Mit über 380 Standorten in 18 Ländern zählt Joe & the Juice heute zu den international erfolgreichsten Saftbar-Konzepten. Die dänische Marke betreibt auch in Hamburg zwei beliebte Filialen und ist Sinnbild eines neuen, urbanen Lifestyle-Gastronomie-Trends. Doch eine eigene Joe & the Juice Filiale in Deutschland eröffnen? Das ist nicht möglich. Der Grund liegt im Geschäftsmodell. Wir erklären, warum, und zeigen die wichtigsten Franchise-Alternativen.
Ist Joe & the Juice ein Franchise-Unternehmen?
Die klare Antwort lautet: nein. Joe & the Juice arbeitet in Deutschland nicht mit dem Franchise-Modell. Wer in Hamburg, München oder Berlin eine eigene Filiale der dänischen Marke eröffnen möchte, wird keinen offenen Bewerbungsprozess finden, um Joe & the Juice als Franchise-Unternehmen zu eröffnen. Der Grund ist strategisch und betrifft den Kern des Konzepts.
Das Konzept hinter Joe & the Juice
Gegründet im Jahr 2002 in Kopenhagen von Kaspar Basse, ehemaliges Mitglied der dänischen Karate-Nationalmannschaft, verbindet Joe & the Juice drei Welten in einem einzigen Raum: Saftbar, Café und Sandwich-Theke. Frische Säfte aus rohem Obst und Gemüse, Smoothies, Wellness-Shots und Espresso-Spezialitäten stehen neben warmen Sandwiches mit Sauerteigbrot. Die Speisekarte richtet sich an gesundheitsbewusste, urbane Kund:innen mit hoher Kaufkraft.
Die erste Filiale öffnete in der Rue Verte in Kopenhagen, einem damals führenden Einrichtungsgeschäft. Italienische Designer-Möbel, nordische Klarheit und elektronische Musik prägten von Anfang an die Atmosphäre. Diese ästhetische Identität, die heute weltweit Wiedererkennungswert hat, ist kein Zufall, sondern Teil der Markenstrategie.
In Deutschland eröffnete Joe & the Juice seinen ersten Standort im April 2012 in Hamburg. Heute betreibt die Marke dort mehrere Filialen, unter anderem am Ballindamm in der Europa Passage und in den Großen Bleichen. Weitere Standorte folgen schrittweise, jedoch nicht über lokale Franchisepartner:innen.
Der Erfolg in Hamburg dient als Modell für die weitere Expansion in Deutschland. Die zentral gelegenen Innenstadtflächen ziehen ein junges, kaufkräftiges Publikum an, das Wert auf Frische, Geschwindigkeit und Aufenthaltsqualität legt. Ein durchschnittlicher Standort generiert nach Branchenangaben einen sechsstelligen Monatsumsatz, der die hohen Mietkosten in Top-Lagen rechtfertigt. Ohne diese starke Frequenz funktioniert das Modell nicht.
- Über 380 Filialen weltweit in 18 Ländern (2026).
- 65 Standorte in Nordamerika, davon mehrere in New York, Los Angeles und Toronto.
- Gründungsjahr: 2002, Sitz in Kopenhagen.
- Mehrheitsaktionär seit 2023: das US-Private-Equity-Haus General Atlantic.
- Wachstumsziel: 1.000 Filialen bis 2028.
Eigenbetrieb statt Franchise: ein bewusst gewähltes Modell
Im Gegensatz zu klassischen Franchise-Ketten setzt Joe & the Juice auf das Modell der unternehmenseigenen Filialen. Jede Filiale gehört dem Unternehmen selbst, wird von angestellten Manager:innen geführt und folgt zentral definierten Standards. Diese Struktur garantiert, dass Produktqualität, Mitarbeiterführung, Ladenarchitektur und Markenauftritt überall identisch sind.
Für die Marke ist das eine bewusste Entscheidung. Das Kundenerlebnis steht im Mittelpunkt: schnelles Tempo, junge Belegschaft, Musik, freundliche Ansprache. Die berühmten Juicer hinter dem Tresen werden intern ausgebildet und durchlaufen ein internes Karrieremodell. Ein:e externe:r Franchisepartner:in mit eigener Personalstrategie würde diese kulturelle Konsistenz schwächen.
Ein klassisches Franchise-System funktioniert anders. Ein:e Franchisegeber:in stellt einer:m unabhängigen Unternehmer:in Marke, Konzept und Know-how gegen eine Eintrittsgebühr sowie laufende Royalties zur Verfügung. Die Franchisenehmer:in investiert eigenes Kapital, trägt das unternehmerische Risiko und führt die Filiale selbstständig. Bei Joe & the Juice ist dieser Weg in Deutschland nicht vorgesehen.
Wer dennoch Teil der Marke werden möchte, hat eigentlich nur einen Weg: eine Anstellung als Juicer, später als Shift Manager oder Store Manager. Eine unternehmerische Beteiligung als Franchisenehmer:in ist im deutschen Markt aktuell nicht angeboten.
International gibt es einzelne Ausnahmen: In Teilen des Nahen Ostens und in Asien hat Joe & the Juice Master-Franchise-Verträge mit großen regionalen Partnern abgeschlossen. So entstanden allein im Mittleren Osten rund 23 Filialen über lokale Master-Franchisenehmer. Diese Verträge betreffen jedoch ganze Länder oder Regionen und richten sich nicht an einzelne Gründer:innen in Deutschland.
Gut zu wissen:
Die Marke verfolgt einen Börsengang in den USA und plant, ihre Filialzahl bis 2028 auf 1.000 Standorte zu verdoppeln. Diese Expansion erfolgt überwiegend in Eigenregie, finanziert durch das Mehrheitsengagement der US-Beteiligungsgesellschaft General Atlantic. Eine Öffnung des deutschen Markts für individuelle Franchisepartner:innen ist nicht angekündigt.
