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Okaïdi zieht sich vollständig aus Deutschland zurück und schließt 17 Filialen

3 Min. Lesezeit
okaïdi pop up: herbstkollektion an kleiderstange

Die französische Kindermode-Marke Okaïdi zieht sich vollständig aus Deutschland zurück und schließt hierzulande 17 Filialen. Hinter dem Schritt steht ein gerichtliches Sanierungsverfahren der Muttergesellschaft IDKids, das in Frankreich zusätzlich 60 Standorte und 290 Stellen kostet — ein Warnsignal für filialstarke Bekleidungsnetzwerke.

Die Muttergesellschaft IDKids, zu der neben Okaïdi auch Obaïbi und Oxybul gehören, hat am 3. Februar 2026 beim Handelsgericht Lille Métropole ein gerichtliches Sanierungsverfahren beantragt (französisch: redressement judiciaire). Die zuvor an die Gruppe Deveaux verkaufte Premiummarke Jacadi ist davon ausgenommen.

Am 26. Mai 2026 stellte das Unternehmen den Sozialpartnern einen Reorganisationsplan vor. Er soll die Marke auf ihre profitabelsten Standorte konzentrieren, die Umsetzung ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.

Gut zu wissen: die Chronologie

  • 3. Februar 2026: IDKids beantragt das gerichtliche Sanierungsverfahren in Lille.
  • 26. Mai 2026: Vorstellung des Reorganisationsplans bei den Sozialpartnern.
  • 2. Halbjahr 2026: geplante Umsetzung, erste Schließungen in Frankreich und im Ausland.

Der Plan besiegelt den Ausstieg aus drei Märkten, die der Konzern als „strukturell defizitär” einstuft. In Deutschland schließt Okaïdi seine 17 Filialen, in Polen 25 und in Portugal zwei weitere Standorte. Insgesamt verschwindet die Marke damit von rund 44 Standorten in drei Ländern.

„Diese Märkte sind strukturell defizitär”, begründet die Geschäftsführung von IDKids den Schritt. Für deutsche Standortpartner:innen und Beschäftigte endet damit das Engagement einer internationalen Kindermode-Marke.

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Standorte, die Okaïdi in Deutschland schließt. Der Rückzug betrifft daneben 25 Filialen in Polen und zwei in Portugal. (Quelle: D/A Retail)

Stats illustration

In Frankreich sieht der Plan die Schließung von rund 60 Geschäften und den Wegfall von 290 Stellen vor, etwa 25 % der französischen Belegschaft. Aktuell betreibt Okaïdi dort 335 Bekleidungsgeschäfte als Franchise oder über andere Vertriebsformen.

In den betroffenen Marken arbeiten nahezu 2.000 Menschen. Die Geschäftsführung kündigte Begleitmaßnahmen an, mit Vorrang für Weiterbeschäftigung, interne Mobilität und individuelle Betreuung. Mehrere Wettbewerber im Segment hatten zuletzt ebenfalls Filialen geschlossen oder den Eigentümer gewechselt.

„Ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld”, so die Konzernleitung zur Erklärung der Verluste. Sie verweist auf den Geburtenrückgang, die angespannte Kaufkraft der Familien, den boomenden Secondhand-Markt und die Offensive der Ultra-Fast-Fashion-Anbieter.

Diese Entwicklungen drücken auf die Verkäufe der klassischen Kinderbekleidung und treffen Netzwerke mit dichtem Filialnetz besonders hart. Sinkende Volumen, Margen unter Druck und Kundschaft, die zuerst auf den Preis schaut, prägen das Segment.

Im Konzernmaßstab verweist IDKids auf einen Umsatz von 800 Millionen Euro, rund 1.200 Geschäfte und 6.000 Beschäftigte in 70 Ländern. Okaïdi allein steht weltweit für mehr als 900 Standorte und etwa 300 Millionen Euro Umsatzbeitrag.

Mit der Konzentration auf die ertragsstärksten Standorte setzt Okaïdi auf Rentabilität, um aus dem Sanierungsverfahren herauszufinden. Ob die Strategie aufgeht, entscheidet sich an der Leistung der erhaltenen Geschäfte und an der Fähigkeit der Gruppe, ihr Angebot gegen neue Konsumgewohnheiten neu aufzustellen.

Für den deutschen Markt heißt das: Eine internationale Kindermode-Marke verschwindet, während Wettbewerber und Secondhand-Konzepte um dieselben Familien werben. Die ersten Schließungen ab dem zweiten Halbjahr 2026 werden zeigen, ob Okaïdi die Abwärtsspirale stoppt und sein Modell stabilisiert.

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