Die Radisson Hotel Group setzt ihren Wachstumskurs im deutschsprachigen Raum konsequent fort. Am 7. Mai 2026 hat der Konzern die Aufnahme von drei Hotels in Deutschland und Österreich bekannt gegeben, betrieben vom Hamburger Multi-Unit-Franchise-Partner 1912 Hotels GmbH. Damit nähert sich die Gruppe ihrem strategischen Ziel von 100 DACH-Häusern bis Ende des Jahrzehnts.
Mit der neuen Kooperation übernimmt die 1912 Hotels GmbH als Franchise-Unternehmen und Lizenznehmer das Strandhotel Ahlbeck auf Usedom mit 105 Zimmern, das Hotel Raphael Vienna in Wien mit 78 Zimmern sowie das Radisson Hotel Lustenau in der österreichischen Bodenseeregion mit 114 Zimmern. Zwei der drei Häuser werden unter der konversionsorientierten Soft-Brand Radisson Individuals geführt, das dritte eröffnet unter der Kernmarke Radisson. Mit den Neuzugängen kommt die Radisson Hotel Group in der DACH-Region auf insgesamt 90 Hotels in Betrieb oder Entwicklung.
Das Franchise-Modell der Radisson Hotel Group im Detail
Die Radisson Hotel Group expandiert in Europa und Deutschland vorrangig über Franchise- und Managementverträge; eigene Investitionen in Hotelimmobilien spielen eine untergeordnete Rolle. Das zugrunde liegende Franchise-Konzept bedeutet, dass Hotelinhaber oder institutionelle Investoren Bau, Renovierung sowie den laufenden Betrieb der Häuser verantworten, während die Gruppe als Franchisegeber Marke, Reservierungssystem, Loyalty-Programm und globale Vertriebsstrukturen bereitstellt.
Dieser Asset-light-Ansatz des Franchising erlaubt es Radisson, in einem stark fragmentierten und wettbewerbsintensiven Hotelmarkt wie Deutschland deutlich schneller zu wachsen als über klassische Pacht- oder Eigentumsmodelle. Für Franchise-Partner liegt der Vorteil darin, sofortigen Zugang zu einem internationalen Buchungsnetzwerk sowie einer etablierten Marken- und Zielgruppenreichweite zu erhalten, die unabhängige Hotels allein nur schwer aufbauen könnten.
1912 Hotels GmbH: ein Multi-Unit-Partner mit Hebelwirkung
Die Hamburger 1912 Hotels GmbH bringt bei der aktuellen Kooperation gleich drei Häuser unter das Dach der Radisson Hotel Group, ein klares Signal für die zunehmende Bedeutung von Multi-Unit-Franchisenehmern in der europäischen Hotellerie. Anders als ein klassischer Einzel-Franchise-Partner führt ein Multi-Unit-Betreiber mehrere Standorte parallel und kann dadurch Synergien in Personal, Einkauf und Vertrieb realisieren. Für die Marke bedeutet dies geringere Komplexität in der Partnerbetreuung sowie eine höhere operative Konsistenz über die Häuser hinweg. Aus Sicht der Eigentümer reduziert das Modell die Anlaufzeit jedes einzelnen Hotels und sichert eine schnellere Markenaktivierung mit messbaren Umsatzeffekten.
Conversion als zentraler Wachstumshebel
Zwei der drei neuen Häuser, das Strandhotel Ahlbeck und das Hotel Raphael Vienna, werden als „Member of Radisson Individuals” geführt. Diese sogenannte Soft Brand richtet sich gezielt an unabhängige oder regional verwurzelte Hotels, die ihre Identität und Architektur bewahren möchten, gleichzeitig aber vom internationalen Markenversprechen profitieren wollen. Für die Radisson Hotel Group ist Conversion der schnellste Hebel zur Marktausweitung: Bestehende Häuser werden nicht abgerissen oder neu gebaut, sondern in das Markenportfolio integriert. In Deutschland hat die Gruppe parallel bereits Franchise-Verträge mit weiteren Conversion-Partnern wie DQuadrat Living über drei Häuser in Baden-Württemberg geschlossen, was den strategischen Stellenwert dieses Ansatzes unterstreicht.
Gut zu wissen:
Radisson Individuals ist eine Soft Brand für unabhängige Hotels, die ihre Identität behalten möchten und gleichzeitig Zugang zum globalen Vertriebsnetz der Radisson Hotel Group erhalten. Das Modell wird zunehmend von Eigentümern bestehender Häuser genutzt, um internationale Reichweite ohne kompletten Markenwechsel zu erzielen.
Was die Expansion für den DACH-Hotelmarkt bedeutet
Mit dem aktuellen Schritt unterstreicht Radisson, dass internationale Hotelmarken den deutschsprachigen Markt zunehmend über Franchise- und Lizenzkooperationen erschließen. Für Hoteleigentümer eröffnet das eine konkrete Alternative zum klassischen Eigenbetrieb, gerade dort, wo unabhängige Häuser unter steigenden Personal- und Energiekosten sowie wachsendem Wettbewerb durch Online-Plattformen stehen. Beobachten lohnt sich, ob Radisson das angekündigte 100-Hotel-Ziel bis Ende des Jahrzehnts erreicht und welche weiteren Multi-Unit-Partner nach 1912 Hotels und DQuadrat Living in den nächsten Quartalen hinzukommen. Auch konkurrierende Marken wie Marriott, Accor oder Best Western dürften ihre eigenen Franchise-Offensiven entsprechend nachjustieren.











