Nach 20 Jahren an der Spitze verlässt Birgit Aust zum 31. Oktober 2026 die Geschäftsführung der Touristik Vertriebsgesellschaft (TVG). Die Reisebüroorganisation, die mehrere Franchise- und Ladenkonzepte im Touristik-Bereich betreibt, ordnet ihre Führung neu und bleibt eigenständig am Markt. Was der Wechsel für das Netzwerk bedeutet.
Seit 2006 führte Birgit Aust die TVG und zählt damit zu den dienstältesten Führungspersönlichkeiten im deutschen Reisevertrieb. In ihre Amtszeit fielen die Corona-Pandemie, der RTK-/FTI-Datenskandal von 2023 und zuletzt die Folgen der FTI-Insolvenz. Insgesamt blickt sie auf 43 Arbeitsjahre in der Touristik zurück.
TVG: Eine Ära im deutschen Reisevertrieb endet
Unter der Leitung von Birgit Aust entwickelte die TVG mehrere Vertriebs- und Ladenkonzepte für ihr Netzwerk. Dazu zählt das gemeinsam mit der Universität St. Gallen erarbeitete Konzept „Reisebüro der Zukunft”.
Dieses Modell bildet bis heute die Grundlage für zahlreiche Sonnenklar.TV-Reisebüros innerhalb der Organisation. Für die angeschlossenen Standorte ging es dabei stets um eine zentrale Frage des stationären Vertriebs: Wie bleibt ein Reisebüro im digitalen Wettbewerb relevant?
Solche Ladenkonzepte sind das Herzstück einer Franchise- und Vertriebsorganisation. Sie geben selbstständigen Reisebüros eine gemeinsame Marke, einheitliche Standards und gebündelte Einkaufskonditionen an die Hand. Wer ein solches Netzwerk über zwei Jahrzehnte prägt, hinterlässt entsprechend Spuren bei den Partnerbetrieben.
Eigenständig nach der FTI-Insolvenz
Die TVG war als Gemeinschaftsunternehmen von RTK und FTI direkt vom Umfeld der FTI-Affäre betroffen. Nach der Insolvenz des Reisekonzerns übernahm die RT-Gruppe die Gesellschaft vollständig.
Damit konnte die Organisation eigenständig weitergeführt werden. Für die Partnerbetriebe im Netzwerk war diese Klärung der Eigentümerstruktur die Voraussetzung, um wieder mit Planungssicherheit zu arbeiten. Aust begleitete diesen Übergang bis zu ihrem Ausscheiden.
Gerade in einem Franchise- und Vertriebssystem zählt diese Stabilität. Selbstständige Reisebüros binden sich vertraglich an die Organisation und sind auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen. Die geordnete Übernahme durch die RT-Gruppe nahm dem Netzwerk in einer turbulenten Marktphase einen erheblichen Unsicherheitsfaktor.
Die Nachfolge bleibt im bestehenden Team verankert
Die Führung der TVG bleibt nach Angaben der RT-Gruppe in den bestehenden Strukturen verankert. Hauke Moll führt die Geschäfte weiter.
An seine Seite rückt Dirk Faßbender in die Geschäftsleitung auf. Gemeinsam verantworten beide künftig die Weiterentwicklung der Organisation, unterstützt von Conny Koch und dem bestehenden Führungsteam. Ein Bruch in der Steuerung des Netzwerks ist damit nicht zu erwarten.
Gut zu wissen:
Franchise spielt im stationären Reisevertrieb eine tragende Rolle: Organisationen wie die TVG bündeln selbstständige Reisebüros unter gemeinsamen Marken, Einkaufsbedingungen und Vertriebskonzepten. Der Wechsel an der Spitze betrifft damit auch die Partnerbetriebe im Netzwerk.
Aust bleibt dem Franchisesektor erhalten
Einen neuen Posten bei einem anderen Arbeitgeber strebt Birgit Aust nach ihrem Abschied nicht an. Dem Franchisesektor bleibt sie dennoch verbunden.
Laut Reise vor 9 will sie sich weiterhin im Deutschen Franchiseverband engagieren. Der Verband versteht sich als Stimme der Branche und pflegt mit seinem Ehrenkodex verbindliche Qualitätsstandards für faire Partnerschaften zwischen Franchisegeber:innen und Franchisenehmer:innen.
Für die Branche ist Austs Engagement ein Signal: Eine erfahrene Stimme aus dem Vertrieb bleibt in der Verbandsarbeit präsent, während die TVG ihre Führung sortiert. Wie das Netzwerk seine Franchisekonzepte ab November fortschreibt, dürfte das nächste Kapitel sein, das die Branche aufmerksam verfolgt.