Welche Alternativen und Franchise-Systeme gibt es im gleichen Bereich?
Der deutsche Markt für frische Säfte, Smoothies, Bowls und Healthy Fast Food wächst seit Jahren überdurchschnittlich. Die Umsätze im Smoothie-Segment haben sich zwischen 2014 und 2017 nahezu verdreifacht und liegen heute deutlich über der Marke von 180 Millionen Euro pro Jahr. Wer in diesen Markt einsteigen möchte, findet mehrere etablierte Franchise-Systeme. Die Spannbreite reicht vom regionalen Konzept mit Smart-Fridge-Modulen bis zur internationalen Master-Franchise mit US-Wurzeln. Fünf Namen sind besonders relevant.
1) immergrün: das deutsche Frische-Konzept mit über 70 Standorten
Gegründet 2005 in Berlin durch Mark Twiehoff, zählt immergrün heute zu den führenden Healthy-Food-Marken im deutschen Markt. Das Konzept startete als reine Saft- und Smoothie-Bar und entwickelte sich zu einem Vollsortimenter mit Bowls, Salaten, Wraps, Porridge und Kaffee. Aktuell zählt das Netzwerk rund 70 Filialen in Einkaufszentren, Bahnhöfen und Citylagen.
Die Konditionen für interessierte Gründer:innen sind transparent: Die Eintrittsgebühr liegt bei 15.000 Euro, die monatliche Lizenzgebühr beträgt 7 Prozent des Nettoumsatzes plus 0,5 Prozent Marketingbeitrag. Die Gesamtinvestition variiert je nach Format: ab 25.000 Euro für ein Smart-Fridge-Modul, etwa 50.000 Euro für ein Lieferkonzept und 100.000 bis 150.000 Euro für eine vollständige Center-Filiale.
Empfohlenes Eigenkapital: ab 10.000 Euro. Die Vertragslaufzeit erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre, mit einer sechswöchigen Anfangsschulung und intensiver Begleitung in der Eröffnungsphase. Mehr Informationen finden sich auf der offiziellen
2) dean&david: Healthy Fast Casual aus München
dean&david wurde 2007 von David Baumgartner in München gegründet. Das Konzept positioniert sich im Segment Healthy Fast Casual und bietet Salate, Bowls, asiatische Currys, Suppen, Wraps und frisch gepresste Smoothies. Mit über 85 Filialen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Katar zählt die Marke zu den dynamischsten Systemen im Bereich gesunder Quick-Service.
Das System bietet zwei Modelle. Beim 100-Prozent-Franchise trägt die:der Franchisepartner:in die gesamte Investition allein und behält den vollen Gewinn. Beim anteiligen Franchise beteiligt sich die hauseigene Beteiligungsgesellschaft Bawema an der Investition und erhält im Gegenzug einen Anteil am Gewinn. Dieses Modell senkt das Eigenrisiko erheblich, eignet sich für Gründer:innen mit begrenztem Eigenkapital.
Die genauen Investitionssummen werden im persönlichen Bewerbungsgespräch kommuniziert und hängen vom jeweiligen Standortformat ab. Die Marke gilt laut Handelsblatt als eine der ambitioniertesten Expansionsgeschichten der deutschen Systemgastronomie und plant unter anderem den Einstieg in das Flughafen-Catering.
3) Fruteria: norddeutsche Smoothie-Bars mit ganzfruchtigem Konzept
Im Mai 2007 eröffnete Arne Pokrandt in Lübeck die erste Fruteria-Saftbar. Die Marke verarbeitet ausschließlich ganze Früchte, verzichtet auf Konzentrate, künstliche Aromen und Zusatzstoffe. Das Sortiment umfasst Smoothies, frisch gepresste Fruchtsäfte, Joghurt- und Müsli-Spezialitäten. Aktuell betreibt das Unternehmen drei Standorte in Norddeutschland.
Im Vergleich zu größeren Systemen handelt es sich um ein kompakteres Konzept mit überschaubaren Investitionsanforderungen. Die Marke richtet sich an Gründer:innen mit regionalem Fokus und Interesse an einem schlanken, qualitätsorientierten Frischeansatz. Genaue Konditionen werden im Erstgespräch besprochen.
5) Mr. Clou: Marktführer im Saftladen-Segment
Das Konzept Mr. Clou gilt als eines der erfolgreichsten Franchise-Systeme im engeren Saftladen-Bereich in Deutschland. Aktuell betreibt das Netzwerk rund 23 Standorte in deutschen Innenstädten sowie drei Filialen in Prag. Das Sortiment umfasst frisch gepresste Säfte, Wraps, Salate und Desserts. Die Standorte liegen in stark frequentierten Lauflagen und richten sich an Berufstätige in der Mittagspause.
Die Investitionssumme bewegt sich je nach Standortgröße im mittleren fünfstelligen Bereich. Konkrete Konditionen werden im persönlichen Erstgespräch besprochen. Das System legt Wert auf Gründer:innen mit gastronomischer Erfahrung und einer engen Bindung an die Region des geplanten Standorts.
Redaktionstipp:
Bei der Wahl eines Franchise-Systems im Healthy-Food-Bereich ist das wichtigste Kriterium nicht die Höhe der Eintrittsgebühr, sondern die Lage. Frequenz, Kaufkraft und Bürodichte am Standort entscheiden über den Umsatz weit stärker als jede Markenstärke. Ein Standortcheck sollte daher noch vor der Vertragsunterzeichnung durch ein unabhängiges Marktforschungsbüro erfolgen.











