Die Fressnapf-Maxizoo-Gruppe konnte 2025 trotz eines schrumpfenden Heimtiermarktes ihren Umsatz auf 3,66 Milliarden Euro steigern. Der neue CEO Matt Simister kündigt für 2026 zwischen 150 und 180 Filialeröffnungen an und will mit dem neuen Urban-Store-Format auch deutsche Innenstädte erobern.
Der Krefelder Heimtierbedarfshändler hat Ende April seine Jahreszahlen 2025 vorgelegt und damit erstmals seit dem Amtsantritt von CEO Matt Simister im September 2025 öffentlich Bilanz gezogen. Mit einem Umsatzplus von 2,5 % auf 3,66 Milliarden Euro wuchs die Gruppe deutlich besser als der deutsche Heimtiermarkt, der laut Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe 2025 leicht um 0,7 % zurückging. Das operative Ergebnis (EBITDA) legte sogar um 11 % auf 380 Millionen Euro zu. Mit insgesamt 2.888 Filialen in 15 europäischen Ländern, davon rund 940 in Deutschland, bleibt das Familienunternehmen Marktführer für Heimtierbedarf auf dem Kontinent.
Solide Bilanz trotz rückläufigem Heimtiermarkt
Die Erlöse der Gruppe bleiben zwar unter dem Rekordwert von vier Milliarden Euro, den das Franchise-Netzwerk Fressnapf 2023 erzielte. Branchenexperten ordnen jenen Höchstwert allerdings als Corona-Sondereffekt ein, der sich seither normalisiert hat. Inflation und gedämpftes Konsumklima drücken zusätzlich auf die Stimmung im stationären Einzelhandel. Vor diesem Hintergrund wertet der frisch eingesetzte Vorstand die Zahlen als Bestätigung der Strategie. Der neue Finanzchef Florian Wieser, der im Januar 2026 vom Immobilienunternehmen Engel & Völkers nach Krefeld wechselte, betont die Robustheit des Filialnetzes.
Urban Stores als neues Format für Berlin und München
Die Expansion bleibt das zentrale Wachstumsversprechen der Gruppe. 2024 eröffnete Fressnapf 180 neue Filialen, im vergangenen Jahr sogar 195. Für 2026 plant die Zentrale zwischen 150 und 180 Neueröffnungen, mit Schwerpunkt auf Polen, Frankreich und Italien. Parallel testet das als Franchise-Modell funktionierende Unternehmen seit einigen Monaten ein neues Format in Kopenhagen und Paris, die sogenannten Urban Stores. Diese kompakten Verkaufsflächen zwischen 100 und 200 m² setzen auf exklusive Marken und höhere Margen. Deutschlandchef Norbert Marschallinger hat Berlin und München als nächste Standorte für das innerstädtische Konzept benannt.
Gut zu wissen
Fressnapf trat 1989 mit einer einzigen Filiale in Erkelenz nahe Aachen an, gegründet vom damals 24-jährigen Torsten Toeller. Seit 2016 ist der Gründer im Verwaltungsrat aktiv. Im Sommer 2024 stieg der Investor Cinven mit rund 20 % als Minderheitsgesellschafter ein. In den meisten Auslandsmärkten tritt die Gruppe unter der Marke Maxi Zoo auf.
Online-Geschäft als Baustelle und Treueprogramm im Fokus
Während die Filialen wachsen, schwächelt der digitale Vertrieb. Der Onlineumsatz ging 2025 leicht um 0,4 % auf 422 Millionen Euro zurück. Matt Simister, langjähriger Tesco-Manager und seit September 2025 an der Spitze der Gruppe, will diesen Bereich gemeinsam mit dem App-basierten Treueprogramm „Friends” in den kommenden zwei Jahren prioritär entwickeln. Das 2022 gestartete Programm soll künftig stärker als Datenquelle für Sortiment und Marketing dienen. Deutschland steuert weiterhin rund 33 % zum Konzernumsatz bei, gefolgt von Italien (21 %), Frankreich (16 %) und Österreich (7 %).
Wettbewerb mit Zooplus und Druck im europäischen Markt
Auf europäischer Ebene bleibt der Münchner Onlinehändler Zooplus der schärfste Wettbewerber. Das Unternehmen, das 2022 von den Finanzinvestoren EQT und H&F übernommen wurde, erzielt einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro und wird seit September 2025 vom neuen CEO Lionel Desclée geführt. Das Duell verläuft entlang klassischer Linien: stationärer Marktführer gegen Pure-Play-Onlinehändler. Mit der Urban-Store-Offensive und dem Fokus auf Kundenbindung will Fressnapf 2026 zeigen, dass die Filiale auch in Innenstadtlagen ein zentraler Wachstumshebel bleibt. Beobachter werden verfolgen, wie viele der angekündigten Standorte tatsächlich auf deutschem Boden eröffnen.











