Die Feinkostkette Oil & Vinegar, ein international tätiges Franchise-Unternehmen, ist in Deutschland insolvent. Das Amtsgericht Cochem hat am 21. Mai 2026 ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die Betreibergesellschaft Francisco Deutschland GmbH angeordnet. Betroffen sind 19 Eigenfilialen, drei Franchisepartner und rund 80 Mitarbeitende. Der Filialbetrieb läuft vorerst weiter, und potenzielle Investoren haben bereits Interesse signalisiert.
Auslöser der Schieflage ist nicht der deutsche Markt selbst. Der Schritt geht zurück auf die Insolvenz der niederländischen Muttergesellschaft Assisi BV mit Sitz in Oosterhout, die im April 2026 Insolvenz angemeldet hatte. Mit dem Wegfall der zentralen Logistik, Beschaffung und Markenführung verlor die deutsche Tochter ihre operative Grundlage. Damit geriet auch das Franchise-Konzept der Marke unter Druck, das auf einer zentral gesteuerten Infrastruktur basiert. Hinzu kommen strukturelle Belastungen, die den Spezialitätenhandel zuletzt geprägt haben: gestiegene Energiekosten, gedrückte Konsumstimmung und eine zurückhaltende Ausgabenbereitschaft im hochwertigen Lebensmittelsegment.
Trotz der aktuellen Krise bleibt die Franchise-Marke Oil & Vinegar in mehreren Ländern aktiv. Ob und in welcher Form das Franchise-Unternehmen seine Präsenz in Deutschland fortführen kann, hängt nun maßgeblich vom weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens und möglichen Investorenlösungen ab.
Amtsgericht Cochem ordnet vorläufige Verwaltung an
Mit dem Beschluss vom 21. Mai 2026 unterstellt das Amtsgericht Cochem die Francisco Deutschland GmbH einem vorläufigen Insolvenzverfahren. Die Zuständigkeit ergibt sich aus dem deutschen Firmensitz in Cochem an der Mosel. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt das Gericht Rechtsanwalt Jens Lieser von der Kanzlei Lieser Rechtsanwälte aus Koblenz, einen ausgewiesenen Spezialisten für Sanierungsverfahren im Einzelhandel und in der Konsumgüterlogistik.
Sein Mandat ist klassisch dreigeteilt: Liquidität sichern, den Filialbetrieb stabilisieren und parallel Investorengespräche koordinieren. Die Verwaltung prüft zugleich die Werthaltigkeit von Warenbestand, Mietverträgen und den deutschen Markenrechten. Die nächsten vier bis sechs Wochen gelten als entscheidende Phase für eine geordnete Übernahme.
Betroffen sind 19 Eigenfilialen sowie drei selbstständige Franchisepartner:innen mit rund 80 Mitarbeitenden insgesamt.

Wie die Pleite der Mutter Assisi BV nach Deutschland überspringt
Die Krise begann rund 800 Kilometer westlich. Bereits im April 2026 beantragte die niederländische Holding Assisi BV aus Oosterhout das Insolvenzverfahren. Damit brachen für die deutsche Tochter Warenströme, Markenführung und zentrale IT-Strukturen weg. Ein klassischer Domino-Effekt im internationalen Markenfranchise.
Bezeichnend ist, dass die Schieflage operativ in Deutschland noch beherrschbar gewesen wäre. Der Konzernverbund ließ jedoch keinen Spielraum mehr. Ohne Zugriff auf die zentrale Beschaffung der Spezialitäten aus Italien, Spanien und Griechenland verlieren die Filialen ihren wichtigsten Wettbewerbsvorteil.
Filialbetrieb läuft weiter, Online-Shop bleibt offline
Die 19 Eigenfilialen und drei Franchisestandorte bleiben für Kund:innen geöffnet. Die Gehälter der rund 80 Mitarbeitenden sind dank des Insolvenzgeldes der Bundesagentur für Arbeit für die Monate Mai bis Juli 2026 gesichert.
Lediglich der Online-Shop ist offline. Das schmerzt im Premium-Feinkostsegment besonders, da das Direktgeschäft in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gewachsen war. Für die drei selbstständigen Franchisepartner:innen ist die Lage heikler. Ihre Marken- und Belieferungsverträge hängen an einer Holding, die selbst saniert wird. Der Gebietsschutz steht im Zweifelsfall auf dem Prüfstand eines neuen Eigentümers.
Gut zu wissen:
Im deutschen Insolvenzrecht trägt die Bundesagentur für Arbeit über das Insolvenzgeld die Löhne für bis zu drei Monate vor Eröffnung des Verfahrens. Das verschafft dem vorläufigen Verwalter Zeit, eine Lösung mit Investoren auszuhandeln, ohne die Belegschaft unmittelbar zu verlieren.
Investoreninteresse weckt Hoffnung auf Markenfortführung
Erste Kaufinteressenten haben sich beim vorläufigen Insolvenzverwalter bereits gemeldet, mit dem erklärten Ziel, die Filialen fortzuführen. In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob ein Investor Brand und Filialnetz im Paket übernimmt oder ob die deutsche Tochter standortweise abgewickelt wird.
Beobachter werden vor allem darauf achten, ob ein Käufer die Franchisepartner:innen mit übernimmt und welches Konzept für den ohnehin schwächelnden Premium-Feinkostmarkt überzeugt. Damit steht der Fall Oil & Vinegar exemplarisch für die strukturelle Herausforderung kleiner Spezialitätenketten in Deutschland: regionale Stärke, dünne Margen und hohe Abhängigkeit von einer einzigen internationalen Lieferkette.











