bar gibt es deutliche Unterschiede beim Investitionsvolumen und bei den laufenden Kosten.

Posten Eigenständige Bar Franchise-Bar
Gesamtinvestition 70.000 – 200.000 € 250.000 – 700.000 €
Eigenkapital empfohlen 20 – 30 % 25 – 35 %
Einstiegsgebühr keine 15.000 – 35.000 €
Laufende Royalties keine 4 – 7 % vom Umsatz
Marketingbeitrag individuell 1 – 3 % vom Umsatz
Vertragslaufzeit frei 7 – 10 Jahre

Quellen: Deutscher Franchiseverband (DFV), offizielle Franchisegeber-Webseiten (Sausalitos, Enchilada, Mongo’s).

Das Franchisekonzept verursacht zwar zusätzliche Kosten, hat aber seine klaren Vorteile in Bezug auf das Risiko, welches jede Gründung mit sich bringt.

Redaktionstipp:

Typische Fehler beim Budget sind unterschätzte laufende Kosten und zu wenig Betriebskapital. Plane immer 20 bis 30 % Puffer auf dein Gesamtbudget und drei bis sechs Monate Liquidität, bevor du den Mietvertrag unterschreibst.

Eine Bar ohne Eigenkapital zu eröffnen ist theoretisch möglich, in der Praxis aber sehr schwierig. Banken erwarten meist 20 bis 30 % Eigenkapital. Alternativen sind Mikrokredite, Bürgschaftsbanken der Bundesländer, der KfW-Förderkredit, Crowdfunding oder ein:e Investor:in mit Kapital.

Den Traum von der eigenen Bar zu verwirklichen ist anspruchsvoll, aber machbar. Mit einem klaren Konzept, einer sorgfältigen Planung und einer realistischen Finanzierung legst du die Grundlage für einen Betrieb, der trägt. Der nächste konkrete Schritt liegt bei dir: Ob ein Beratungstermin bei deiner IHK, ein Gespräch mit der Hausbank oder die erste Recherche nach einem passenden Franchise-Partner. Jeder diese Schritte bringt dich von der Idee in die Umsetzung.

Häufige Fragen zur Eröffnung einer Bar

Um eine Bar zu eröffnen, brauchst du ein klares Konzept, einen Businessplan, einen Standort, die Gewerbeanmeldung, die Gaststättenkonzession für den Ausschank alkoholischer Getränke, die Anmeldung bei der BGN sowie eine IHK-Unterrichtung zum Lebensmittelrecht. Hinzu kommen Eigenkapital, eine Finanzierung und ein eingespieltes Team.

Banken erwarten in der Regel 20 bis 30 % Eigenkapital bezogen auf die Gesamtinvestition. Bei einer kleinen Bar mit 80.000 Euro Gesamtinvestition sind das also rund 16.000 bis 24.000 Euro. Ohne Eigenkapital sind Mikrokredite, Bürgschaftsbanken oder Investoren mögliche Alternativen.

Eine Bar lohnt sich, wenn dein Konzept zur Lage passt, deine Margen stimmen und du persönlich operativ präsent bist. Erfahrungen erfolgreicher Bar-Betreibender zeigen: entscheidend sind Standort, Personalführung und ein klar definiertes Publikum. Realistische Rentabilität ist meist erst ab dem zweiten Jahr zu erwarten.

Du brauchst die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt, die Gaststättenkonzession für den Alkoholausschank, eine Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, eine IHK-Unterrichtung zum Lebensmittelrecht und eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe. Eine GmbH oder UG muss zusätzlich ins Handelsregister eingetragen werden.

Rechtlich ist das möglich, solange du deinen Hauptarbeitgeber informierst und der Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeit erlaubt. Praktisch braucht eine Bar so viel operative Präsenz, dass eine reine Nebenbeschäftigung selten funktioniert. Eine Mitgründer:in oder eine erfahrene Geschäftsführer:in vor Ort sind in diesem Fall fast unverzichtbar.

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